Winterlager in Olhao: Verdauungsprobleme, Werftleben, Sunglasses at night und Geruchsexplosionen

Montag, 11.11.2019, Karnevallsbeginn in Deutschland und Saisonende für uns. Unser Krantermin ist zwar erst am Mittwoch dem 13. (Hmm..-, musste es ausgerechnet der 13. sein?), aber wir wollten das Schiff noch ein bisschen für den Winter vorbereiten.

Montagmorgen trafen wir uns noch zum zweiten Kaffee mit Jean und seinem Sohn auf der „Tara“. Jean ist einhand hier runter gesegelt und hat Sohnemann zu Besuch. Zack! Lebensgeschichten ausgetauscht und schönen Klönschnack gehabt – „Klönschnack to go“ quasi. Eventuell schaffen wir es, im kommenden Jahr noch einmal die Tara zu treffen!?

Gegen Mittag war es dann aber soweit: Anker auf und die letzte Fahrt der BigFoot begann für uns. Mit dem aufsteigenden Wasser schossen wir Richtung Werftgelände in Olhao. Dort sollten wir uns zwei Nächte an eine rote Tonne legen. Diese Tonne markiert den Platz, an dem es auch bei Niedrigwasser noch tief genug für uns ist. Und diese Tonne war belegt! Versuche, an anderen Tonnen fest zu machen scheiterten. Etwas planlos drehten wir Runden vor der Werft, bis uns Sergio, der Werftbesitzer winkte, wir sollten an den Steg kommen. Dort angekommen hieß es: „We will get you out today!“
Was? So schnell soll es vorbei sein? Keine zwei gemütlichen Ankernächte mehr? „Schluck, Wimmer…!“ Auch BigFoot bockte und bekam akute Verdauungsstörungen – die Toilette war verstopft!

Wir hatten noch eine Stunde Zeit, bevor der Hubwagen uns aus dem Wasser befördern sollte. Der Toilettentank war bis oben voll. Hebt sich das Schiff aus dem Wasser, und die Verstopfung des Tanks würde sich durch eine spontane Eingebung lösen und 50 Liter undefinierbarer Verdauungsergebnisse über das Werftgelände ergiessen – wir wären Werftgesprächsthema für die nächsten Jahre!
Das ging so nicht!
Prozedere wie gewohnt: Hatti mit Pümpel und Neoprenanzug (mittlerweile hat das Wasser auch keine Warmduschertemperatur mehr) in´s Wasser schubsen, Tauchen, Pümpel ansetzen, 2x pümpeln und dann FLÜCHTEN!!! Flüchten vor der Unterwasserwolke, die sich schnell, sehr schnell, ausbreitet! Immer wieder ein Spaß! Sailors life!

Nach der Mittagspause stürmte die Werftcrew auf BigFoot zu und beförderte ihn ohne Probleme aus dem Wasser. Die Jungs verstehen ihr Handwerk. Alles geschah unter Anleitung des Werftbesitzers, Sergio.

Sergio! Noch nie haben wir Sergio ohne Baseballcap und Sonnenbrille gesehen. Egal zu welcher Uhrzeit, man guckt immer in eine Sonnenbrille. Eigentlich wissen wir gar nicht, wie er aussieht!? Egal, er macht einen super Job und ist ein Netter – ein echter Typ eben!

BigFoot wurde mit dem Hochdruckreiniger von jeglichem Unterwasser-Bewuchs befreit, der uns zuletzt einen Knoten Geschwindigkeit gekostet hat. Aber!!! nach durchgängig drei Jahren im Wasser war der Rumpf vergleichsweise sauber und von einigen der Beobachter wurden wir nach der verwendeten Unterwasserfarbe (Antifouling) gefragt.
Beim Reinigen nahm man es an einigen Stellen leider besonders genau und es wurde bis auf´s blanke Metall „runtergereinigt“.

Blankes Metall bedeutet für uns immer 6 Tage Arbeit, weil 6 Farbschichten aufgetragen werden müssen (1x Zinkfarbe, 4x Epoxy und einen Vinylanstrich). Erst dann kommen auf den ganzen Rumpf, an 2 weiteren Tagen, noch 2 Anstriche der hochgiftigen Antifoulingfarbe.
Genug Zeit also, die Werft und Umgebung kennen zu lernen.

Die Werft ist die günstigste hier in der Umgebung und nur mit auf die Nerven gehen und schöne Augen machen, haben wir hier überhaupt noch einen der letzten Plätze bekommen. Bei den Preisen kann man keinen ausgefeilten Hochglanzstil erwarten. Es gibt für die gesamte Werft nur eine Toilette, die sich Männer und Frauen teilen müssen, zwei Duschen, die so mittelmäßig sauber sind und auf dem Gelände scheint alles ein wenig chaotisch zu sein.
Letzteres täuscht aber! Sergio und seine Kumpanen wuseln den ganzen Tag über das Gelände und halten den Laden am Laufen. Hier ist unglaublich viel Betrieb! Alle Gewerke in Sachen Holz, Metall und Kunststoff sind vorhanden. Den ganzen Tag über hämmert , sägt und schleift es auf dem Gelände! Und alle haben sie gute Laune!

Die günstigste Werft in der Umgebung ist natürlich auch Anziehungspunkt für so manch coolen, verschrobenen und manchmal auch hängengebliebenen Segler. Hier findet man die aufregendsten Geschichten, die das Leben schreibt und Material für manch guten Film liefern würden!

Zum Piepen und genau unsere Welt! Hier kann man sich wohl fühlen!:-)

Was uns aber mal wieder Kummer bereit: Plastikmüll! Wir finden kaum Worte für das, was hier außerhalb des Werftgeländes rumliegt und durch die Gegend fliegt. Das muss man einfach selbst gesehen haben!

Unser Platz auf dem Werftgelände liegt neben dem örtlichen Klärwerk. Fischfabriken liegen dahinter und eine Großwäscherei ist auch nicht fern. Hinzu kommen Schleif-, Öl, Tischlerei- und Schweissgerüche (Elektroschweissen, aber auch der von Menschen) der Werft! Ständig hat man, je nach Windrichtung, etwas anderes in der Nase und leider ist die Wahrscheinlichkeit, den Geruch frisch gewaschener Wäsche aus der Großwäscherei zu erwischen, eher gering. Weit vorn liegen Klärwerk und Fischfabriken!

Wir nutzten die Tage, um auch unseren Renault Kangoo, Willy, mal durchchecken zu lassen. Wie sich herausstellte, waren die Bremsen völlig runter, die Elektronik hatte ihre Macken und der Lüfter ging nicht mehr. Alles zusammen ergab einen Preis von 164,- EUR! Unschlagbar!

Ein paar Schiffe weiter liegt Heiner aus Kappeln, mit dem wir ein Bierchen tranken. Er macht es umgekehrt: bis jetzt in Deutschland geblieben und plant nun, das Schiff schnell fertig zu machen, um den Winter über in der Algarve zu segeln!

Ein Gedanke zu „Winterlager in Olhao: Verdauungsprobleme, Werftleben, Sunglasses at night und Geruchsexplosionen“

  1. Au man, da muss ja selbst ich Landratte fast weinen bei dem Einparken von BigFoot an Land. 🙁
    Ich wünsche euch ein gutes zu Hause im grauen Schmuddelwetter Ankommen. Vielleicht schaffen wir es es ja in diesem Jahr uns zu sehen!

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