Hatti allein zu Haus: Haushaltshilfe, Kärcher und die Endzeit wird gefeiert

Steffi ist wech! Der 60. Geburtstag ihres Bruders und seine Pensionierung standen an. Für´s Schwesterlein stand fest: „Ich muss als Überraschungsgast dabei sein!“ – aber ohne Vorankündigung! Wochenlang schmiedete sie sich ein Geburtstagslied zusammen und 3 Tage und viele Versuche brauchten wir, um ein Gitarrenvideo zustande zu bekommen, welches Geburtstagsgrüße enthielt und unsere  (scheinbare) Abwesenheit entschuldigte.

Dieses Lied ging uns zwangsläufig nicht mehr aus dem Kopf: Stadtbummel, Abwaschen, Klo…das Lied war omnipräsent. Ich brachte sie vergangenen Donnerstag zum Flughafen und dann …dann war ich alleine!

Juchuhhh! Hoch die Tassen, Party, Koks und Nutten für alle!!!

Ähhh, naja, fast! Seit Monaten sind wir nun auf engstem Raum zusammengepfercht. Und wer uns kennt, weiß, dass das ziemlich gut funktioniert (mein Lieblingsspruch: „Wir sind ein gutes Team – ich zumindest!“). Nun ist, schwupps, der Partner nicht mehr da und alles ist irgendwie anders. Man schläft länger und kommt nur noch schwer aus dem Bett. Die Tagesplanung erfolgt mehr oder minder lustlos. Essen und Kochen dient nur noch dem Zwecke der Nahrungsaufnahme und die Teilnahme am hiesigen Stadtfest war auch nur halbherzig.

Außerdem versuche ich ständig, das Schiff nicht völlig zu vermüllen und räume ständig hinter mir selbst her – diesen Job übernimmt Steffi sonst! Das bedarf wirklich großer Disziplin, aber andernfalls müssten wir Bigfoot bei Steffi´s Rückkehr mit Schaufel und Kärcher aufräumen. Der Wunsch nach einer hübschen Haushaltshilfe wurde leider nicht genehmigt.

Nun, mit anderen Worten: Ich vermisse sie! Alleine zu reisen wäre keine Option, weil alles doppelt so schön ist, wenn man es teilt. Außerdem brauchen wir Hattermänner auch mal ein bisschen Gemecker und Genörgel! Dass ihr das keiner steckt!

Was lag die Tage also so an? Es wurde wieder ein Heiliger gefeiert: Sao Pedro war diesmal dran. In Povoa de Varzim nahm man dieses Fest auch zum Anlass, um die Nachbarschaft („Bairro“) zu feiern. Irgendwie scheinen sich der Nord- und der Südteil der Stadt nicht immer ganz grün zu sein, weshalb in einem Teil der Stadt „Bairro Sul“ und im anderen Teil „Bairro Norte“ gefeiert wurde. Tanzfreudige Gruppen des einen Stadtteils mit den dazugehörigen T- Shirt-Aufdrucken eroberten dabei den jeweils anderen Stadtteil. Auf gute Nachbarschaft…!

Zu dieser Jahreszeit dürfen bei den Feierlichkeiten auch hier die Sardinen keinesfalls fehlen und jetzt wird’s crazy:

In kleinen Gassen wurden Paletten und Holzsperrmüll gesammelt und große Feuer entzündet. Wenn eine Teerstraße Glück hatte, wurden Brennschalen oder zumindest Stahlplatten untergelegt. Deutlich waren jedoch auch Straßen zu erkennen, die weniger Glück hatten. Aus diesen großen Feuern wurde dann nach und nach die Glut entnommen und mit Schaufeln in große oder auch ganz kleine Grills geschaufelt. Dass auch lackiertes- oder verleimtes Sperrholz dabei zum Einsatz kam, schien dem Geschmack der gegrillten Sardinen keinen Abbruch zu tun.

Überall saßen ganze Hausgemeinschaften in den völlig verrauchten Gassen und grillten, tranken und tanzten. Teils kam eine Endzeitstimmung auf: “Morgen geht die Welt unter, lass uns nochmal richtig Gas geben.” Wäre Mad Max um die Ecke gekommen, niemand hätte sich gewundert. Um 00.00 Uhr gab es dann das übliche Feuerwerk.

Während die Feier in Porto schon recht professionell wirkte, war diese Feier, in den kleinen Gassen zumindest, familiärer und weniger durchgeplant. Wieder waren die Preise einmalig günstig: Bier 1,-, Caipi 3,- und Snacks ab 2,- EUR. Es war toll, aber wie schon gesagt, alleine war es nur halb so gut, wie es hätte sein können. Ich vermisse meine Olle!

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