Ostern: Ironman, Auflösungserscheinungen und im Stehen pinkeln

Seit vier Wochen sind wir nun wieder in Spanien. Als wir los fuhren freuten wir uns: ab in den Süden, endlich weg vom Hamburger Schmuddelwetter! Tja, Pustekuchen… zu Hause wird´s sommerlich, Freunde schicken uns Fotos von Grillparties und es wird von Dürre und Waldbrandgefahr berichtet. Wir hingegen genießen zünftiges Aprilwetter mit Sonne, Wolken, Graupelschauern, Gewitter und ausgiebigen Regengüssen bei Temperaturschwankungen zwischen 6 und 26 Grad! Finde den Fehler… „Ostern: Ironman, Auflösungserscheinungen und im Stehen pinkeln“ weiterlesen

Autopilgern nach Santiago: Schuss nicht gehört, eine Nacht auf dem Friedhof und ein paar Pilger

Die letzten 8 Tage hatten wir so richtiges Scheißwetter. Während in Hamburg die Sonne schien und sich unsere Heimatinsel Wilhelmsburg bei über 20 Grad und grillrauchgeschwängert von der sanft dahinfließenden Elbe liebkosen ließ, kamen wir bei Sturm und Regen kaum aus dem Schiff. „Autopilgern nach Santiago: Schuss nicht gehört, eine Nacht auf dem Friedhof und ein paar Pilger“ weiterlesen

Auch in Vigo beginnt die Segelsaison mit (Sch…-)Arbeit

Nach unserem Road-Trip kamen wir am Samstag Nachmittag in unserem Überwinterungshafen San Adrián an.
Mit Schiss inner Büx wanderten wir den Steg entlang. Unsere Aufregung war aber unbegründet – wir fanden BigFoot in einem hervorragenden Zustand vor! Außer einem kleinen Riss in der Abdeckplane war alles picobello. Super, wieder an Bord zu sein! Man weiß, wo alles ist, jeder Handgriff sitzt und es fühlt sich gleich wieder nach Zuhause an. Und nachdem wir die letzten Tage in unserer Sardinenbüchse Willy verbracht haben, kommt uns das Schiff wie ein riesiges Raumwunder vor. „Auch in Vigo beginnt die Segelsaison mit (Sch…-)Arbeit“ weiterlesen

Die Suche nach einem Überwinterungshafen

Bei der Suche nach unserem Überwinterungshafen hatten wir folgende, bescheidene Ansprüche: er sollte gut geschützt sein, nix kosten und in einer schönen Umgebung liegen. Die stadtnahen Häfen von Vigo kamen der Preise wegen nicht in Frage (300,- EUR/Monat) oder die Sanitäranlagen waren so versifft (Marina Punta Lagoa), dass man sich auch gleich im Tropeninstitut ein Bett hätte bestellen können – und gerade Hatti ist bekannt für seinen nicht allzu hohen Anspruch an solche Dinge – aber „Die Suche nach einem Überwinterungshafen“ weiterlesen

Ria de Muros, Ria de Arousa, Ria de Pontevedra, Ria de Vigo und das Naturschutzgebiet Islas Atlanticas de Galicia

Die Crew der Yoko hat sich in Richtung Portugal davon gemacht und wir werden die kommenden Wochen alleine unterwegs sein.

Alleine ist man aber selten lange, wenn man nicht gerade wie ein schüchterner Zombie über die Stege läuft. Hatti bekommt ja zu Hause unter fremden Menschen kaum mal das Maul auf, im Hafen auf dem Steg jedoch, wird jeder angelabert, der nicht bei 3 auf der ersten Saling sitzt.

Ria Muros: empfangen wurden wir im Hafen von Muros von Pedro. Pedro ist in jedem Hafenführer mittlerweile ein Begriff! Vergisst man, sich vor dem Einlaufen bei ihm über Funk zu melden, wird der Erstkontakt schwierig und man bekommt eine Liste von Konsequenzen vorgebetet, die das Níchtmelden nach sich zieht. Bisher ist jedoch nicht bekannt, dass es mal tatsächlich zum Eintreffen einer dieser grauenhaft vorhergesagten Spätfolgen dieser Amtsignoranz kam. Nach einem Tag wäscht Pedro schon die Wäsche der Neuankömmlinge und man muss ihn einfach gern haben. Weiter lernten wir ein dänisches Paar kennen, die auch hier in der Ecke überwintern wollen und einen Deutschen, der auf der Durchreise war. Muros ist einer der beiden Überwinterungshäfen, die wir in den drei Rias empfehlen können. Gut geschützt, günstig, mit guten Verkehrsanbindungen und …mit Pedro.

Nach einer Woche zog es uns in die Nächste Ria, Ria de Arousa: Diese ist die größte der vier Rias und sie ist so verzweigt, dass man bei allen Windrichtungen irgendwo einen Platz zum Ankern findet. In jede Ecke der Ria guckten wir rein und fanden tolle Ankermöglichkeiten, inklusive Delfine.
Die Einfahrt ist, für von Norden kommende Schiffe, etwas figeliensch. Man kann aussen um eine Insel rum oder zwischen Insel und Festland abkürzen. Blöde nur, dass zwischen Insel und Festland viele Riffe auf einen lauern. Egal, Wetter war gut…also die Abkürzung! In der schwierigsten Stelle nahm der Wind leider schlagartig zu und wir mussten einreffen. Untermalt wurde die Hektik an Bord durch einen grandieosen Waldbrand der die Ria mit Rauch flutete, aber auch in ein tolles rosa Licht tauchte.

In einer Ankerbucht fuhr Hatti mit dem Schlauchi an einem deutschen Schiff vorbei um nur kurz Hallo zu sagen. „Hallo“ kam es zurück und „Ich soll schön von Jens und Silke von der Walross grüßen!“
Häh? Wie jetzt? Mit Jens und Silke aus Lübeck sind wir letztes Jahr zusammen einige Etappen in Frankreich gesegelt und jetzt bekommen wir über diesem Wege Grüße von ihnen zugesteckt? Es stellte sich heraus, dass beide Schiffe zusammen in Lübeck ihren Heimathafen haben und die BigFoot war durch Gespräche und Internet schon bekannt. Auch die Yoko hatten die beiden schon getroffen. Der Atlantik ist ein Ententeich! Jeder kennt jeden! Bei einem gemeinsamen Abendessen lernten wir uns dann näher kennen, um uns am nächsten Tag auch schon wieder zu trennen. Für uns ging es in eine andere Ankerbucht und dann in den Hafen von Vilagarcia, um uns für 8 Tage Besuch an Bord zu holen.

Silvi und Martin besuchten uns schon letztes Jahr, als die Stimmung an Bord ziemlich am Boden war. Ihr Besuch war zu dieser Zeit genau das Richtige, um uns wieder nach oben zu bringen. So freuten wir uns auch dieses Mal, die beiden endlich wieder sehen zu können. Die gemeinsamen Tage sollten genial werden. Jeden Tag konnten wir den Übernachtungsplatz, mal Hafen, mal Ankerbucht, wechseln. Wind und Wetter waren wie für uns gemacht. Segeln, Baden, Angeln, geistreiche Gespräche über ungelöste Stuhlgangprobleme (hier sind Martin und Hatti lobenswert zu benennen) und immer gutes Essen - geil!
Getrunken wurde selten wenig und wir füllten traumhaft ruhige Ankerbuchten mit einem lebhaften Gegacker, oder schilmmer, mit Gesang!
Wir merkten, dass wir voll im Langfahrtmodus angekommen sind, weil diese Woche uns irgendwie wie Urlaub vom "Langfahrttrott" vorkam.

Um im Naturschutzpark Islas Atlanticas de Galicia segeln zu dürfen, muss man online einen Antrag auf Befahrenserlaubnis stellen. Dies taten wir schon 2 Wochen im Voraus und erhielten schnell die Genehmigung. Jedoch muss man, um vor einer der Inseln ankern zu dürfen, zusätzlich noch eine Ankererlaubnis für die entsprechende Insel und den genauen Tag beantragen, weil täglich nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern die Inseln betreten sollen. Für uns, die wir in der Nachsaison unterwegs sind, kein Problem. Die Genehmigungen waren Minuten später da. Die Isla Ons war schon echt schick!

Von dort ging es am nächsten Tag, begleitet von Delfinen in die Ria de Pontevedra nach Combarro. Ein traumhafter Altstadtkern, den man gesehen haben muss, aber ein in der Nebensaison völlig überteuerter Hafen. 39,- EUR für eine Nacht und damit doppelt so teuer wie die umliegenden Häfen! Hätten wir das gewußt, wären wir vor Anker gegangen!
Und dann kam der Hammer: Die Isla Ciest im Naturschutzpark. Ein Traum mit einer Landschaft wie im Jurassic Park. Auch hier mussten wir wieder einen Antrag auf Ankergenehmigung stellen und hatten mit nur 4 Ankerliegern die Insel fast für uns allein.

In der Ria de Vigo gingen Silvi und Martin wieder von Bord und flogen zurück nach Hamburg. Wir mussten uns jetzt intensiver um einen Überwinterungshafen kümmern, weil auch schlagartig das Wetter umschlug.

Der Hurrican Leslie war im Anmarsch.  Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass man es auf dieser Seite des Atlantiks mit einem Hurrican zu tun bekommt. Der Klimawandel lässt grüssen! Alle uns bekannten Schiffe richteten sich auf einen schweren Sturm ein, der jedoch glücklicherweise nicht so schwer wurde wie angesagt (auf See hatte er noch 180 Km/h auf dem Tacho) und eher unten im Süden bei Lissabon auf Land traf. Er richtete jedoch in Portugal schwere Verwüstungen an und war der schwerste Sturm in dieser Ecke seit 1842. Auf seiner weiteren Zugbahn richtete er selbst in Italien noch schwere Schäden an.

A Coruna

Dann, am Donnerstag den 23. August 2018 nahmen wir endlich Kurs auf das legendäre A Coruna! Der Ort, den die meisten Fahrtensegler als erstes nach der Biskaya-Überquerung anlaufen. Wären wir auch direkt von Brest rüber gefahren, hätten wir hier schon Mitte Mai sein können. Aber was hätten wir dann alles Schönes verpasst!!
Schon die Fahrt nach A Coruna war besonders - denn wir konnten segeln!! Mit Blister!! Ohne hohe Wellen! Ein schon verloren geglaubtes Glücksgefühl machte sich breit. Leider war es eine kurze Fahrt, denn wir kamen ja vom nur 8 Seemeilen entfernten Ankerplatz, aber immerhin sind wir unter Segeln eingelaufen!

In der Marina Nautico trafen wir unsere Freunde Ros und Alan wieder. Das wurde in den Kneipen von A Coruna ausgiebig gefeiert. Die beiden luden uns ein und wir hatten einen tollen Abend in der Altstadt! Am nächsten Tag mussten erst einmal diverse Arbeiten erledigt werden. Nach zwei Wochen vor Anker brauchten unsere Klamotten, das Boot und wir eine ordentliche Wäsche. Außerdem hatten wir die Engländer zu uns zum Paella-Essen eingladen. Es hieß also einkaufen, aufräumen, kochen. Trotzdem war zwischendurch noch Zeit für ein nettes, entspanntes Pläuschen mit Inga und Hagen (den Zahnärzten), die mit ihrem Boot „Salmon“ in der Nachbar-Marina lagen und auf einen Besuch vorbei kamen. Der Paella-Abend war ein voller Erfolg. Jörg hat toll gekocht und Ros und Alan sind Zwei, die man einfach gut um sich haben kann.

Auch im Hafen von A Coruna gibt es ein Rabatt-System: wenn man 5 Nächte bleibt, bekommt man 20% Nachlass für jede Nacht. Na, das hört sich doch gut an! Also haben wir gleich für 5 Nächte gebucht. Der Hafen liegt direkt an der Stadt, bietet vernünftige Sanitäranlagen und WIFI. Hier kann man es also ein paar Tage aushalten. Ab und zu kommt ein Kreuzfahrtschiff für einen Tag zu Besuch. Zum Glück sind die gefürchteten Menschenmassen in der Stadt ausgeblieben - das verläuft sich wohl irgendwie…. Nur dann und wann mussten wir den schrägen Gesang eines Bord-Entertainers ertragen, der durch den Hafen tönte. Wir haben ihn aber schnell zum Schweigen gebracht, indem Jörg einfach lautstarkt mit gesungen hat! 😉

Wir genossen die Tage in A Coruna. Das Wetter war super und wir machten Fahrradtouren entlang der Küste und auf den Monte de San Pedro. Nachmittags chillten wir meistens an Bord, hielten Klönschnack mit den Engländern oder schlenderten durch die Stadt. Abends gab´s ein gratis Folk-Konzert im Park! Zum Pflichtprogramm gehörte es natürlich auch, das Wahrzeichen der Stadt, den Hercules-Turm zu besichtigen. Es ist der weltweit älteste noch in Betrieb stehende Leuchtturm und gehört zum UNESCO-Welterbe. Um den wunderbaren Ausblick auf die Umgebug und den Atlantik zu genießen, müssen 242 Stufen erklommen werden. Für eine Regulation der Besucherströme besorgt man sich die Tickets vorab für einen bestimmten Tag und Uhrzeit. Montags ist die Besichtigung kostenlos. Ist ja klar, wann wir den Turm besteigen wollten! Wir holten uns also unsere Tickets für Montag, 11:00 Uhr. Als wir dann am Montag Morgen den Kopf aus der Luke steckten, guckten wir etwas sparsam: dicke Suppe! Nebel vom Feinsten… Nun ja, wir radelten trotzdem auf gut Glück zum Torre de Hércules. Der Nebel war so dicht, dass wir den Turm kaum sahen, obwohl wir direkt davor standen. Egal… für kost nix kann man ja trotzdem mal hochlaufen. Und es war wirklich interessant! Auf dem Weg nach oben findet der Besucher sehr viel Information über die Architektur und Geschichte des Turms. Oben angekommen sahen wir allerdings nichts außer eine weiße Wand! Ganz kurz öffnete sich der Nebel und gab ein Guckloch auf Berge und Meer frei, um sich nach einem Augenblick wieder zu verschließen. Irgendwie mystisch!

Ros und Alan verließen A Coruna einen Tag vor uns und obwohl Alan Steffi mehrfach angeboten hatte, ab jetzt auf ihrer „Musetta of Hamble“ mit zu segeln, entschied sie sich dafür, bei „BigFoot“ zu bleiben. Auch die beiden werden wir wohl so schnell nicht wieder treffen, denn sie wollen dieses Jahr zu den Kapverden und dann eventuell noch über den Atlantik in die Karibik.

Nach 5 Tagen Großstadt waren wir dann aber auch mal wieder reif für die Ruhe einer gemütlichen Ankerbucht.
Wir blieben 4 Nächte in der Nähe von Ferrol, direkt vor der alten Festung San Felipe. Festungsbesichtigung, Wandern, Baden, mit dem Schlauchi nach Ferrol, um dort einzukaufen und das Marinemuseum zu besichtigen, standen auf dem Plan.
In Ferrol wurde es am Ankerplatz bei zunehmenden Winden aber recht ungemütlich. In dem schmalen Flusseinschnitt stand eine ordentliche Düse und wir entschlossen uns, eine Ankerbucht weiter, nach Ares zu segeln. Einmal raus aus der Flussmündung war der Wind weg. Auch vor Ares lagen wir sehr geschützt. An dem Ankunftstag fand in der Stadt ein Motorradtreffen statt und den ganzen Tag jaulten die Maschinen laut auf. Dann war um 19.00 Uhr Ruhe! Was sind das denn für Rocker ?…dachten wir. Aber nix da! Der eigentliche Aufmarsch der Motorräder begann um 00.30 Uhr und anschließend ging das Musikgehämmer los. In Spanien ticken die Uhren etwas anders.
In Ares blieben wir auch ein paar Nächte. Ein kleines Bier in einer Bodega verschaffte uns das Passwort des Hotspots der Bar, den wir mit unserer Antenne auf dem Schiff auch am Ankerplatz empfangen konnten.
Aktuell ändert sich das Wetter gerade. Es wird zunehmend windig und bewölkt. Morgen soll es dazu noch Gewitter geben. Da unsere Klamotten auch wieder nach einer Waschmaschine schreien, werden wir morgen in den Hafen von Sada segeln.
Das passt gut, weil die Crew der Yoko nach 3 Wochen Heimaturlaub zu ihrem Schiff in Sada zurück kommt und der nächste gemeinsame Grillabend ansteht.
Die Yoko will dieses Jahr noch weiter, an Portugal vorbei, nach Südspanien.
Wir hingegen werden uns jetzt zwischen A Coruna und Vigo nach einem Winter-Liegeplatz umsehen. Im nächsten Jahr wollen wir Portugal in Angriff nehmen, vorher aber noch die Rias, Ankerplätze und Inseln im Naturschutzpark um Vigo herum genießen. Ende September bekommen wir nochmal für eine Woche Segel-Besuch. Mit unseren Freunden werden dann Richtung spanisch-portugiesische Grenze segeln.
Wir haben unsere Geschwindigkeit gefunden!

 

Spanien – ein neues Lebensgefühl

Schon von Frankreich aus konnte man in der Ferne die Gebirge Spaniens sehen und mit Überschreitung der spanischen Grenze änderte sich die Landschaft schlagartig.

Und nicht nur diese! Auch die Leute und damit das Leben auf der Strasse und in den Gassen war ein komplett anderes: Laut und ausgelassen … unterstützt durch die Restaurantpreise! Während man in Frankreich für den Einkauf eines guten Essens im Supermarkt schon tief in die Tasche greifen musste, kann man sich hier einfach in´s Restaurant setzen. Alles war nur noch halb so teuer!

Die erste Stadt Spaniens, San Sebastian hat uns insofern auch gleich umgehauen: Jubel, Trubel und…laut! der kleine Hafen liegt mitten in der Stadt und jeden Tag wird hier gefeiert! Wow! Wir waren geflasht aber auch froh, dass wir am nächsten Tag schon in den kleinen gemütlichen Hafen von Mutriku einlaufen konnten.

Die Lebensmittelpreise sind niedrig, bei den Liegegebühren muss man jedoch aufpassen. In Bilbao sollte eine Nacht im Hafen über 50,- EUR kosten. Schnell war klar: wir ankern! Mit der Crew der Yoko ging es 2 Tage mit der S Bahn vom Hafen ins Zentrum von Bilbao. Vom Guggenheim Museum waren wir fasziniert, aber von den Exponaten auch zeitweise irritiert. Nach dem Motto einer Reinigungsfachangestellten: „Ist das Kunst oder kann das wech!?“

Der Hafen Castro Urdiales hat alle bisherigen Eindrücke Spaniens noch einmal in seiner Intensität verdoppelt. Der Hafen hat keine Pontons, aber es gibt Mooringbojen, an denen man festmachen kann und man wird von einem Wassertaxi bei Bedarf abgeholt. Kosten 25 EUR! Für uns zuviel, wir gingen wieder vor Anker! Dann aber der Gang in die Stadt: Engste Gassen und Hausweine zu einem Preis von 0,50 EUR pro Glas sorgten für Leben im Karton! Eine Lautsärke und Ausgelassenheit, die man miterlebt haben muss! Einfach geil!!!

Über einen kurzen Zwischenstopp in Laredo ging es wieder in eine Großstadt: Santander. Alle Häfen sind hier gnadenlos überfüllt und überteuert. Also rauschte wieder der Anker in die Tiefe. Santander hat nich so ganz viel zu bieten und ein richtiges Zentrum konnten wir nicht entdecken. Jedoch bekamen wir überraschenden Besuch von Jörg´s ehemaligem Arbeitskollegen Stefan nebst Familie. Aber nach 2 unruhigen Nächten im Schwell vor Anker hatten wir auch schon genug.

60 Meilen motoren nach Ribadasella! Boah, das zog sich! Dort angekommen, beschlossen wir ein paar Tage zu bleiben um auch mal wieder richtig auszuschlafen. Auch hier gab es Einiges zu unternehmen: Höhlenbesuch, Wandern und Busfahrt zu den Picos de Europa, wo man damit rechnet, dass jeden Moment Heidi mit ihrem Ziegen-Peter um die Ecke bzw. um den Berg herum kommt!
Der Tag hatte wieder einmal nicht genügend Stunden!

Von Ribadesella aus fuhren wir nach Gijon. Auf der Fahrt dorthin haben wir wieder Delfine gesichtet - leider nur aus der Ferne! Außerdem eine merkwürdige Erscheinung unterwegs: bei 60 Meter Wassertiefe wimmelte es plötzlich an der Oberfläche von kleinen Krebsen! Zu tausenden paddelten sie um uns herum und wir kamen uns vor wie in Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“. Ein bisschen gruselig…! Die erwartete Unterwasserexplosion blieb aber zum Glück aus!

Die Hafengebühren sind in Gijon relativ hoch, jedoch ist die 4. Nacht kostenlos, was das Ganze relativiert. Die Stadt gefiel uns besonders gut am Abend bzw. in der Nacht, weil wir lieber Bodegas anstatt Boutiquen besuchen!

Unsere Rostocker Freunde Ilona und Andi von der „Yoko“ blieben nur eine Nacht, denn die 70,- EUR Gebühr für den Katamaran gingen gar nicht! Das bedeutete Abschied für längere Zeit, denn die beiden wollten von A Coruna aus für ein paar Wochen nach Hause fliegen, während wir uns jetzt mehr Zeit beim Reisen lassen wollen. Es war ein komisches Gefühl, der „Yoko“ beim Auslaufen hinterher zu schauen, nachdem wir nun sehr lange gemeinsam unterwegs waren und so viel schöne Zeit zusammen verbracht hatten. Aber es war schon klar, dass wir uns in der Gegend von La Coruna wieder sehen würden. Außerdem blieben wir nicht ganz allein zurück. Wir fanden uns schnell in einer Gruppe von Holländern, Engländern und Deutschen wieder, mit denen wir geniale Abende verbrachten. Die Sprachen englisch, holländisch und (platt)deutsch sind ja auch eng miteinander verwandt. Zumindest verschmolz zu vorgerückter Stunde alles zu einem nuscheligen, einheitlichen Kaudawelsch, den alle zu verstehen schienen… In Gijon trafen wir auch Raz, den wir zuvor über Facebook kennengelernt hatten und der mit seinem Boot „Noa“ in die entgegegen gesetzte Richtung unterwegs ist, so dass wir uns prima über die jeweils für den anderen kommenden Häfen austauschen konnten. Raz tingelt allerdings hin und her und plant, im Herbst wieder Richtung Süden zu kommen. Wir freuen uns schon auf das nächste gemeinsame Bier!

Dann wurde es etwas umständlich. Nach 4 Nächten in Gijon sollte es in zwei Etappen die 60 Seemeilen Richtung Ribadeo gehen. Aus den geplanten zwei wurden fünf Etappen. Beim Auslaufen erwischte uns der für diese Gegend berüchtigte Nebel. Große Wellenberecher, 50 Meter neben uns, waren nicht mehr zu erkennen. Nach 7 Seemeilen hatte man das Gefühl, die eigenen Augen haben den Kopf verlassen und hängen irgendwo am Vorstag. Wir fuhren in den nächsten Hafen (Luanco) und warteten 4 Stunden, bis der Nebel sich langsam auflöste. Dann ging es weiter nach Cudillero. Hier gab es nur Mooring-Bojen und es war nicht ganz einfach, eine freie Boje zu finden. Als wir endlich fest gemacht hatten, kam ein spanischer Segler rein gefahren und schon von weitem brüllte er uns zu, dass wir an seiner Privatboje liegen und regte sich auf, dass ständig fremde Segler seine Boje belegen würden. Wir gaben ihm den Tipp, die Boje mal als PRIVAT zu kennzeichnen, vielleicht beherzigt er unseren Vorschlag ja in der Zukunft. Wir tüddelten uns also wieder los und gingen an einem unbewohnten Motorboot längsseits. Dann noch Abendessen und um 22:00 Uhr Füße hoch…..puh, endlich Ruhe. Aber plötzlich ertönte ein freundliches: „Hola!“. Ein Marinero kam mit seinem Schlauchboot angefahren und wollte von uns 25,- EUR Gebühren für die Nacht haben! Hier gabe es keine Stege, keinen Strom, kein Wasser, keine Duschen und Toiletten, WIFI sowieso nicht - und dafür 25,-??!! Tja, diskutieren zwecklos. Also zahlen, abhaken und ab in´s Bett!

Cudillero ist eigentlich eine hübsche Bucht, aber nach den nicht so hübschen Erlebnissen, haben wir sie am nächsten Morgen schnell wieder verlassen. Bei bedecktem Himmel und Windstille, aber 2 Meter Welle von der Seite war die Fahrt auch kein richtiger Fröhlichmacher. Unser Ziel war der kleine Flusshafen Navia und da wir dort erst um 21 Uhr zum Hochwasser hinein fahren konnten, legten wir wieder einen Zwischenstopp im Hafen von Luarca ein. Hier durften wir zum Glück für ein paar Stunden kostenlos liegen!

Die spannende Flusseinfahrt mit ihren Flachstellen passierten wir zum Hochwasser problemlos und an dem einzigen kleinen Anlegesteg von Navia begrüßte uns der Vorsitzende des Segelclubs persönlich mit Handschlag und überreichte uns als Willkommens-Geschenk Infomaterial zur Umgebung und den Vereinsstander! Rührend! Zudem ist die Übernachtung kostenlos und die Engländer Ros und Alan, die wir schon in Ribadesella und Gijon getroffen hatten, waren schon da und erwarteten uns. Als krönenden Abschluss gab es ein tolles Dudelsack-Festival in dem kleinen Ort. Die Welt war wieder in Ordnung!

Wir wären gern noch länger im beschaulichen Navia geblieben, aber das Ein- und Ausfahren in dem Fluss ist nur bei bestimmten, guten Bedingungen möglich und für die nächsten Tage waren Nebel und starker Wind angesagt. Also gingen wir lieber auf Nummer sicher und fuhren, zusammen mit Ros und Alan nach Ribadeo. Zum Start gab´s erstmal wieder einen kleinen Adrenalin-Kick, denn der Motor sprang nicht an! Es war nur etwas Luft in der Leitung… Aber wir waren wach! 😉

In Ribadeo angekommen, entdeckten wir ein anderes deutsches Boot im Hafen (was bisher ja eher selten war) und wir dachten uns, wir sagen mal kurz „Hallo“. Es stellte sich heraus, dass die Besatzung aus Arnis an der Schlei kam. Wahnsinn, wie schnell man merkt „das passt“! Aus dem kurzen „Hallo“ wurden mehrere Bier und und ein paar Stunden an Bord der Schleswig-Holsteiner, in denen wir so viel gelacht haben, wie schon lange nicht mehr! Wir verabredeten uns für den Abend in einer Bar in der Stadt. Leider fanden wir uns abends dann aber nicht wieder… Wir hatten trotzdem einen schönen Abend mit unseren netten Engländern Ros und Alan!

Am nächsten Morgen waren wir froh, dass die große Sause gestern ausgefallen ist, denn: Jörg wollte nur kurz eine neue Gummilasche am Auspuff anbringen. Als wir die benötigten Utensilien aus der Bilge holen wollten, stellten wir fest, dass alles nass war! Der Geschmackstest ergab: kein Salzwasser! Aber auch kein Süßwasser… sondern Diesel!! Nachwehen von Jörg´s diversen Diesel-Pütschereien im letzen Jahr. Und so wurde aus „ich bring mal kurz die neue Auspuff-Lasche an“ eine Aktion, die uns den halben Tag beschäftigte. Alles ausräumen, gründlich reinigen, irgendwie wieder Ordnung in´s Chaos bringen usw. Schön, dass wir wenigstens keinen dicken Kopp hatten!

In Ribadeo blieben wir ebenfalls für 4 Nächte. Dort kann man es gut aushalten. Nette Stadt, gute Versorgungsmöglichkeiten, Wander- und Fahrradwege, beeindruckenden Küste, schicker Leuchtturm, Angel- und Bademöglichkeiten. Alles, was das Hatti-Herz begehrt - uns wurde nicht langweilig! Auch nachdem die Engländer weiter gefahren waren, hatten wir Gesellschaft: mit einem amerikanischen Paar, das vor 25 Jahren das Haus gegen ein Schiff getauscht hat und seitdem schon fast überall gesegelt ist, plauderten wir einen gemütlichen Abend lang über das Bordleben, Wind und Wellen und den Sinn des Lebens.

Nach so vielen Hafentagen wollten wir mal wieder ankern und fuhren Richtung Viveiro. Leider wieder unter Motor. Der frischte just in dem Moment auf, als wir unseren Ankerplatz erreichten… In Viveiro gibt es auch eine kleine Marina, wir entschieden uns aber für die davor liegende Ankerbucht. Wunderbar ruhig und super gut geschützt, direkt vor einem Badestrand. Herrlich! Mit dem Dinghy unternahmen wir Landausflüge zum Wandern, Einkaufen, Baden und Essen gehen.

Der nächste Ankerplatz war in Cedeira. Auf dem Weg dorthin mussten wir die zwei nördlichsten Kaps Spaniens umrunden. An den Kaps herrschen ganz eigene Wind- und Wellenverhältnisse, die wir nur sehr schwer einschätzen konnten. Wir warteten daher einen eher schwachwindigen Tag ab, und das war auch gut so. Denn auch ohne Wind gab es an den Kaps ein ziemliches Wellen-Kuddelmuddel.

Cedeira war nicht ganz so gut geschützt wie Viveiro und an einem stürmischen Tag fuhren wir ordentlich Karussell an der Ankerkette. Aber ansonsten war es ein wunderbarer Platz! Hier gibt es eine kleine Stadt und sehr schöne Natur, die man erwandern kann. Und wir wanderten - und zwar einen Berg hinauf zu einer Kapelle, wo hunderte von Spaniern mal wieder den Tag irgendeines Schutzheiligen mit viel Essen, Trinken und Musik feierten. Wir gesellten uns mit Brot, Käse und Wein dazu und genossen die Athmosphäre. Beschwingt ging es zurück Richtung Boot. Doch dort sollten wir vorerst nicht ankommen. Denn wir wurden von Karaoke-singenden Spaniern mit wilden Perücken auf dem Kopf abgefangen und von ihnen kurzerhand zu ihrer privaten Party eingeladen! Naja, eigentlich hatten sie uns nur ein Bier angeboten. Aber wir sind Hattis und wir gehen natürlich nicht nach einem Bier nach Hause, wenn gerade eine Party in Gange ist!!! Es wurde ein legendärer Abend! Die Sprachbarierren wurden mit Bier und Musik überbrückt und wir kochten mit diesen super netten Menschen zusammen Paella. Was für eine Gastfreundschaft - einfach toll!! Als unsere neuen, spanischen Freunde nachts um eins alles ab- und aufgeräumt hatten, musste auch Hatti einsehen, dass diese Feier nun zu Ende ist und wir torkelten selig zu BigFoot zurück. Was für eine Sause!!!

Und wir konnten noch weitere Freundschaften knüpfen: auch mit Tanja und Erik aus Holland stimmte die Chemie, wir mochten alle denselben Rotwein! Wir hatten die beiden bereits vor einigen Wochen in einem anderen Hafen getroffen. In Cedeira lernten wir uns dann näher kennen. Die beiden fahren, zusammen mit ihren drei Bord-Katzen, auch Richtung Süden, sie wollen allerdings bis zum Winter in Gibraltar sein. Ein Wiedersehen ist daher eher unwahrscheinlich - schade!

Dann kam plötzlich noch jemand in die Ankerbucht gefahren: Inga und Hagen mit ihren drei Kindern! Wir hatten sie letztes Jahr auf Guernsey getroffen. Sie waren während ihrer Segelreise auf der Kanalinsel Alderney hängen geblieben, um dort als Zahnärzte zu arbeiten. Nun wollen sie ihre Segelreise fortsetzen.

Während beim Ausfahren der inneren Biskaya-Küste hauptsächlich einheimische Boote in den Häfen zu finden waren, wird es jetzt internationaler und man trifft andere Fahrtensegler. Es ist sehr interessant, wie unterschiedlich die Leute unterwegs sind. Viele haben ein bestimmtes Ziel, wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt sein wollen und haben entsprechend mehr oder weniger Zeitdruck. Die einen halten sich daher meist nur ein oder zwei Nächte an einem Ort auf, die anderen wiederum bleiben auch mal läger und fahren dann dafür 3 Tage und Nächte durch. Und dann gibt es ganz seltene Exemplare, die weder ein bestimmtes Ziel noch es besonders eilig haben. Sie bevorzugen die kürzeren Strecken und kommen daher nur recht langsam voran. Ihre Intention ist es einfach, das Hier und Jetzt in Ruhe zu genießen. Manchmal haben wir haben den Eindruck, dass diese Spezies vom Aussterben bedroht ist, und wir das letzte lebende Pärchen sind!! Für die Fortpflanzung sind wir auch schon zu alt, was nicht heißt, dass wir es nicht ab und an noch einmal versuchen 😉

Nachdem wir in Cedeira ein paar Tage Land, Leute und Natur genossen hatten, ging es weiter Richtung A Coruna. Bevor wieder einige Hafentage angesagt waren, wollten wir noch eine Nacht gegenüber von A Coruna vor Anker gehen. War auch kein Problem, bis Jörg mitten in der Nacht mitbekam, wie ein Fischer direkt neben uns seine - nicht markieren! - Hummerkörbe aus dem Wasser zog. Und mit ihnen auch unseren Anker samt Ankerboje, da wir unser Ankergeschirr unwissentlich direkt auf den Körben abgelassen hatten. „Nix passiert!“ rief er uns fröhlich zu und ließ alles wieder in´s Wasser plumpsen. Doof nur, dass die Ankerkette jetzt wahrscheinlich auf einem Haufen lag und sich außerdem die Boje in der Ankerkette vertüddelt hatte! Also mitten in der Nacht, den Anker mit 40 Meter Kette wieder hoch. Dabei verfing sich das Tau der Ankerboje unter dem Schiffsrumpf und Jörg musste baden gehen, um die Boje frei zu bekommen. Wir turnten eine Stunde auf dem hell erleuchteten Deck herum, bis wir den Anker wieder vernünftig platziert hatten. Entnervt ging es wieder in die Koje. Und dann…… um 5:00 morgens kam der Typ zurück und ließ seine Körbe wieder direkt neben uns in´s Wasser!!! Oh nein, bitte nicht nochmal!!! Aber wir hatten Glück. Am Morgen konnten wir unseren Anker ohne Probleme einholen.

Wir essen ja gern Fisch und die Fischer haben es bestimmt nicht leicht, aber die schlecht bis gar nicht markierten Netze sind schon, ´tschuldigung, zu kotzen! Gern werden sie direkt in der Hafeneinfahrt oder im Fahrwasser ausgelegt und oft sind nur tennisball-große Kügelchen als Markierung angebracht, die in den Wellen sehr schnell verschwinden. Wenn man von weitem etwas auf dem Wasser ausmacht, kann man oft erst im letzten Moment erkennen, ob es sich um Plastikmüll oder um eine Netzmarkierung handelt. Und wenn sich das Ding plötzlich in die Lüfte schwingt, weiß man, dass es eine Möwe war!

Südbretagne bis zur spanischen Küste

Nach La Rochelle stand Bordeaux auf dem Plan. Bordeuax liegt weit im Landesinneren am Fluss Gironde. Der Weg flussaufwärts war zu weit für uns, weshalb wir am Flusseingang im Hafen Port Medoc anlegten und uns zusammen mit der Crew der YOKO ein Auto mieteten, um die 100 Kilometer nach Bordeuax zu fahren. Bordeaux war, wie erwartet eine große, bunte und tolle Stadt…
Noch besser waren allerdings die am folgenden Tag stattfindenden Weinproben auf diversen Weingütern in der Gegend. Auch wenn wir Wein sonst nur nach dem Motto - viel und billig - einkaufen, war es interessant zu schmecken, was darüber hinaus noch so geht. Auch wir wurden fündig.
Nach 8 Tagen in Port Medoc standen sie nun an:130 Meilen Biskaya.Schaut man in die Revierführer der Biskaya, liest man: „möglichst weit westlich starten, Brest oder besser noch Süd –England und dann in einem Rutsch runter nach Coruna!“
Beherzigt man dies, wird man nie erfahren, was man an der Küste verpasst hat!
Zugegeben, die Biskaya war die letzten Wochen eher ein Ententeich, aber Bretagne und Gascogne würden selbst Sturmtage im Hafen nie langweilig werden lassen. Es gab und gibt sooo viel zu entdecken. Und wenn man die Zeit hat…wieso also nicht an der Küste entlang?
Bis zur Gironde (Fluss in Richtung Bordeaux) ist Hafenhoppeln in Tagesetappen sehr einfach. Ab Port Medoc jedoch sollte man eine längere Distanz von 130 Meilen überwinden, weil:
1. zwei große Schießgebiete auf dem Weg liegen, die nur zu bestimmten Zeiten durchquert werden dürfen
Anmerkung: Fragt man revierkundige Franzosen, wissen diese meist noch nicht einmal von der Existenz dieser Gebiete und uns wurde schnell bewusst, dass wir das Thema „Schießgebiet“ völlig überbewerteten. Ein Anruf bei einer Lotsenstation brachte Sicherheit: Freie Fahrt!
2. Das Becken von Arcachon, welches einen Zwischenstopp ermöglichen würde, ist in seiner Einfahrt recht anspruchsvoll/gefährlich und ist man erst einmal drin, braucht man wieder optimale Bedingungen, um heraus zu kommen.
Die Wetterprognosen waren einigermaßen ok. Wir hatten 4-5 Windstärken mit zeitweise mal 6er Böen drin. Leider gab es weiter draußen auf der Biskaya ein stärkeres Westwindfeld, was auch bei uns noch für entsprechend hohe und konfuse Wellen auf nur 40 Meter Wassertiefe sorgte.
Ergebnis: es war durchweg ein ordentliches Geschaukel und Steffi, wie auch Ilona auf dem großen Fahrtenkatamaran, mit dem wir zusammen reisten, mussten die Fische füttern.
In der Nacht ging das Geschaukel weiter aber man sah die Wellen nicht mehr auf sich zukommen. Zur jeder vollen Stunde hatte wir zum Katamaran YOKO Funkkontakt, um uns zu sagen, wie es jeweils schaukelt.
Als der Wind zum Morgen hin einschlief, wurde der Motor „FastFoot“ gestartet und musste 10 Stunden bei hoher Drehzahl gegen Strom und auf Süd drehenden Wind gegenan kämpfen. Das gehackte Wellenbild blieb jedoch bis zuletzt.
Da Bayonne ein Flusshafen ist und wir bei ablaufendem Wasser ankamen, addierten sich Flusswasser und Tide zu 3,5 Knoten Gegenstrom in der engen Hafeneinfahrt und wir krochen bei fast Vollgas mit gerade mal 2 Knoten Geschwindigkeit für 30 Minuten bis zum Yachthafen.
Alles in allem war es keine wirklich angenehme Nachtfahrt und im Hafen angekommen, wankten wir über die Stege und hatten im Schiff immer noch das Bedürfnis, uns überall festhalten zu müssen. Jörg hatte ständig das Gefühl, ins Leere zu treten und stakste wie ein Storch.
Beim hochspannenden Fussballspiel Frankreich gegen Uruguay schliefen wir schon ein.
Aber wir sind happy, dass wir diese Strecke erfolgreich hinter uns gebracht haben. Spanien war nicht mehr weit.
Nach ein paar Tagen in Bayonne ging es nach einem Zwischenstopp in einer für uns recht ungemütlichen Ankerbucht in den letzten französischen Hafen Hendaye, direkt an der spanischen Grenze. Hier konnten wir u.a. das Fussballspiel Frankreich-Belgien sehen. Was für eine Party, als die Franzosen gewonnen haben!

Ile d‘Yeux bis La Rochelle

Im Reiseführer steht, wer die Ile d´Yeu besucht, der ist im Süden angekommen. Und das stimmt irgendwie auch!
Das Landschaftsbild ist ein komplett anderes als in der Bretagne. Die Häuser sind allesamt weiß getüncht mit roten Dachziegeln und pastellfarbenen Fensterläden. Man sieht nun vermehrt Palmen, Bananen- und Feigenbäume. Auch im Hafen wird es internationaler. Franzosen, Deutsche, Holländer, Belgier und viele Engländer tummeln sich im kleinen Hafenbecken und es wird viel über die Reling geschnattert. Und aus dem Radio tönen nicht mehr ausnahmslos französische Chansons, sondern ab und zu ist auch ein spanischer Hit dabei. Super! Außerdem fahren hier auf der Insel noch jede Menge alte Renaults und Peugeots, was dem Stadtbild einen besonderen Charme verleiht.

Wir planten wieder mehr als einen Tag für diese Insel ein, denn wir wollten uns in Ruhe umsehen. Mit Ilona & Andi radelten wir 25km einmal um die ganze Insel und genossen die Natur. Beeindruckende Strände, alte Ruinen. Hügelgräber… es wurde nicht langweilig.  Am Folgetag radelten wir Richtung St. Sauveur, die „inoffizielle Hauptstadt“ der Insel. Dort angekommen, guckten wir uns erst um, dann fragend an. Hier war absolut tote Hose! Nun ja, vielleicht waren auch unsere Erwartungen nur zu hoch. Es gab einen kleinen Gemüsehändler, einen Fischladen und zwei Weinhändler. Also eigentlich alles, was eine französiche Hauptstadt braucht!!

Von der Ile d´Yeu wollten wir eigentlich nach Les Sables-D´Olonne fahren. Ein Bootsnachber erzählte uns aber, dass der Hafen wegen einer Regatta für eine Woche gesperrt sei und die kleinen Häfen in der Nähe sicherlich entsprechend überfüllt sein würden. Nach kurzem Beratschlagen mit der YOKO stand fest: wir fahren gleich durch bis La Rochelle. 64 Seemeilen! Hui, so weit sind wir ja schon lange nicht mehr gefahren! Würde das wohl gut gehen?? Es ging gut! Das Wetter war schön und der Wind…. seufz…. anfangs wieder eher zu wenig als zu viel. Wir setzten endlich mal unseren Blister, ein besonders großes und leichtes Segel für wenig Wind. Bei wenig Wind direkt von hinten ist es allerdings etwas schwierig zu steuern, was die Fahrt ein bisschen anstrengend machte, aber später drehte der Wind und frischte etwas auf. Zusätzlich schob uns die Strömung unserem Ziel entgegen, so dass wir z. T. mit bis zu 8 Knoten Geschwindigkeit dahin sausten! Herrlich! Um unsere Freude nicht zu überschwenglich werden zu lassen, wickelte sich der Blister beim Einholen um´s Vorstag, so dass Jörg ihn nicht herunter ziehen konnte. Es ist ziemlich blöde, wenn so ein riesiger Stofflappen unkontrolliert hin und her flattert und man nichts machen kann! Glücklicherweise befreite sich das Segel selbst und konnte dann geborgen werden.

Um 19 Uhr erreichten wir den riesigen Hafen „Port des Minimes“ von La Rochelle. Hier gibt es ca. 5.000 (in Worten: fünftausend!) Liegeplätze. Masten, so weit das Auge reicht! Und weil hier die großen Katamarane hergestellt werden, war der Hafen voll mit eben diesen….. nagelneu versteht sich! Wir fühlten uns mit unserem alten BigFoot irgendwie ein bisschen fehl am Platze. Aber die YOKO-Crew wartete schon auf uns und, obwohl wir alle ziemlich müde waren, wollte Andi uns unbedingt noch auf ein Bier in der Stadt einladen. Also schwangen wir uns auf unsere Drahtesel und radelten die 2 km in die City. Was für eine gute Entscheidung! Wir waren von Anfang an total geflasht von dieser tollen Stadt! Hier tobt das Leben! Straßencafés und Restaurants sind voll von Menschen verschiedener Nationen, Straßenmusikanten und -künstler sorgen für gute Unterhaltung und das Ganze ist wieder umrahmt von historischen Gemäuern und schnuckeligen kleinen Gassen. Eine schöne Belohnung für uns nach der langen Fahrt.

Am nächsten Vormittag besuchten wir einen sehr großen Markt. Auch hier verspürte man wieder internationales Flair. Neben französischen Köstlichkeiten fanden wir auch afrikanische und spanische Stände. Jörg wollte unbedingt Tacos essen. Steffi hatte eigentlich noch keinen Hunger, aber lecker sahen die Dinger ja aus… Also zwei Stück geordert. Der Verkäufer, der alles frisch zubereitete, fragte uns, ob wir 5 min. Zeit hätten. Na klar! Wir verabredeten, dass wir einfach in ein paar Minuten wieder kommen würden, um unsere Mahlzeit abzuholen. Als wir dann an den Stand zurück kehrten, lächelte er uns freundlich an und fing DANN an, die Fladen vorzubereiten. Zunächst wurde der Teig geknetet, hingebungsvoll zum Fladen geformt, auf den heißen Stein gepackt. Dort bruzzelten die guten Stücke eine gaaaaanze Weile vor sich hin. Inzwischen fing der Taco-Bäcker an, seelenruhig die anderen Zutaten erstmal zu schnippeln. Dies war für die deutsche Pünktlichkeit im Allgemeinen und Steffi´s begrenzter Geduld im Speziellen eine Herausforderung. Zwei andere Kunden wurden zwischenzeitlich ruck zuck bedient (keine Ahnung, was an deren Bestellung anders war). Das Gute an der Sache war, dass auch Steffi inzwischen Hunger verspürte. Allerdings machten wir uns langsam Sorgen, ob wir wohl rechtzeitig zum Deutschland-Spiel wieder im Hafen sein würden! Nach 25 min. hielten wir dann endlich unsere Snacks in den Händen! Der Verkäufer entschuldigte sich für die Verzögerung. Steffi lächelte ihn gelassen an, meinte, das wäre doch kein Problem und wünschte ihm noch einen schönen Sonntag. Geduldsprobe mit Bravour bestanden!! Und geschmeckt haben die Teile auch!

Wir schafften es also rechtzeitig zum deutschen WM-Spiel, welches wir zusammen mit Ilona & Andreas auf der YOKO guckten. Was für ein Desaster!! Lag es vielleicht an unserer Taco-Aktion, dass Mexico gewonnen hat?? Egal! Wir ließen uns davon nicht den Abend verderben, sondern ließen es uns mit Miesmuscheln und Wein gut gehen.

In La Rochelle ist die dritte Übernachtung kostenlos! Großartig!! Keine Frage, wie viele Nächte der Spar-Fuchs gleich bei Ankunft buchte. 😉 Wir hatten also Zeit für La Rochelle, insgesamt waren wir sogar 4 Nächte dort. Wir ließen uns durch die Stadt treiben, besichtigten historische Gebäude und Türme. Und das alles bei schönstem Sommerwetter! Eine Stadt, die man ruhig öfter besuchen kann.

Dann sollte es mal wieder auf eine Insel gehen. Wir hatten wunderbares Segelwetter! Leider ist die Ile de Ré nur ca. 2 Bootsstunden von La Rochelle entfernt und so war es ein kurzes Segelvergnügen. Der Hafen ist tidenabhängig und wird durch eine Schleuse geschlossen. Katamarane dürfen nicht in den kleinen, engen Hafen und so musste die YOKO „draußen“ am Ponton bleiben. Im Hafen war ein ziemliches Boots-Gewusel und wir lagen wieder mit mehreren Booten im Päckchen. Weil das Wetter fantastisch war, wurde einstimmig beschlossen, dass unbedingt mal wieder gegrillt werden muss. Wir fanden ein sensationelles Plätzchen mit Blick auf´s Meer und den sensationellen Sonnenuntergang und die YOKO-Besatzung mixte sensationelle Drinks! Es war ein sensationell schöner Abend. Nur, warum man ausgerechnet von einem Getränk namens „Painkiller“ Kopfschmerzen bekommt, bleibt uns ein Rätsel.

Der Wind hatte zugenommen und stand genau auf die Hafeneinfahrt, was eine sehr unruhige Nacht für die YOKO zur Folge hatte. Da der Wind weiter auffrischen sollte, beschlossen die Beiden morgens, wieder zurück nach La Rochelle zu segeln, denn bei dem enormen Schwell will dort „draußen“ niemand liegen – außer vielleicht ein paar schmerzbefreite Franzosen.

Wir waren also mal wieder allein und erkundeten zwei Tage lang mit dem Rad die tolle Umgebung. Auch diese Insel ist wieder ganz anders als die anderen und besonders gut haben uns die Salinen gefallen. Eine weitläufige Fläche mit unzähligen Salzbecken, wo das begehrte Meersalz gewonnen wird.

Wie ihr gemerkt habt, sind wir inszwischen ein ganzes Stück die Küste entlang in die Biskaya rein gefahren. Als wir gestartet sind, war ja noch nicht klar, ob wir von Brest oder Camaret-sur-Mer die Biskaya überqueren nach A Coruna, oder ob wir weiter an der Küste entlang fahren. Es war auch keine bewusste Entscheidung, diesen Weg jetzt zu nehmen. Wir sind quasi so „rein gerutscht“. Zusammen mit der YOKO haben wir von Hafen zu Hafen geplant und dort, wo es schön sein sollte, sind wir hin gefahren. Das Wetter ist im Moment sehr ruhig und so können die meisten Häfen problemlos angefahren werden. Wir haben  ja meistens eher zu wenig Wind, als zu viel! Bis jetzt gefällt uns diese Gegend richtig gut und wir glauben, dass wir eine Menge Schönes verpasst hätten, wenn wir direkt rüber gefahren wären. Wie es weiter geht, wird sich zeigen. Voraussichtlich geht es jetzt noch ein Stückchen die Küste entlang bis Bordeaux. Dort überlegen wir dann nochmal. 🙂

Cancerneau, Ile de Groix und Ile d‘Houat bis Pornic

Cancerneau und Ile de Groix

Cancarneau ist bekannt für seine Romanfigur Kommissar Dupin. So haben wir es zumindest gehört!:-)
Die Crew der Yoko war da bewanderter. Ein Entrecote im Restaurant „L´Amiral“ war für die beiden ein must have, weil die besagte Romanfigur dort regelmäßig ihren Cholesterinspiegel mit einem Entrecote nach oben treibt.
Die Stadt selbst kam uns nach den letzten Tagen in der Ankerbucht extrem lebhaft vor.
Und endlich…, es gab hier einen Handy Reparatur Shop. Nachdem Hattis Handy Display vor ein paar Tagen den Geist aufgegeben hatte und er sich benahm wie ein Zombie in den Wechseljahren, feierte er hier seine Wiedergeburt!
Dass uns diese Wiedergeburt 219,- Eur kostete, war nebensächlich.
Einkaufen, Sightseeing, Museumsbesuch – das war Cancarneau!

Recht früh ging es am nächsten Tag mal wieder los. Entweder Lorient oder die Ile de Groix sollte das Ziel sein. Unterwegs entschieden wir uns für die Insel. Was für eine gute Wahl.
Von der Insel aus konnten wir gegenüber die Industrieanlagen von Lorient sehen und das Inselleben für die nächsten Tage genießen. Die Ile de Groix ist nicht groß. Mit einer Fahrradtour von 27 Kilometern haben wir sie umrundet. Einsame Badebuchten, Klippen, kleine Wälder, alte Dörfer und allgegenwärtiger Blumenduft begeisterten uns. Das Eiland wirkt ausserhalb der Saison noch etwas verlassen, hat dadurch aber einen Charme verbreitet, der uns durchatmen ließ.
Durchartmen war am 2. Tag auf dem Schiff allerdings nicht möglich. Neben uns legte eine Schute an, die mit Teer für den Staßenbau beladen war. Den ganzen Tag wurde entladen und alles, einschließlich unserer zum Trocknen rausgehängte Wäsche, stank nach Teer.
Am 3. Tag wollten wir morgens eigentlich ablegen. Nieselregen, angesagte Gewitter und ein undefiniertes „Unwohlsein“ nach dem vorangegangenen Grillabend mit der Crew der Yoko ließ uns nach Wettercheck und Absprache wieder ins Bett kriechen. Die Yoko fuhr trotzdem und kam auch ohne Gewitter auf der Belle Ile an.
Wir nutzten den Tag für einen Motorcheck, Fotos sortieren und aufräumen.

Jetzt ist es gerade 08.00 Uhr und wir sind schon 2 Stunden motorend unterwegs. Der Wind soll noch etwas zunehmen und da er dann genau auf die Nase pustet, sind wir heute morgen so früh hoch um bei fast Flaute in Richtung Golf de Morbihan voran zu kommen. Es regnet und Steffi hält draußen Ruderwache…

Ile d‘Houat bis Pornic

Da uns die letzte Insel so gut gefallen hat, steuerten wir gleich die nächste an: die Ile d´Houat. Wir konnten mal wieder ankern und das Schlauchboot brachte uns für einen Inselrundgang an Land. Die Insel hat ein kleines, beschauliches Dörfchen und viel Natur zu bieten. Es herrscht eine wunderbare Ruhe, so richtig zum Seele-baumeln-lassen! Allerdings wohl nur jetzt in der Vorsaison. Denn es gibt hier viele Ankerbuchten mit wunderschönen, weißen Sandstränden, was die Ile d´Houat zu einem sehr begehrten Ausflugsziel macht. Wenn im Hochsommer – wie im Reiseführer beschrieben – bis zu 100 Boote in nur einer Bucht ankern und alle die Insel besuchen wollen, ist es mit der beschaulichen Ruhe wohl vorbei! Wir hatten uns vorgenommen, auch den nächsten Tag auf der Ile d´Houat zu verbringen. Am nächsten Morgen sah Jörg jedoch im Wetterbericht, dass der Tag guten Segelwind bringen sollte. Das musste natürlich ausgenutzt werden. Plötzlich herrschte hektische Aufbruchstimmung im Boot. Jede angefangene Aktivität musste sofort beendet werden. Steffi war gerade dabei, den Herd zu putzen…. Aber Putzen wird ja sowieso total überbewertet! Wir machten alles klar, gingen Anker auf und nahmen Kurs auf den Golfe du Morbihan. Der erhoffte Segelwind war leider nur mittelmäßig, wir mussten zwischendurch immer wieder den Motor zur Hilfe nehmen.
Die Einfahrt in den Golfe du Morbihan ist wegen starker Strömungen auch wieder so eine Sache für sich. Man sollte den richtigen Zeitpunkt erwischen. Doch wann ist der? Jörg meinte, es wäre ideal mit auflaufendem Wasser hinein zu fahren. Anders lautende Angaben im Reiseführer hatten uns dann aber verunsichert. Die völlig verschmutzten Dieselfilter, die wir unterwegs bei einer Motorkontrolle entdeckten, machten die Situation nicht leichter. Als wir am Golfe ankamen, sahen wir dort schon von weitem die Strudel, die durch die Strömungen verursacht wurden. Etwas entnervt fuhren wir kurzerhand in den vorgelargerten Hafen, um erstmal die Lage zu checken. Obwohl der Hafen riesig war, konnten wir keinen freien Liegeplatz finden, weil viele Stege für eine Regatta reserviert waren. Der Hafenmeister wies uns an, bei einem französischen Boot längsseits fest zu machen. Wir, wie auch der Franzose, waren mäßig begeistert. Als unser Nachbar im Gespräch mitbekam, dass wir eigentlich in den Golfe wollten, wurde er immer freundlicher. Er pries uns diese Lagune als das schönste Fleckchen Frankreichs an und sagte uns auch, wann man am Besten hinein fährt, nämlich ca. 2 Stunden nach Niedrigwasser. Das wäre um 15 Uhr. Ein Blick auf die Uhr: 15:02! Na dann… nix wie die Leinen wieder los und ab in den Golfe! Wir waren froh – der Franzose auch!
Wir kamen tatsächlich unfallfrei hinein und suchten uns einen Ankerplatz. Richtig ankern kann man dort allerdings nicht so gut. Dafür gibt es aber in jeder Bucht zahlreiche Mooring-Bojen, die man – offenbar kostenlos – nutzen kann. Das ist natürlich viel komfortabler. Vor allem, wenn man, so wie wir, keine elektrische Ankerwinsch an Bord hat. Man macht einfach die Leine an der Boje fest, anstatt 50m Ankerkette abzulassen, die dann am nächsten Tag ja auch irgendwie wieder an Bord gebracht werden will.
Im Golfe du Morbihan, abseits der Biskaya, mit seinen vielen Inseln und Buchten findet man Natur und Ruhe pur. Leider war das Wetter durchwachsen, so dass die Schönheit der Natur für uns ab und zu durch einen Regenschleier verdeckt war. Aber wir konnten es trotzdem genießen, gemeinsam mit der YOKO, die sich am zweiten Tag wieder zu uns gesellte.
Auray, das charmante Städtchen im linken Seitenarm des Golfes „Rivière d´Auray“ hatte es uns angetan. Wir mussten mit dem Schlauchboot ein ganzes Stück flussaufwärts fahren, um es zu besuchen. Aber es hat sich gelohnt! Bei Sonnenschein schlenderten wir durch die kleinen Gassen mit alten Häusern, Künstlervierteln, Cafés und kleinen Lädchen. Toll! Doch als wir zurück zu BigFoot wollten, guckten wir etwas blöd aus der Wäsche. Das Wasser war weg! Wir hatten unser Schlauchboot bei Ankunft über eine Slip-Anlage an Land geholt. Nun war Ebbe und wir hatten keine Chance, das Schlauchi wieder in´s Wasser zu bringen, denn die Beton-Rampe war mit scharfkantigen Muscheln besetzt! Wie konnten wir nur die Gezeiten vergessen…???!! Na gut, da haben wir halt noch eine Runde durch´s Örtchen gedreht und uns im Restaurant einen Café gegönnt, bis der Wasserstand wieder ausreichend war.
In Auray gab es auch einen Lidl-Markt. Dieser war allerdings etwas auswärts und ohne Fahrrad nicht zu erreichen. Jörg, der Spar-Fuchs, fühlte sich am nächsten Morgen dazu berufen, noch vor dem Frühstück das Klapp-Fahrrad in´s Schlauchboot zu laden und in Auray einen Großeinkauf zu tätigen. Leider bekam er beim ersten Einkauf nicht alles, was er haben wollte, in seinen Rucksack. Und so radelte er die 30 min. vom Lidl-Markt wieder zurück zum Schlauchboot, deponierte dort den Einkauf und radelte nochmal 30 min. zurück zum Lidl, um die zweite Ladung einzukaufen. Er war erst kurz vor Mittag wieder zurück. Steffi meinte leicht irritiert, dass mind. ein Drittel der Dinge, die Jörg mitgebracht hatte, überflüssig wären. Aber immerhin haben wir günstig bei Lidl eingekauft!! 😉
Außerdem wanderten wir noch durch die schöne Botanik der Mönchs-Insel und besuchten natürlich die historische Stadt Vannes „im Herzen“ des Golfes. Mit einem prächtigen Stadttor, Befestigungsanlage, einem Schloss und vielen Fachwerkhäusern mutet Vannes sehr mittelalterlich an und versprüht ein besonderes Flair. Hier verbrachten wir zwei Tage. Auf dem großen Wochenmarkt, wo überall Leckereien zum Probieren angeboten werden, futterten wir uns ungeniert duch alle Stände und konnten so das Mittagessen ausfallen lassen, was besonders den Spar-Fuchs Hatti gefreut hat! Wenn Steffi jetzt fragt: „Was wollen wir heute essen?“ bekommt sie zur Antwort: „Auf dem Wochenmarkt!“. 😉
Der Golfe du Morbihan wurde uns vorab wärmstens empfohlen. Es hieß, man könnte sich hier mehrere Monate aufhalten. Wenn man allerdings schon einmal in den schwedischen Schären war, kann er, unserer Meinung nach, nicht mithalten. Sicherlich hat das mäßige Wetter ihn für uns auch nicht in den schönsten Farben erleuchten lassen. Also, es hat uns hier schon sehr gefallen, aber nach 6 Tagen Golfe waren wir bereit, uns wieder auf die Biskaya zu wagen!
Das Wetter wurde besser und wir konnten mal wieder segeln! Um das Glück perfekt zu machen, fing Jörg unterwegs einen großen Hornhecht! Den schmissen wir für das gemeinsame Abendessen mit den zwei Makrelen zusammen, die Andi von der YOKO unterwegs gefangen hatte. Wieder eine kostenlose Mahlzeit! Da lacht das Spar-Fuchs-Herz!
Dann passierte etwas, was wir in diesem Jahr bisher noch nicht erlebt hatten: wir kamen in einen Hafen, der uns so gar nicht gefiel: Pornichet. Riesig groß und unpersönlich, trotz der Größe bekamen wir keinen eigenen Liegeplatz, sondern mussten bei der Yoko längsseits gehen. Dafür ist er sehr teuer, bietet aber kein W-lan. Und um die Stimmung perfekt zu machen, schaut man auf eine Kulisse von unzähligen Hochhaus-Burgen. Brrrr…..! Pornichet – Jörg nannte ihn um in „Pornohafen“! Hier wollten wir schnell wieder weg.
Nach einer Übernachtung ging´s weiter nach Pornic. Es war eine kurze Strecke, daher waren wir ziemlich früh im Hafen. Wir freuten uns, dass wir noch einen Liegeplatz nahe dem Hafenbüro und den sanitären Anlagen ergatterten, so dass wir nicht jedes Mal eine Mörder-Wanderung durch den ganzen Hafen machen mussten (wie in Pornichet). Kurze Zeit später kam ein Franzose rein, der bei uns längsseits fest machte. Diesen Franzosen trafen wir nachmittags beim Bezahlen im Hafenbüro wieder. Es stellte sich heraus, dass er wohl den Liegeplatz, auf dem wir lagen, vorab telefonisch reserviert hatte. Der Hafenmeister hatte den Platz aber nicht gesperrt! Obwohl der Franzose selbst eigentlich einen ziemlich entspannten Eindruck machte, wurde am Ende beschlossen, dass wir den Liegeplatz wechseln mussten. Und nun ratet mal, wohin wir verfrachtet wurden? Richtig! An den vorletzten Steg im Hafen, gaaaanz nach hinten!! Also mal ehrlich: diese Reservierungen sind doch scheiße! Da stehst du früh auf und kommst als erster in den Hafen und am Ende wirst du doch in die hinterletzte Ecke gesteckt!
Dafür hatten wir an unserem neuen Platz aber unsere Ruhe. Und Pornic war wieder ein richtiges Schätzchen! Ein lebendiges, hübsches Städtchen mit wunderschönem Küstenwanderweg und Badestrand direkt neben dem Hafen. Wir blieben ein paar Tage und es gab wieder ein kostenloses Wochenmarkt-Mittagessen. Mit der YOKO-Crew veranstalteten wir einen zünftigen Grillabend am Strand. Es war ein richtig schöner, lauer Sommerabend, an dem es gar nicht kalt wurde und man sehr lange draußen sitzen konnte. Nach dem Essen konzentrierten wir uns auf´s Trinken. Wir saßen im weißen Sand, philosophierten über Gott und die Welt und vernichteten ganz nebenbei geringe Mengen Rotwein. Summerfeeling pur! Alles war schick. Nur als Jörg aufstand, hat ihn wohl ein unsichtbares, gemeines Heinzelmännchen immer von links nach rechts und wieder zurück geschubst! Er schwankte jedenfalls bedrohlich in alle Richtungen und rief dabei ununterbrochen: „Ich kann nicht mehr stehen, ich kann nicht mehr stehen!“. Dank Andi´s tatkräftiger Hilfe schaffte Steffi es irgendwie, ihren Captain unversehrt an Bord zu bringen.
Am nächsten Tag hatte sich das Wetter komplett geändert: alles grau in grau und den ganzen Tag Dauerregen! Das fanden wir super, denn von dem Heinzelmännchen-Geschubse war uns immer noch ganz kodderig zumute und wir wären sowieso nicht in der Verfassung für größere Aktivitäten gewesen. So pflegten wir gemütlich unseren Kater mit Lesen, Fernsehen, Schlafen, Dösen.
Nach ein paar schönen Tagen in Pornic wollten wir mal wieder eine etwas längere Strecke von ca. 30 Seemeilen zur Insel „Ile d´Yeu“ machen. Guter Wind war prophezeit und wir freuten uns auf´s Segeln! Aber wieder nix! Es wehte nur ein laues Lüftchen, das für uns nicht ausreichte, und so mussten wir mal wieder die Maschine bemühen. Die Ile d´Yeu ist auch sehr begehrt und der Hafen klein. Frühes Kommen sichert also mal wieder gute Plätze. Dieses Mal hat´s auch geklappt! Bei unserer Ankunft waren noch ein paar Plätze frei. Etwas später füllte sich der Hafen und die Boote lagen in 3er- und 4er-Päckchen. Daran werden wir uns sicher gewöhnen müssen, denn wenn so viele Segler unterwegs sind, muss man eben ein bisschen zusammen rücken! Es fördert ja auch die Kommunikation unter den Seglern! Wenn wir allerdings mitbekommen, wie unbekümmert manche, meist französische, Segler in den engen Hafengassen hin und her rangieren und auch, wenn sie mal ein anderes Schiff gerammt haben, sich freundlich winkend von dannen machen, wird uns schon manchmal etwas mulmig.