Die Sonne kommt raus, es wird wärmer, endlich wieder vor Anker – oder: Es hätte so schön sein können!

Was haben wir diesem Tag entgegengefiebert. Schon eine Woche vorher waren für den letzten Freitag 10 Stunden Sonne angesagt. Nach über zwei Wochen Herbstwetter mit Nieselregen, Lockdown im Hafen und ausgehenden Arbeiten am Schiff war es Zeit für einen Tapetenwechsel. Seit dem 24. Dezember waren wir nun schon im Hafen und zahlten jeden Tag 15,- EUR.Schluss damit! Alle Wassertanks wurden aufgefüllt, Akkus geladen und noch einmal durchgesaugt. Auch eine 10 Kilometer Laufstrecke brachten wir hinter uns und duschten ein letztes Mal warm. Wir waren richtig aufgeregt ??. Spät abends am Donnerstag fiel vor Ferragudo, nach über 7 Wochen im Hafen, wieder der Anker. Der nächste Morgen war ungewöhnlich hell. Was da oben, um 10.00 Uhr, am Himmel so hell war, musste zuerst gegoogelt werden: Die Sonne!!! Herrlich! Die 20 Grad waren dann auch schnell erreicht.
Es hätte ein schöner Tag werden können!

Wenn der Captain nicht „mal eben noch“ den vermeintlich reparierten Propeller des Außenborders ausprobiert hätte. Dafür kam unser Schlauchboot wieder zum Einsatz.
Es folgte: „Geht“- „Geht doch nicht“- „Ich glaube jetzt…“ – „Nein, doch nicht“ – „Scheiße!“

Unzählige Male holten wir Schlauchboot samt Außenborder an Deck. Dafür nutzen wir ein Fall. Das ist ein Tau, welches an der Mastspitze herauskommt und mit dem man ein Segel hochzieht. Man kann damit jedoch auch ein Schlauchboot an der Bordwand hochziehen, indem man das Tau auf eine Winsch legt und kurbelt. Dieser Prozess wiederholte sich also mehrmals. Man kann sich vorstellen, dass Hatti´s Stimmungsgrad sich umgekehrt reziprok zur Anzahl der Schlauchbootbergungen verhielt. Er musste feststellen, dass der alte Propeller nicht reparabel war. Der neu gekaufte Propeller wurde schließlich wieder montiert und das Schlauchi sollte ein letztes Mal wieder in´s Wasser zurückgesetzt werden.

Nun startete die „Was-passiert-dann -Maschine“!!!

Um das Schlauchboot an der Bordwand hochzukurbeln, wird das Tau viermal um die Winsch gelegt. Um es abzulassen, legt man es nur zweimal um die Winsch, um es dann langsam rutschen zu lassen. Einer lässt es LANGSAM (!!!) rutschen und der andere hält es dabei von der Bordwand ab. Wir sind da eigentlich eingespielt.. eigentlich! Diesmal war alles anders!

Steffi saß etwas abseits vom Mast und lackierte ihre Fußnägel (eigentlich ist sie die Schuldige für alles, was jetzt folgt! :-)). Um sie nicht unbotmäßig zu stören, wollte Hatti ihr das Fall zum Sitzplatz durchreichen. Dafür nahm er besagte zwei Wicklungen von der Winsch und reichte ihr das Tau. Er dachte noch: wenn das jetzt unkontrolliert …! Zu spät! In dem Moment, wo er kurz den Zug vom Tau ließ, nahm das Schlauchboot, schwerkraftbedingt, seine Fahrt nach unten auf und war nicht mehr zu halten.

„Macht ja nix“, möchte man denken, „unten erwartet es ja sein ureigenstes Element, das Wasser!“
Wenn da nicht die Scheuerleiste des Schiffes am Rumpf wäre. Nun erfuhr die gerade aufgenommene Fahrt des Schlauchbootes eine Negativbeschleunigung, als es die Scheuerleiste erreichte. Allerdings nur einseitig. Die andere Seite des Schlauchis nahm unbeirrt weiter Fahrt auf. Wer bis hierhin folgen konnte, kann sich die Drehbewegung in der Längsachse des Schlauchbootes in der Luft vorstellen, die just vollendet war, als es das Wasser erreichte. Der, aufgrund des neuen UV Schutzes aus altem Polsterstoff, vergebene neue Name „Fliegender Teppich“, wurde Programm.
Kopfüber trieb es neben uns im Wasser. Das ist eine Lage, die einem kein Außenborder der Welt so ohne Weiteres verzeiht. Er lief sofort voll Wasser. Unbezahlbar die Blicke, die wir aufgesetzt hatten.

Unsere Strandlatschen verabschiedeten sich nun auch langsam in der Strömung und riefen stumm um Hilfe.

Relativ schnell bekamen wir das Schlauchi wieder gedreht. Steffi entkleidete sich und wollte spontan in´s 12 Grad kalte Wasser springen, um den Latschen beizustehen. Nur mit Mühe konnte Hatti sie davon abhalten. Sie trieben schon 20 Meter achteraus und gegen die Strömung zurück zum Schiff hätte nur einen weiteren Notfall ausgelöst. Hatti ruderte mit dem Schlauchi so schnell er konnte zu den Latschen und rettete sie. Er durfte nicht viel Zeit verlieren, weil die Innereien des Außenbordmotors schnell vom Salzwasser befreit werden mussten und er rasch wieder zum Laufen gebracht werden sollte.

Es dauerte eine Stunde bis alles gespült, der Vergaser entwässert, der Zylinder mit WD 40 eingesprüht und wässriges Benzin gewechselt wurde. Weitere 20 Minuten vergingen, bis der Motor wieder ansprang. Außerdem wechselten wir zweimal das Öl. Er lief wieder!

Aber die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende: Hatti wollte den Motor einige Minuten unter Vollgas „trocken fahren“! Vollgas! Das Schlauchi kam in´s Gleiten, „Knarrrrrk, Knorrrrk“ und der Bug des Schlauchis knickte komisch ein! Das Motorengeräusch erstarb jäh.

FUCK FUCK FUCK! Der gerade wieder laufende Außenborder ist mit seiner neuen Schraube eine unauflösliche Liaison mit dem Sicherungsdraht eingegangen, mit dem wir unser Schlauchi an Land anschließen. Der Draht ist am Bug befestigt (und liegt während der Fahrt eigentlich im Schlauchboot; nur nach dem Kopfstand wurde er halt unter dem Schlauchboot hergezogen!) und als er sich um die Schraube wickelte , knickte dieser nach unten ein.

Etwas Glück hatten wir zum Schluss dann aber doch noch. Den Draht konnten wir lösen und der neue Propeller nahm keinen Schaden.

Für Bilder, die diese filmreife Leistung hätten dokumentieren können, hatten wir leider nicht die Ruhe!

Ein sonniger Tag an der Algarve – der so schön hätte sein können!
(Immerhin konnten wir am Folgetag die Grillsaison eröffnen)

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