Rückreise nach Hamburg: Fahren wir nach Hause oder besuchen wir Verwandte und Freunde?

Wir sind wieder in Hamburg! Die Rückreise war, wie geplant, erlebnisreich. Wir sind ja nicht gerade für unsere Schnelligkeit bekannt und warum soll sich das bei einer Reise mit dem Auto ändern?

7 Tage Reisezeit waren angesetzt. Weil es uns so gut gefiel und es sooo viel zu sehen gab, wurden daraus 9 Tage. Ein Riesenlob verdient unser Renault Kangoo „Willy“! Im letzten Jahr für 2.200,- EUR ungesehen im Internet gekauft, wurde er zum Glücksfall. Von Nordspanien ist er von unseren diesjährigen Besuchern Stück für Stück Richtung Algarve bewegt worden und diente uns immer wieder als Unterkunft für einige Nächte.

Mittlerweile haben wir so viele liebe Leute kennengelernt, dass auf dem Weg Algarve – Hamburg Übernachtungen im Auto eigentlich gar nicht nötig gewesen wären. Von überall bekamen wir Angebote, irgendwo Station zu machen und dort zu schlafen. Genial!

Zuhause untergekommen sind wir, wie schon im letzten Jahr, bei Hatti´s Cousin in Stelle, der mit seiner Frau auf der AIDA Aura auf Weltreise unterwegs ist. Das Haus ist ein Traum und die Sauna lässt uns den Klimawechsel von der Algarve nach Hamburg etwas leichter ertragen!
Leider haben wir in den nächsten Wochen kaum Zeit, das Haus zu nutzen. Steffi hat einen 450,- EUR Job auf der Peute angenommen, der Tannenbaumverkauf der Familie Hattermann hat begonnen und Reparaturen im Haus von Hatti´s Eltern und Tante haben sich das Jahr über angehäuft.

Das Lotterleben hat für einige Monate ein Ende! Seit 10 Tagen werden wir nun schon vom Wecker geweckt! Was´n Scheiß! 🙂

Erstmalig seit drei Jahren Langfahrt fragen wir uns, ob die Reise nach Hamburg eine Reise „nach Hause“ ist oder ob wir unser „Zuhause“, das Schiff, für einen Besuch von Familie und Freunden verlassen. Portugal ist uns echt ans Herz gewachsen.
In diesem Land scheinen die Menschen mit dem häufig Wenigen was sie haben, glücklich zu sein, die Kriminalitätsrate geht gegen Null und viele Nationalitäten leben ohne wahrnehmbare Vorurteile friedlich zusammen. Hier könnten wir uns auch vorstellen, längerfristig kleben zu bleiben.

Wer über Facebook die Reiseberichte der Rückfahrt noch nicht gelesen hat, kann hier noch einmal mit uns reisen (Bilder ganz unten):

Rückreise 1. Tag:
Wir sind gestern erst spät losgekommen. Der letzte Anstrich zog sich doch noch in die Länge und es gab vor dem Verlassen des Schiffes noch sooo viel zu bedenken und einige neue Bekanntschaften galt es zu verabschieden.
Um 20.30 Uhr kamen wir auf einem Parkplatz in Salvaterra de Magos an.
Auf dem Weg dorthin passierte Unglaubliches: Es regnete wie aus Kübeln!
Ein Naturphänomen, von dem in der Algarve nur noch in fast vergessenen Liedern der Altvorderen berichtet wird.
Müssen wir uns daran gewöhnen???

Rückreise Tag 2:
Gestern haben wir uns spasseshalber ein paar Immobilien angesehen und erst spät einen Übernachtungsplatz vor einer Kirche bei Obidos gefunden.
“Beichte to go” (Hatti hat etwas länger gebraucht)
Blöderweise meinte ein Becher Rotwein eine Liaison mit Hatti´s Bettdecke eingehen zu müssen.

Rückreise Tag 3:
Die Nacht war arschkalt!
Gestern Immobilien zwischen Nazaré und Peniche angeschaut! Spannend!
Zum Abend in Nazaré mit Dody verabredet, die alleine seit Jahren an ihrem Schiff arbeitet.
Dody ist Nazaré und Nazaré ist Dody!
Mit ihr zusammen sind wir in ihre Runde von einheimischen Fischern rein gekommen.
Was für eine Herzlichkeit!
Aber… wenn man sieht, was für ein hartes Leben diese Fischer führen wird man schnell geerdet.
Wir werden nie wieder über Fischer schimpfen, die zu nah an Ankerfeldern vorbeifahren oder ihre zahlreichen Netze schlecht markieren!

Rückreise Tag 4:
In Nazaré waren 4 Meter Welle angesagt. Durch den Unterwassercanyon kamen 15 Meter Monster zustande. Das ließen wir uns mit Dody nicht entgehen! Willy hat nur zwei Sitzplätze? Für Dody kein Problem!
Leider mussten wir mit ansehen, wie ein Surfer mit Schaum vor dem Mund bewusstlos aus dem Wasser geborgen wurde!
Weiter zu unserem Freund Raz, der in Figueira da Foz mit einem gebrochenen Baum festhängt (Halse!).
Dann erstmals Ziel “Zuhause” in’s s Navi eingegeben! Noch 2.550 Kilometer!
Übernachtung in der ehemaligen Hauptstadt Portugals: Coimbra

Rückreise Tag 5:
Wir haben gut geschlafen.
Schon gestern Abend zeigte sich bei einem kleinen Stadtbummel, dass die ehemalige Hauptstadt Portugals, Coimbra, wirklich schön ist. Außerdem ist sie Universitätsstadt mit vielen jungen Menschen!
Hatti: “Oh…, die sind ja alle in meinem Alter!”
Nun, wenn man so lange studiert hat wie Hatti, kann man die Ursache solcher realitätsferner Wahrnehmung vieleicht verstehen!?
Nach einem weiteren morgendlichen Stadtbummel ging es wieder auf die Piste.
Die Stadt Burgos in Spanien war das Ziel. Sie hat einen mittelalterlichen Stadtkern und ist auch eine wichtige Station des Pilgerweges nach Santiago de Compostela.
Das Navi erhielt den Befehl “Mautstraßen vermeiden”. Damit wurden die Autobahnen Portugals zu No-Go Areas. Die Route führte uns durch Urwald-, Stein- und Gebirgslandschaften mit ausgestorbenen Dörfern. Genial!
Da, wo wir Pinkelpausen machten, möchte so mancher Urlaub machen!
Es gab so viel zu sehen und man musste sich zusammenreißen, nicht einfach irgendwo eine Woche zu bleiben um Gegend und Menschen näher kennenzulernen.
Spanien: Autobahnen Richtung Frankreich mautfrei und Benzin 20 Cent günstiger.
Leider war Burgos eine doofe Idee! Als Hauptstadt Kastiliens viel zu groß und die Suche nach einem Übernachtungsplatz endete auf dem Parkplatz eines Einkaufzentrums.
Außerdem stellten wir uns bei der Essenssuche zu dämlich an. Etwas angenervt gingen wir bei Chips, Rotwein und einem Hörbuch in’s 4 Grad kalte Bett.

Rückreise Tag 6:
Die Stimmung ist “geht so”!
Das Wetter ließ heute Morgen keinen Spaziergang zu und Hatti dasselte mit der Birne gegen die offen stehende Heckklappe. Wir ließen, am Kopf blutend, die Hauptstadt Kastiliens unbesichtigt hinter uns.
An der spanisch- französischen Grenze kam es bei einer Grenzkontrolle zu folgendem Dialog:
Sie: “where are you coming from?
Wir: “Germany”
Sie: “No! Where are you coming from today?
Wir (an der Grenze stehend mit Fingerzeig nach hinten): “Spain!”
Sie: “And before?”
Wir (uns fragend ob wir alle Stationen aufzählen sollten) versuchten es mit: “Algarve” (gehört zu Portugal)
Sie (schon ein wenig genervt): Ah! All the time in Spain?
Wir schüchtern …und eher fragend als antwortend: “Yes!?”
Sie: “move on!”
Grenzbeamte sind auch nur Menschen! Menschen wie Du und ich!
Mit viel Wind und Regen erreichten wir unseren Übernachtungsplatz bei Arcachon und waren wieder zu blöde, etwas Vernünftiges zu essen zu finden!
Ist aber auch echt verwirrend, innerhalb von drei Tagen von “Bom dia” über “Buenos dias” zu “Bonjour” zu wechseln und sich an französische Preise zu gewöhnen.
Glücklicherweise bekommen wir das mit dem Wein trinken noch immer unfallfrei hin.
Außerdem werden wir uns den Grenzen Willys bei schlechtem Wetter bewusst. Man kann halt nur mit ihm fahren oder in ihm schlafen. Ein Übernachtungsangebot in Bordeaux von Steph erreichte uns leider zu spät! Shit!
…und: ein Königreich für eine Dusche!

Rückreise Tag 7:
Heute Nacht um 04.00 Uhr! Es regnete wie verrückt und der Lärm der Tropfen auf dem Autodach lässt uns nicht schlafen.
Wir gucken uns an: “Wollen wir aufstehen?” – “Ja!” – “der Regen ist kräftig genug, um uns mit ihm zu duschen! Wollen wir?”
Das Verlangen nach einer Dusche war so stark, dass uns die 5 Grad Außentemperatur nicht davon abzuhalten vermochte, aus den warmen Betten zu schlüpfen und uns, so wie Gott uns schuf, in den Starkregen zu stellen.
Man mag es kaum glauben: Es war herrlich! Alles kribbelte und der Geruch im Auto verbesserte sich merklich.
Wir fuhren um 05.00 Uhr weiter und Steffi föhnte mit der Autolüftung ihre Haare, während Hatti versuchte, durch die beschlagenen Scheiben den Weg zu finden.
Es brauchte 2 Stunden, bis wir nicht mehr froren und so müde wurden, dass wir uns einen Platz zwischen 5 rumänischen LKWs suchten und 2 Stunden Schlaf nachholten.
“Mautstraßen vermeiden” führte uns wieder durch französische Landstriche mit alten Abteien, Kirchen und Festungen. Wir können solche Strecken nicht fahren ohne mehrfach Halt zu machen und die Gegend zu erkunden.
Nach den Misserfolgen der letzten Tage bei der Essensbeschaffung griffen wir auf Altbewährtes zurück:
Bray-Sur-Seine
In dieser Stadt an der Seine waren wir schon im Frühjahr auf dem Weg gen Süden und hier gibt es einen Pizzaservice mit “Bestelle zwei, bezahle eine”!

Rückreise Tag 8:
Es ist kalt! Mehr als 3 Grad will das Thermometer nicht hergeben. Das Kaffeewasser auf dem Campingkocher weigert sich strikt zu kochen. Trotzdem gelingt das “extreme outdoor frühstücking”
Der Befehl “Mautfrei” führt uns wieder über kleinste Landstraßen der französischen Champagne, einem großen Weinanbaugebiet, in welchem aber auch riesige Gräberfelder des ersten Weltkrieges zu finden sind.
Ein Gang über ein Grabfeld mit 3758 gefallenen französischen Soldaten ist kein Lustigmacher!
Hinter jedem einzelnen Namen steht eine Geschichte mit Ehefrau,, Kinder, Mutter und Vater…und unglaublicher Trauer und Schmerz!!!
Ein Hoch auf das heute vereinte Europa ohne Kriege!!!
Die französische Grenze passieren wir nach Luxemburg, weil die Benzinpreise in Belgien und den Niederlanden 40 Cent (!!!) teurer sind und bei 40 getankten Litern ist das schön ein Sümmchen.
Gegen Abend landeten wir in Hennef bei Harry und Anne, die wir dieses Jahr auf der Reise kennengelernt haben.
Eine Dusche, ein Bett und ein leckeres Essen warteten dort auf uns!
Wir konnten den Haupteingang benutzen und mussten nicht über das Badfenster zuerst in die Dusche!
Wir hatten sogar noch frische Klamotten (frisch ist allerdings relativ, weil sie den Muff vom Schiff an sich hatten – es gab also lediglich einen Wechsel von Mief auf Muff) auf Lager und nach der Dusche fühlten wir uns wie neu geboren. Vielen Dank an die Beiden!

Rückreise Tag 9:
Bom Dia – Buenos Dias – Bonjour – Moin Moin!
Wir sind wieder zu Hause!
Nach der Verabschiedung von Anne und Harry fuhren wir zu Steffi´s Cousine und Tante nach Remscheid. Das war der Startschuss des bevorstehenden Besuchsmarathons für uns.
Der Plan ist, sich die kommenden Monate ordentlich durchzufuttern. Es begann mit einem leckeren Frühstück!
Die letzten 300 Kilometer zogen sich wie Kaugummi! Völlig überfordert waren wir mit dem Verkehr auf deutschen Autobahnen. Viel zu viele Autos, die mit Warp 8 an uns vorbeischossen.
In unserem Winterdomizil (altes Reetdach-Bauernhaus in Stelle von Hatti´s Cousin & Frau) angekommen, konnte Willy, nachdem er entmüllt wurde, endlich wieder durchatmen. Erstaunlich, was man so alles mit sich herumschleppt!
Puuh… aber zwei Stunden später saßen wir schon in der Sauna!
Unterkunftsmäßig kann man es schlechter erwischen.
Wir wünschen Dirk und Moni eine tolle Weltreise mit der Aida!

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