Frühling in Portimao: eine Woche „Urlaub“ in Alvor, ein heißer Ofen, wie blöd muss man sein? und 1,5 Jahre schlechtes Gewissen.

Nur ganz kurz zu Corona: Der harte Lockdown zeigt seine Wirkung. Trotz vorherrschender englischer Mutation sind die Zahlen im Keller. Trotzdem werden echte Öffnungsschritte erst zu Mitte April/ Anfang Mai geplant. Sieht man sich die Bilder deutscher Innenstädte an, kann man gut verstehen, dass Deutschland im Vergleich zu Portugal nicht weiter kommt und Portugal mittlerweile kein Risikogebiet mehr ist.

Uns wurde es nach Wochen in Portimao aber auch langsam langweilig. Wir planten einen Urlaub! Lustig, oder? Wind, Wetter und Tide gecheckt und ab ging es in den Fluss von Alvor. Wieder einmal fiel vor der Villa unser Anker. Was für eine ungewohnte Ruhe. Kein Auto und keine Menschen zu hören. Herrlich. Hier lernten wir Matthias und Louisa kennen. Die Beiden, halb so alt wie wir, sind low Budget auf ihrem Trip um die Welt unterwegs … und in Alvor für mehrere Monate hängen geblieben. Man kann es hier aber wirklich gut aushalten und unter den wenigen Schiffen, die hier im Winter vor Anker liegen, bildet sich schnell eine eingeschworene Gesellschaft.

Nach einer Woche ging es aber schon wieder nach Portimao, weil wir ein Paket erwarteten!!!
Die Vorgeschichte: Hatti sagte zu Beginn des Winters: „Wenn wir eine Ofenheizung hätten, wären wir flexibler und könnten Hafengebühren sparen!“ Wir saßen mit Robert zusammen und Hatti sah sich zwei Kritikern gegenüber. Steffi machten die Anschaffungskosten und die allgemeine Sinnhaftigkeit Sorgen. Robert meinte, dass es im Dezember eh schon wieder wärmer wird.
Nun, es wurde kälter… überspitzt gesagt, fuhr der eine in den Hafen und schaltete seine beiden Heizlüfter ein und die andere quängelte, wie kalt ihr immer am Ankerplatz ist. Toll! 🙂 Erst zum Ende dieser Heizperiode zeigten Hatti´s ständigen Hinweise auf einen fehlenden Ofen endlich Wirkung. Nach nur einer Woche Lieferzeit war das Paket in Portimao und es ging an den Einbau. „Mal eben“ etwas im Schiff einbauen gibt es ja bekanntlich nicht. Trotzdem waren wir nach 11 Stunden Arbeit endlich so weit, das erste Holzstück anzuzünden. Kaminofenoptik im Schiff und ordentlich Wärmeleistung. Diesen Tag begossen wir mit Rotwein …das musste schließlich gefeiert werden!

Nach einem solchen Rotweinabend sollte man anstehende Reparaturen entweder sorgfältig angehen oder ganz sein lassen. Gut, eine geplante Tauchaktion mit Tauchgeräten, um an der Walross 2.1 eine neue Opferanode an der Welle anzubringen, sagte Hatti zumindest ab. Wahrscheinlich wäre er dabei ertrunken! Die Vergaserreparatur am Außenborder hätte er gleich mit absagen sollen.. Tat er aber nicht. Der Vergaser war schnell zerlegt und gereinigt. Auch der Ölstand wurde nebenbei noch kontrolliert. Dabei muss „irgendwie“ vergessen worden sein, den Ölmessstab wieder einzudrehen. Als Hatti den Außenborder über Deck trug, um ihn wieder am Schlauchboot zu montieren, zog er eine Spur des auslaufenden Öls hinter sich her. Erst als ihm das Öl die Hose versaute, bemerkte er das Malheur.

Unbeschreiblich, wie ausgelaufenes Altöl auf Deck und im Cockpit das Gesamtbild eines Schiffes negativ beeinflussen. Man kann sich vorstellen, dass aus dieser Nummer eine größere Putzaktion wurde. Wie blöde muss man sein, um den Ölmessstab nicht wieder reinzudrehen!?

Der Tauchgang wurde dann am Folgetag erfolgreich nachgeholt. Dabei merkten Jens und Hatti, dass die Tauchanzüge in der Vergangenheit irgendwie besser passten. Presswurstfeeling pur!

Sportlich versuchen wir, uns während des Lockdowns fit zu halten. Immer wieder drehen wir unsere Jogging Runden in Ferragudo und immer haben wir einen Briefumschlag dabei.
Was hat es mit dem Briefumschlag auf sich? Vor anderthalb Jahren hatte Hatti Geburtstag und wir hatten einen tollen Tag mit allem was dazugehört. Abends schlenderten wir nach einem italienischen Essen noch durch Ferragudo. Hier kam uns ein alter Opi entgegen, der uns schon häufiger auffiel, weil er ziemlich abgerissen und hinkend einen größeren Weg vom Wohnort in das Dorf hinter sich bringen muss. Dieser Opi bat uns um etwas Geld. Instinktiv schüttelten wir den Kopf, weil wir auf der Straße eigentlich eher selten spenden. Schnell wurde uns aber bewusst, dass man nach einem solchen besonders schönen Tag auch andere mal daran teilhaben lassen kann. Bumms…war das schlechte Gewissen da.

Nach 1,5 Jahren wollten wir es wieder gut machen und hatten daher immer einen Umschlag mit einer für uns nicht kleinen Summe Geld und einem Gruß auf Portugiesisch dabei. Bei einer der Joggingrunden trafen wir ihn dann endlich. Wieder bat er um etwas Geld. Wir überreichten ihm den Umschlag und er konnte sein Glück kaum fassen. Die Augen strahlten und wir ließen den alten verdatterten, aber glücklichen Opi hinter uns. Damit war das schlechte Gewissen Schnee von gestern! Yippeeehh!

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