Nach dem Schiffskauf begann die geplante Restaurierung.
Wir wussten, dass an dem Schiff Einiges zu tun war. Jedoch war es weit aus mehr, als wir erahnten und es wurde teurer und zeitaufwendiger, als wir es uns zu Beginn vorstellen konnten.
Fünf Jahre kämpften wir mit vielen Herausforderungen. Auf dem Konto herrschte oft Niedrigwasser, Urlaube und Wochenenden gab es nicht mehr. Trotzdem war Aufgeben nie ein Thema für uns und auch das Heruntersetzen der Qualitätsansprüche kam nicht in Frage, weil es für die große Fahrt vorbereitet werden sollte.
Klar hätten wir mit heutigem Wissensstand Einiges anders gemacht und an Ausrüstung sparen können. Aber das weiß man leider immer erst hinterher.
Hauptthema war: ROST!
Unsere Voreigner haben es mit der Pflege eines Stahlschiffes leider nicht so genau genommen. Wir kauften ein Schallgerät und schallten den Rumpf an ca. 400 Stellen. Dünne Bleche waren schnell erkannt und rausgeschnitten. Weil wir zu Beginn der Arbeiten noch nicht fit im Schweißen waren, kam ein Profi der wahre Wunder in Sachen Schweißnähte vollbrachte.
Nach einigen Schweißkursen waren wir aber so weit, dass Geräteträger, Sprayhood und viele andere Dinge in Eigenarbeit hergestellt werden konnten.
Das alte Rigg hatte starke Korrosionsschäden und ein neues Rigg von Herot wurde für über 22.000,- Euro gekauft.
Alle Borddurchlässe und Ventile wurden erneuert.
Das Schiff wurde von einer Firma gesandstrahlt und wir versahen es, nach der Reinigung mit Aceton, mit:
1 x Epoxy-Zinkstaubanstrich
3 x Epoxy-Grundierung und
3 x 2K Lackanstrich
Ein rutschfester Decksbelag wurde mit Vogelsand, eingestreut in den nassen Lack, erwirkt.
Einige Zinkanoden wurden an neuralgischen Stellen montiert.
Auch der Motor hatte ein gewisses Alter erreicht. Bukh (aus Dänemark) baut seine Diesel zwar speziell für Fischerboote und ist für Zuverlässigkeit und Langlebigkeit bekannt, jedoch wollten wir es auch hier genau wissen.
Von einem Neukauf des Motors wurde uns von einem Profi aus Kappeln abgeraten, weil neue Serien seiner Ansicht nach nicht mehr in der Qualität gebaut werden, wie die alten Motoren.
Der Motor wurde ausgebaut, nach Kappeln gefahren, in seine Einzelteile zerlegt und alles ausgetauscht was nötig erschien. Für die 8.000,- Euro, so versicherte man uns, wird er nochmal so alt, wie er zum Ausbau war. Auch der Motor des Bugstrahlruders wurde für einige Tausend Euro durch ein hochwertiges Rheinstrom-Bugstrahlruder ersetzt und lässt nun auch Rückwärtsfahrt in engen Hafengassen zu.
Kielsektionen weiter als Wassertank zu benutzen, war für uns wegen der Angst vor Rost keine Option mehr. Wir fertigten Holzmodelle an, nach denen Kunststofftanks passgenau angefertigt wurden.
Der gesamte Kiel ist mit Altmetall und Zement verfüllt, was im Bootsbau der 80er Jahre durchaus üblich war. Der Zement war jedoch porös und wieder trieb uns die Sorge vor Rost und einer Kielsanierung dazu, die Kielsektion mit 100 Liter Owatrolöl zu fluten, bis Zement und alle Hohlräume verfüllt waren. Nachdem die oberste Zementschicht ausgebessert war, wurde der Kiel mit einigen Litern Epoxy versiegelt. Kielsanierung? Nach unserem Ermessen ist das bei diesem Schiff kein Thema mehr!
Die alte hydraulische Steuerung wurde durch eine neue Vetus-Steuerung ersetzt und ein hydraulischer Autopilot in das System eingebunden.
…und und und….
Bilder (unsortiert)