Wechselbäder: Vollpfosten, Staub, undichte Ventile, Urinstein, Übelkeit und Sonnenuntergänge, Grillen am Strand und neue Freunde

Wir kamen, sahen und irrten uns!

Ach, dachten wir zwei Tage nach Ankunft in der Werft, wo unser Schiff zwei Jahre auf uns wartete… das sieht ja alles ganz gut aus! Nächste Woche können wir dann ja schon in´s Wasser!

Wenn du ein altes Schiff zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen!

Wir checkten die Batterien: Starter- und Bugstrahlruderbatterie waren hin.

Wir checkten die Ventile: Undicht!

Es roch im Motorraum nach Diesel: ein weiteres Ventil undicht.

Wir sahen uns die Toilettenschläuche an: Die waren definitiv dicht! In diesem speziellen Fall soll es aber umgekehrt sein. Urinstein war das übliche Übel (jedes Schiff hat über kurz oder lang damit zu kämpfen).

Roststellen: alles nur oberflächlich, aber trotzdem wollten sie mit 1x Zink, 2x Epoxigrundierung und 2x Lack behandelt werden. Blöde, dass man sie nicht alle zusammen gefunden hat. So konnte nicht alles in einem Abwasch gestrichen werden, sondern die Farbschichtprozedur wiederholte sich viele Male.

Hinzu kamen Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung, täglicher Werftstaub, fehlende Toilette an Bord, weil wir auf Land standen und Ausgaben, die schnell vierstellig wurden.

Wir geben dem amerikanischen Vollpfosten ganz persönlich die Schuld an unserer Kontoleerung durch den Einkauf von 500 Litern Diesel!

Wir brauchten 21 Tage à 8-10 Arbeitsstunden, um BigFoot wieder auf seinen Sollzustand zu bringen!

Wofür das alles? Wo bleibt das ganze Geld? Wir könnten jetzt auf unserer Terrasse bei Aperol Spritz sitzen. Die Sinnhaftigkeit des Segelns wollte sich uns in diesen drei Wochen nicht erschließen.

Über die Jahre kennen wir natürlich alle erforderlichen Arbeiten an Schiffen, aber wenn das damit verbundene Abenteuergefühl verlorengegangen ist, wird es nur noch nervig.

Abstriche machen ist aber auch ein NoGo. Zu viele vernachlässigte Schiffe guckten in der Werft neidisch auf BigFoot, der immer mehr erstrahlte. Wir überlegten ernsthaft, das Schiff zu verkaufen.

Meine Güte, waren wir aufgeregt, als das Schiff in´s Wasser kam. Sind die Ventile dicht? Springt der Motor an? Als würden wir zum ersten Mal eingewässert! Zwei Jahre Pause und wir sind raus!

Dann ging es los! Der Motor brummte sanft im Innern, Sonne und 23 Grad, Hatti am Steuer und wir motorten unserem Ankerplatz in der Lagune von Faro entgegen. Dort angekommen, wurden wir von drei Schlauchbooten angesteuert, die uns von befreundeten Seglern grüßen sollten und das erste Grillevent wurde abgesprochen! Wer wollte gestern noch ein Schiff verkaufen? Was´n Quatsch! Total irre!

Was für ein euphorisches, fast vergessenes Lebensgefühl! Damit wir nicht völlig ausflippten, spielte erstmal die Toilettenpumpe nicht mit, was aber am Folgetag schnell repariert war.

Nachdem die Segel aufgezogen waren, genossen wir die ersten Tage auf dem Wasser und grillten am Strand mit anderen Seglern! Insbesondere die neue Freundschaft mit der Crew der Frodo, Ines und Thomas, zeigte uns aufs Neue, was uns beim Segeln am Wichtigsten ist: Freunde finden und gemeinsame Zeit verbringen! Segeln nur, wenn es gar nicht anders geht!

WTF!!! Was sagt uns da der Wetterbericht an? In Böen 47 Knoten? Das ist Windstärke 9 bis 10! Nach unserem Sturmerlebnis im Haus mit Hurricane Kristin rutschte uns das Herz in die Hose. Das alles auch noch in der Nacht!

Mehr Ankerkette! Schwerwetterkleidung und Schwimmwesten bereitlegen! Schlauchboot sichern! Cockpit aufräumen. Zwei Ankeralarme einstellen, die Alarm geben, wenn der Anker nicht hält! Heißes Wasser für Tee aufkochen.

Es zog viel weniger Wind durch, aber Hatti saß bis 03:00 Uhr im Cockpit und zog sich Ballerfilme am Tablet rein (beim darauffolgenden Sturm in 4 Tagen saß er bis 06.00 Uhr und hielt Ankerwache) Am nächsten Morgen: „Wir verkaufen das Schiff! Ich will das nicht mehr!“

Es folgten wieder schöne gemeinsame Tage mit Ines und Thomas von der Frodo und alles war wieder im grünen Bereich. Einsame Strandspaziergänge, (erfolgloses) Angeln, Gegacker und gutes Essen. Toll!!!

Jetzt sitzen wir gerade wieder auf dem Schiff bei bis zu 36 Knoten. Der Anker hält, die Sonne scheint und wir gewöhnen uns langsam wieder an das manchmal eben doch nicht so schöne Leben an Bord.

2 Gedanken zu „Wechselbäder: Vollpfosten, Staub, undichte Ventile, Urinstein, Übelkeit und Sonnenuntergänge, Grillen am Strand und neue Freunde“

  1. Hey ihr Lieben,
    schön zu hören, dass es euch gut geht 🙂
    Ich schau echt selten, also alle paar Monate oder so, auf eure Seite. Aber ganz oft ist es so, dass ich denke ‘man könnte ja mal wieder bei den Hattis schauen’ und kaum tu ich das, ist tatsächlich was Neues da 🙂
    Keine Ahnung, anscheinend gibt es da noch eine ‘winzige unsichtbare Verbindung’, irgendwas halt. Aber bevor ich hier irgendwas esoterisches schwafel, freue ich mich einfach nur, dass es euch gut geht 🙂
    LG Berti

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