Sailor´s Life: Work in paradise, der Sandstrahler, Vogelsand und nette Grillabende

Wir haben in der Regel kein Problem, unser Schiff in wenigen Minuten in eine chaotische Baustelle zu verwandeln. Immerhin bekommen wir es sonst aber schnell wieder aufgeräumt!

Diesmal war es anders! Das Schiff war schon eine Baustelle, als wir es vor vier Monaten verließen und es sollte während der zwei Wochen unseres Werft-Aufenthalts so bleiben. Erst eine Stunde vor dem zu Wasser lassen war einigermaßen Grund drin.

Die Sprayhood: Das ist das Ding, welches oben im Cockpit aufgebaut ist und unter der man Wind- und Regenschutz genießt. Unsere ist aus Metall mit aufgebolzten Scheiben aus 10mm Macrolon (spezielles Schlag- und UV-beständiges Polycarbonat)

Vorteil: unheimlich stabil und begehbar
Nachteil: Schwer und unter den Scheiben fängt es irgendwann an zu rosten

Schon vor fünf Monaten entschieden wir uns, die Sprayhood zu sanieren, weil es nach 12 Jahren unter den Scheiben rostete und die Scheiben auch nicht mehr so schön waren. Bevor wir im Frühjahr nach Hamburg fuhren, organisierten wir uns noch in Portugal eine Macrolon Platte, um die neuen Scheiben anzufertigen. Die Scheiben waren insofern schon zugeschnitten und alle 120 Löcher für die Bolzen vorgebohrt. Zum Glück, weil wir nur zwei Wochen Zeit hatten, um das Ding fertig zu bekommen und nebenbei die ganzen anderen Sachen zu erledigen, die es braucht, um das Schiff in´s Wasser zu lassen. Da wir immer nur zu einer besonders hohen Springtide ins Wasser kommen, wäre der nächste Sliptermin also noch zwei Wochen später gewesen.

Ein Sandstrahler musste ran, weil die Sprayhood so blöde Ecken und Nischen hat, wo wir selber mit unserem Werkzeug kaum reinkommen. Gefunden haben wir einen in Portimao, der spontan Zeit hatte. Über ein kompliziertes Fall- (Fallen sind die Taue, die aus dem Masttop kommen und mit denen man Segel hochzieht) und Flaschenzugsystem hoben wir die demontierte Sprayhood über den Baum des Mastes an, schwenkten diesen zur Seite und ließen sie seitlich über den Flaschenzug zu Boden. Das war aufregend, weil das Ding echt schwer ist! Halten die Taue, bricht der Baum oder kippt gar das Schiff auf seinem Bock zur Seite? Alles ging gut und sie passte gerade so in unseren Big Willy.

Nach zwei Stunden Fahrt war sie in Portimao beim Sandstrahler und zwei Tage später konnte Hatti sie dort abends wieder abholen. (Insgesamt also bummelig 8 Stunden Fahrtzeit). Hatti staunte nicht schlecht, als der Sandstrahler, sagte, dass er die doofen Ecken, wegen denen wir überhaupt einen Sandstrahler suchten, ausgelassen hat. Grund ( „Wenn ich da mit der Düse reinhalte, kommt mir immer der Sand entgegengeflogen“! HALLLOOOO!? Augen auf bei der Berufswahl, sagen wir da. Es hat zwar nur 100,- EUR gekostet, aber das Ergebnis war eher „geht so“!

Bevor wir am Folgetag den ersten wichtigen Zinkanstrich malen konnten (nur durch die Luftfeuchtigkeit fängt blankes Metall sofort an zu rosten), mussten wir selber noch einmal für vier Stunden ran, um die restliche Farbe abzubekommen. Wir wurden etwas hektisch, weil alle sechs Anstriche mit Trocknungszeiten ziemlich durchgetaktet waren, um rechtzeitig fertig zu werden. Zwischen den Anstrichen versuchten wir, alle anderen Arbeiten zu erledigen. Zum Schluss wollten wir der Farbe etwas Vogelsand beimischen, um einen Anti-Rutsch-Effekt zu erzielen.

Vogelsand und Portugal! Zwei Dinge, die sich augenscheinlich widersprechen. Wer in Portugal kann sich eine Tüte Vogelsand für 4,50 EUR leisten? In Portugal wohl nur Wenige, weshalb das Angebot sehr begrenzt ist. Hatti fuhr vier Stunden mit dem Fahrrad durch Olhao, bis er irgendwo fündig wurde.

Im Ergebnis klingelte jeden Morgen um 07.00 Uhr der Wecker und wir waren selten vor 19.00 Uhr fertig. Glücklicherweise war die Reinigung der Wassertanks überschaubar. Fünf Jahre nach der letzten Reinigung waren sie noch so sauber, dass wir uns den Komplettausbau schenkten und nur den Boden der Tanks auswischten. Erst eine Stunde vor unserem Sliptermin wurden wir mit allem fertig!

Puh! Sowas muss man nicht allzu oft haben!

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