Unsere Ollen Part 2: Röde Orm, im Westen keine Bratwurst, Hattis for Future , ich möchte zahlen und „…ein verlorenes Land und ein Leben in Gefahr…“

Inga und Udo ging es endlich besser und Inga´s Geburtstag stand am 27. September an. Für diesen Tag hatten wir uns ein strammes Programm überlegt.

Dieses Programm begann mit einem Geburtstagsfrühstück in deren Unterkunft. Anschließend unternahmen wir einen Ausflug über kleine Landstraßen und Dörfer zum Cabo de Sao Vicente. Dieses Kap ist der südwestlichste Punkt Europas. Mehr oder weniger bekannt ist der dortige, von Deutschen betriebene Imbisswagen, der mit der „letzten Bratwurst vor Amerika“ wirbt. Umso näher wir dem Kap kamen, umso windiger und kälter wurde es. Am Kap 21 Grad und Starkwind!

Mit diesen Infos gefüttert nahm Inga ein Glückwunschtelefonat an und berichtete aufgeregt:
“Wir haben hier 30 Grad, fahren nach Westen und da gibt es keine Bratwurst mehr…“

Die letzten Kilometer bis zum Kap schüttelten wir uns im Auto vor Lachen. Sofort kam uns die Geschichte von Steffi´s Patenkind Greta wieder in den Sinn, die den Spruch „Hoch die Hände… Wochenende!“ umwandelte in „Hände hoch… Samstag!“

Das Kap war beeindruckend und auch der Rückweg ging über tolle kleine Küstenwege zurück nach Portimao.

Der 27. war ein Freitag und überall auf der Welt demonstrierten Menschen gegen die Tatenlosigkeit von Politik und Wirtschaft in Sachen Klimawandel. Als Segler bekommt man diesen Wandel unmittelbarer mit als manch anderer. Gespräche mit Fischern auf Guernsey, mit Hafenberteibern in Spanien und Portugal brachten immer wieder die gleichen Aussagen hervor: „Das hatten wir hier noch nie“, „das kennen wir so nicht“, „darauf sind wir nicht vorbereitet“.
Symptome sind häufige, völlig ungewöhnlich starke Winde aus ungewöhnlichen Richtungen, verschobene Jahreszeiten, Trockenheiten und Waldbrände.
Es gibt Windkarten, die Auskunft über vorherrschende Winde in bestimmten Seegebieten zu bestimmten Jahreszeiten Auskunft geben sollen. Diese wurden aus statistischen Mittelwerten gebildet, die bis Ende der 90 er gesammelt wurden. DIESE SIND NICHT MEHR ZU GEBRAUCHEN, da sie nicht mehr aktuell sind!
Für uns ist der Klimawandel nichts Abstraktes, was in ferner Zukunft irgendwann einmal stattfinden „könnte“. Fuck, neee… er ist greifbar und findet jetzt gerade statt!!!

Wir sind stolz auf unsere Ollen, dass auch sie an zukünftige Generationen denken und es völlig klar war, dass auch wir, selbst an Inga´s Geburtstag, demonstrieren gingen. Zwar ist das Thema Klimawandel noch nicht so in Portugal angekommen, aber immerhin fand sich eine kleine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen zusammen. In familiärer Atmosphäre besetzten wir eine Straße und zogen durch ein Einkaufszentrum. Die Frauen waren hier die treibende Kraft! Wer weiß, vielleicht haben wir ja doch etwas Aufmerksamkeit erzeugt!? Ein Polizeiwagen, der vorbei fuhr, hupte freundlich und wir wurden beklatscht!

Abgerundet wurde Inga´s Geburtstag mit einem Abendessen in einem Restaurant, was wir so noch nicht kennengelernt hatten. Begrüßt wurden wir vom Betreiber in einem Raum, der eher einem Wohnzimmer glich, mit: „es läuft hier etwas anders als ihr es vielleicht kennt. Ihr könnt hier nix bestellen. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ Upps! Ok, dann man los!

Klar war, dass es sich um ein mehrgängiges Menü handelte. Udo´s und Hatti´s Blicken war deutlich die Angst anzusehen, nicht satt zu werden. Bei den Winzlingsportionen, die so ein Mehrgängemenü häufig mit sich bringt, passiert das bei den beiden öfter mal.
Hier war es anders! Wer Udo kennt, weiß, dass er gern viel isst und dabei ein Tempo vorlegt, dass ihn schon am Tresen bezahlen lässt, während der Rest der Familie gerade erst hoch fährt… immer sein gemütliches Sofa und den Fernseher vor Augen.
Mit dieser Gewohnheit kam er hier aber nicht durch! Nach dem 4. Gang rief er den Kellner, um zu bezahlen! Unbezahlbar der Blick dieses Menschen.“Well, it´s not finished..“ antwortete er mit einem müden Lächeln. Nach dem 5. Gang wieder: „so, jetzt wollen wir aber auch mal bezahlen!“ Erst nach dem 6. Gang sagte er nix mehr! Es kamen dann ja auch nur noch 2 Gänge! Wow, war das ein Essen! Typisch portugiesische Küche mit einer Flatrate in Sachen Getränke. Ein toller Tag ging zu Ende!

Wieder über Facebook hatte sich ein Kontakt zu Julia und Stefan von der „Röde Orm“ hergestellt, die wir am folgenden Morgen persönlich kennengelernt haben. Auch sie bleiben eine Zeit auf dieser Ecke und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.

Mit Udo und Inga legten wir noch ein paar Strandtage ein und machten kleinere Wanderungen.
Außerdem grillten wir in einer Felshöhle. Was für eine Location! Als Inga auf dem Klappstuhl mit den Füssen im Wasser Platz nahm, schossen ihr sofort die Tränen in die Augen: „Das ist sooo schön! Ihr habt so ein tolles Leben!“
…das finden wir auch!

Die Beiden verbrachten die letzte Nacht bei uns auf dem Schiff und am Abreisetag klingelte um 02.45 Uhr der Wecker, weil der Flug schon um 07.00 Uhr ab Faro ging.
Vielen Dank Euch für die schöne Zeit und bis bald!

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