Der Weg in´s Winterlager: Vilamoura und Culatra, zwei Orte, die nicht nebeneinander auf einem Planeten existieren dürften.

Am 13. November haben wir unseren Termin, an dem das Schiff aus dem Wasser kommt. Ein paar Tage vorher wollten wir schon in der Lagune bei Faro sein, um dort mit den Vorbereitungen zu beginnen. Die Lagune ist riesig! Der Einlass in die Lagune ist vergleichsweise winzig. Die Tidenströme müssen sich durch den engen Einlass quälen, um die Lagune zu füllen oder zu entleeren. Dadurch sind die Strömungen dort so stark, dass wir nur mit einlaufendem Wasser hinein kommen.

Nun sind auch hier die Tage kürzer geworden und die Tidenzeiten lagen so ungünstig, dass man von Albufeira entweder morgens im Dunkeln starten musste oder abends im Dunkeln ankam, obwohl die Strecke nur 22 Meilen lang war. Deshalb liefen wir Vilamoura als Zwischenhafen an, um die Strecke um 6 Meilen zu verkürzen und 2 Tage für ein besseres Tidenfenster abzuwarten (die Tidenzeiten verschieben sich jeden Tag um ca. 45 Minuten nach hinten).

Vilamoura ist in den Hafenführern aufgrund seiner Gediegenheit und seiner exorbitanten Preise einschlägig bekannt. Rabatte für die Mitgliedschaft in bestimmten Segelvereinigungen sind hier unbekannt. Jetzt in der Nebensaison war es für uns aber noch einigermaßen erschwinglich.

Was uns dann aber an Restaurants und Geschäften an der Hafenmeile erwartete, ließ uns die Kinnlade runterklappen. Alles vom Feinsten, mit Preisen die rund bei dem Doppelten des Üblichen lagen.

Hier gibt es Immobilien für knapp 60.000,- EUR zu kaufen! Hört sich günstig an? Finden wir auch! Aber bei dieser Immobilie handelt es sich um einen 8 Quadratmeter großen Parkplatz an der Marina!!! Unglaublich!!!

Abgerissen, wie wir waren, fühlten wir uns wie auf einem anderen Planeten… und wir fühlten uns nicht wohl!

Von den „Kraken“, die vor den Restaurants versuchen, Touristen an die Tische zu locken, wurden wir in unserem Aufzug gar nicht erst angesprochen, was uns in gewisser Weise aber auch als Segler auf Langfahrt adelte.

Wir konnten mit diesem Hafen so gar nix anfangen, auch wenn die Anlagen in wirklich gutem Zustand waren und man von sehr freundlichem Personal begrüßt wurde. Aber portugiesisches Flair? Fehlanzeige!

Aber alles hat ja irgendwie auch seine guten Seiten, wie wir inzwischen gelernt haben: Wir trafen hier nämlich zufällig Markus und Katharina von der Antari wieder! Mit den beiden verbrachten wir einen tollen Abend und so hat der Aufenthalt in Vilamoura doch noch Spaß gemacht. Markus und Katharina berichteten auch von einem schönen Ortskern, einer guten Infrastruktur und netten, hilfsbereiten Portugiesen. Man muss den Schickimicki-Hafen also wohl einfach ausblenden. 😉

Zwei Tage später ging es in der Morgendämmerung auf in die Lagune von Faro, nach Culatra. Egal mit wem man über das Revier Algarve spricht, Culatra ist immer ein Thema: Ilha do Culatra und Ilha do Farrol sind zwei Dörfer, die auf nicht mehr als einer großen Sanddüne am äußersten Bereich der Lagune liegen.

Rezept: Man nehme Sylt, subtrahiere 90% vom Einkommen der Einwohner, baue alle Straßen zurück (es bleiben nur Sandwege), verbanne alle Autos von der Insel (es bleiben nur 2-3 Traktoren für die Fischer) und unterlässt teure Küstenschutzmaßnahmen (es bleiben Wege für die Traktoren zwischen den beiden Dörfern, die bei Hochwasser kaum befahrbar sind).

Fischereibetrieb mit kleinen Booten, winzige Fischerhäuser, dekoriert mit Strandfunden und häufig nur durch Sandwege miteinander verbunden, und kleine Bars ohne Übertragungen der englischen Soccer League auf dem Fernseher.

Hier ist es wieder: das portugiesische Flair – aber auch in seiner extremsten Ausführung. Das ist unsere Welt! Eine Welt, die vom Festland nur 4 x täglich von kleinen Bootsshuttles angelaufen wird.

Leider ist der Ankerplatz in der großen Lagune so offen, dass sich bei Wind schnell eine blöde Welle bildet und Dinghyfahrten zu einem Duschvergnügen werden lässt. Wir beobachteten andere Segler, deren Ausgehuniform bei Schlauchbootausflügen ein Neoprenanzug war.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf das nächste Jahr, wenn wir hier eine längere Zeit verbringen können.

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