Unsere Ollen zu Besuch: Eine Familienzusammenführung und suboptimale Umgebungsvarianten

Hatti´s Eltern Inga und Udo machten sich auf den Weg, uns zu besuchen. Trotz ihrer 70 plus kein Ding für die beiden, auch wenn es schon ein wenig Überredung kostete, sie die ersten beiden Nächte bei uns auf dem Schiff einzuquartieren und sie erst dann in ihre Ferienwohnung umsiedeln zu lassen.

Am Freitag letzter Woche landeten sie in Faro und holten dort unser abgestelltes Auto ab. Nur ein paar Stunden später waren sie bei uns auf dem Schiff. Schön, die Familie wieder bei sich zu haben!
Es war zu diesem Zeitpunkt schon etwas komisch: 2 Monate lang haben wir keine Wolke gesehen, geschweige denn Regen. Nun bekommen wir Besuch und haben Wäsche gewaschen, die im Regen erfolglos versucht zu trocknen. Wir wurden also gewarnt!

Da eine Nacht im Hafen von Portimao mit 43,- EUR (inkl. Rabatt!!!) zu Buche schlägt und damit 10,- EUR teurer als die Ferienwohnung ist, war eine weitere Nacht keine Option für uns.
Am nächsten Morgen fuhren wir zum Segeln aus dem Hafen raus. Bei leichten Winden ging es an der Küste entlang und nach ein paar Stunden wieder zurück … diesmal in die Ankerbucht vor Portimao!

Abends bruzzelten wir uns noch leckere Doraden, bevor sich einige Umgebungsvariablen zu unseren Ungunsten veränderten. Der gestrige Sonntag hatte es in sich!

Samstagabend klagte Udo schon über aufkommende Halsschmerzen. In der Nacht kam, wie vorhergesagt, ein Schwell in die Bucht gelaufen, der es uns kaum ermöglichte, ein Auge zu zumachen! Morgens, wir guckten alle ziemlich trübe aus der Wäsche, konnte Udo kaum noch schlucken vor Halsschmerzen.

Es ergab sich, dass die Ferienwohnung schon früher bezogen werden konnte. Allerdings mussten die beiden bis 12.15 Uhr dort sein, weil der Vermieter dann zu einer Familienfeier fuhr und erst gegen Abend zurück sein würde.
Anker auf, in den Hafen rein, Inga und Udo vom Schiff geschmissen und wieder raus aus dem Hafen, bevor jemand auf die Idee kam, nur für das kurze Anlegen zu kassieren.

Wir waren gerade dabei, unseren Anker in der Bucht wieder fallen zu lassen, da kam der Anruf: „Willy hat einen Platten!“ Shit! …und in einer Stunde müssen sie in der Unterkunft sein!
Aber, wozu hat man Freunde? Ein Anruf bei Pete (Freund aus Harburg) von der „Tharos“ und er ließ alles fallen, was er gerade in der Hand hatte und kutschierte die beiden mit seinem Bulli zur Unterkunft!
Ein Hoch auf die Seglergemeinde! Braucht jemand Hilfe, stehen sie alle sofort Gewehr bei Fuß und helfen ohne Selbstnutz. Die Gemeinde ist gut vernetzt! 🙂 Ein dickes Dankeschön an Pete!!!

In der Unterkunft angekommen, stellte sich leider heraus, dass das auf den Bildern bei AirBnb so schön dargestellte Zimmer bis auf ein Bett und einem Stuhl nix weiter hatte. Auch die Küche war zur gemeinschaftlichen Nutzung mit den Eigentümern vorgesehen. Garniert wurde alles von einem Golden Retriever, der Hatti´s Mutter „sehr zugetan“ war! Wer Inga und Udo kennt, weiß, dass sie wirklich völlig anspruchslos sind. Übernachtungen in ihrem winzigen Bauwagen in der Tannenbaumschonung ziehen sie einem Hotelaufenthalt mit Frühstücksbuffet vor. Aber diese Unterkunft war schon hart an der Grenze.

Udo brachte zu diesem Zeitpunkt kaum noch ein Wort raus. Zumindest war der Vermieter Paulo sehr besorgt um die beiden und fuhr sie zum Einkaufen in´s nächstgelegene Einkaufszentrum.

Derweil fuhr Steffi Hatti, samt Werkzeug, mit dem Schlauchboot an Land, damit er den Reifenwechsel vornehmen konnte. Da wir den Wagen ja mit 2 Schlafplätzen ausgebaut hatten, galt es das Auto zunächst zu entkernen. Alles musste raus! Nachdem das aber alles einigermaßen unproblematisch erledigt war, fuhr Hatti Richtung Einkaufszentrum, um dort Inga und Udo abzuholen. Die beiden brachten Hatti dann an einen Strand, wo er von Steffi mit dem Schlauchboot wieder abgeholt wurde. Puh! Das war erledigt!

Aber es ging weiter: Inga und Udo fanden den Weg zur Unterkunft nicht mehr! 3 Stunden „erkundeten“ sie die Gegend, um dann endlich wieder vom Golden Retriever angesprungen zu werden und sich in ihre Höhle zurückziehen zu können.

Wir blieben aber auch nicht von weiteren negativen Umgebungsvariablen verschont! Unsere hatte den Namen „David“.

David trafen wir nach einer Joggingrunde vor unserem Schlauchboot, mit dem wir gerade zu BigFoot zurückkehren wollten. Kurz zuvor ist David gestürzt und blutete aus einigen Platzwunden. David lag mit seinem Schiff auch vor Anker in der Nähe von BigFoot! David ist ein ca. 65-jähriger Engländer. David war zudem sturzbetrunken! David war nicht mehr in der Lage zu gehen, geschweige denn in sein Schlauchboot einzusteigen und in sein Schiff zu klettern. Er konnte nur mit Steffi´s Hilfe noch stehen. Es kamen schwedische Segler hinzu, die dort eine Unterkunft hatten und ihm für eine Nacht ein Bett anboten.

Wie es aber mit Brexitdebatten erprobten Engländern so ist, wird angefangen zu diskutieren: „Ich will das, was mir keiner gibt!“ – „Ok, dann will ich das, was nicht geht“.
Hatti weigerte sich strikt, ihn in seinem Zustand zu seinem Boot zu fahren, weil er die Verantwortung nicht auf sich nehmen wollte und ein Versuch, ihn kurze Zeit auf eignen Füssen stehen zu lassen, ließ schnell erkennen, dass er selbst dazu nicht mehr in der Lage war, was ihn aber nicht daran hinderte endlos weiter zu diskutieren!
In Absprache mit den Schweden übernahm Hatti die Rolle des „Bad Guy“ und wurde laut:
“You bloody drunken bastard – we stop this now! You have the choice: Sleep here ore we call the police!”
Es wurde ruhig! Steffi hatte die Absprache nicht mitbekommen und guckte ängstlich zu Hatti!
Kurzerhand stiegen wir in´s eigene Schlauchi und „klauten“ auch das Schlauchi von David, dem damit jede Möglichkeit genommen wurde, zu seinem Boot zu kommen. Mit den Schweden tauschten wir noch Telefonnummern aus, um David am nächsten Morgen zu seinem Schiff zu bringen.
Er wurde jedoch zwei Stunden später von einem örtlichen Wassertaxi zum Schiff gebracht und gelangte zum Glück unfallfrei an Bord. Wir vertäuten sein Schlauchi noch nachts an seinem Schiff, ohne uns bemerkbar zu machen, weil wir ihn nur ungern in seinem Zustand außerhalb des Cockpits rumstolpern sehen wollten.

In der Zwischenzeit war Inga und Udo klar, dass sie in ihrer Unterkunft nicht bleiben wollten. Im Netz suchten wir Alternativen. Glücklicherweise hat wohl auch der Vermieter Paulo erkannt, dass es eine Diskrepanz zwischen den Ansprüchen und der Zimmerausstattung gab. Er führte die beiden in das obere Stockwerk des Hauses, öffnete eine Tür und…Wumms! – eine traumhafte Unterkunft, die sie heute beziehen können.

Heute, Montag, kam bei Udo dann auch noch Schüttelfrost dazu und Inga fängt auch schon an zu schwächeln. Es ist also noch Luft nach oben! Drückt die Daumen, dass die beiden schnell wieder auf die Beine kommen und wir gemeinsam die Gegend unsicher machen können!

Die beiden werden es überstehen und wir sind überglücklich, dass auch bei jemand anderem eine Behandlung gerade gut anschlägt!

Sailors Life!

2 Gedanken zu „Unsere Ollen zu Besuch: Eine Familienzusammenführung und suboptimale Umgebungsvarianten“

  1. Alles Gute für Euch alle! Es ist sehr interessant zu lesen, was Ihr so alles erlebt. Und ich mag Deinen / Euren Schreibstil sehr, einfach klasse!
    Liebe Grüße aus Las Palmas! Bettina 🙋‍♀️

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