Heimatbesuch: Überraschte Überraschung, Gefühlsduselei, take the long way home

Am 27. Juli, 17:00 Uhr setzte ich (Steffi) mich in den Flieger, der mich von Porto nach Hamburg brachte, um meinen Bruder zu überraschen. Um 21:15 Uhr saß ich bei Mama auf dem Sofa. Sehr bequem! Schön, sich mal wieder so richtig verwöhnen zu lassen. Das Abendbrot wurde kredenzt, das Bett war schon bezogen und am nächsten Tag gab es leckeren Spargel mit Schinken! Das erste und einzige Mal für mich in diesem Jahr. Allein dafür hätte sich schon der Heimflug gelohnt!

Am Samstag stand dann die große Party bei meinem Bruder Ingo an. 60. Geburtstag und Eintritt in den Ruhestand. Vor der Feier sollte noch ein Gottesdienst stattfinden, in dem meine Nichte Annkatrin (ausgebildete Pastorin) einen Segen für den Ruhestand und die bevorstehende Reise meines Bruders und Schwägerin aussprechen wollte.
Zusammen mit Annkatrin, die nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für die Technik in der Kirche verantwortlich war, tüftelte ich aus, wie wir mein vorbereitetes Video und den Überraschungsbesuch am besten inszenieren könnten:

Ich wurde zunächst in einem Nebenraum versteckt. Von dort aus konnte ich durch ein Butzenfenster die ca. 60 Gäste vorbei laufen sehen, die nach und nach eintrudelten. Das Herz schlug mir bis zum Hals und bei jedem Schatten drückte ich mich in die Ecke, weil ich fürchtete, mein Bruder könnte einen Blick durch´s Fenster werfen und mich entdecken! Aber alles ging gut.
Gleich zu Beginn des Gottesdienstes spielte Annkatrin mein Video auf einer riesigen Leinwand als „Gruß aus der Ferne“ ab. Durch ein kleines Loch in der alten Holztür konnte ich beobachten, wie einige Gäste ein Tränchen der Rührung verdrückten. Mein Ständchen schien also ganz gut anzukommen. Am Ende des Songs schlüpfte ich dann aus meinem Versteck in die Kirche. Hui, das war cool! Meinen Bruder haute es tatsächlich mal aus den Socken. Er freute sich riesig und war sichtlich gerührt! Überraschung absolut gelungen!!

Ich dachte, jetzt würde mein Adrenalinspiegel langsam wieder absinken. Aber Fehlanzeige! Denn auch Ingo hatte eine Überraschung vorbereitet. Typisch… er muss immer noch einen drauf setzen! 😉 Nach 34 Ehejahren machte er seiner Frau Claudia einen Heiratsantrag (den sie bis dato nicht bekommen hatte)! Zum Glück sagte sie „Ja!“ und Annkatrin, die als Einzige eingeweiht war, konnte endlich die noch fehlende kirchliche Trauung für ihre Eltern durchführen. Dass ein Paar von der eigenen 30-jährigen Tochter getraut wird, kommt wohl auch nicht allzu häufig vor. Es folgten weitere wunderschöne (dieses Mal professionelle) Gesangsbeiträge und ein kollektives Geheule vor lauter Rührung. Herrlich!

Im Anschluss stürzten wir uns dann in ein geniales Fest bei bestem Wetter mit leckerem Essen, 170 gut gelaunten Gästen, netten Gesprächen, Liveband und DJ und natürlich Tanzen bis zum Abwinken. Endlich konnte ich mal wieder richtig abzappeln, die letzte Party (das Sao Joao Festival in Porto) lag ja schließlich schon eine Woche zurück…
Auch meine Mama zeigte, trotz ihres stattlichen Alters von 81 Jahren – ja, das darf man ruhig erwähnen, das glaubt sonst nämlich keiner! – keine Ermüdungserscheinungen und so gehörten wir zu den letzten Gästen der Feier. Gegen 2:30 ging der Tag der Überraschungen und der großen Gefühle für uns zu Ende!

Als Nebenprogramm bei meinem kurzen Heimataufenthalt waren noch drei kleine Treffen mit Freunden und der Schwiegerfamilie drin, die natürlich auch wieder seeehr schön waren! Während mein Gatte sich wohl ein kleines bisschen langweilte so allein, hatte ich eine super Zeit. Ich finde, das habe ich mir auch mal verdient. Auch wenn mir jetzt so spontan nicht einfällt, womit eigentlich… 🙂
Am Dienstag, den 02. Juli ging es dann wieder Richtung Portugal. Der Rückweg war im Vergleich zum Hinweg doch etwas beschwerlicher. Um 6:40 Uhr startete der Flieger nach London, dort hatte ich 2,5 Stunden Aufenthalt. Der zweite Flieger ging, aufgrund einer Fehleinschätzung unsererseits bei der Buchung, nach Lissabon. Von dort musste ich noch mit Metro, Zug und wieder Metro fahren, diverse Wartezeiten überbrücken und brauchte insgesamt gut 7 Stunden, bis ich um 20:30 Uhr endlich wieder bei BigFoot an Bord war!

Aber der Aufwand hat sich gelohnt! Ich hatte sehr schöne Tage in der Heimat. An all die lieben Menschen, die ich in dieser Zeit getroffen habe: ich habe die Zeit mit euch sehr genossen!! Und an alle, die ich aus Zeitgründen nicht treffen konnte: Schade! Nächstes Mal wieder!

Vielleicht noch ein paar Sätze dazu, dass ich für nur wenige Tage nach Hause geflogen bin und mir damit nicht gerade einen Orden für Umweltschutz verdient habe: ich fühle mich tatsächlich ein bisschen schlecht deswegen. Aber da wir insgesamt doch recht wenig fliegen, kaum Auto fahren und auch beim Segeln vorwiegend die Segel anstatt den Motor im Einsatz haben, meinte ich es verantworten zu können, für diesen besonderen Anlass in den Flieger zu steigen. Wir werden versuchen, in den nächsten Wochen möglichst wenig zu pupsen, um unsere Ökobilanz wieder in Ordnung zu bringen. 😉

2 Gedanken zu „Heimatbesuch: Überraschte Überraschung, Gefühlsduselei, take the long way home“

  1. Hallo Steffi,
    sehr schöner Bericht. Mach dir keine Sorgen wegen der schlechten Ökobilanz Anfang Juli, die Flüge wären auch ohne dich geflogen und die meisten Menschen machen sich viel viel weniger Gedanken über die ökologische Entwicklung der Menschheit.
    Liebe Grüsse Martin

    1. Vielen Dank, Martin!
      Da hast du Recht. Das sind natürlich keine echten Entschuldigungen, aber alles ist gut! Ich jette ja nicht andauernd in der Gegend rum, von daher war das schon ok, denke ich. 🙂
      Liebe Grüße zurück!

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