Fahrt nach Hamburg: Reinfall in Nazaré, Betreuter Stuhlgang, gesperrte Grenze, Monsanto, Badeschlappen bis Spanien und wie man zum Hulk wird

Nach zwei Wochen Arbeit am Schiff waren wir soweit, unsere Fahrt nach Hamburg anzutreten. BigFoot wurde am letzten Tag sturm- und einbruchsicher eingepackt und los ging es…

70 Kilometer bis Portimao – also keinen Meter Richtung Norden, weil wir uns noch von unserer kleinen Wintergruppe, Jens und Silke, Robert und Uli bei Kaffee und Kuchen verabschieden wollten. Um 18.00 Uhr war es dann aber Zeit, die ersten Meter Richtung Norden zu machen.

Die gesamte Fahrt dauerte acht Tage. Wir starteten in kurzen Hosen, Badeschlappen und mit sonnigem Gemüt, aber schon die erste Nacht, 100 Kilometer von der Küste entfernt, gab einen Vorgeschmack auf das, was uns an „extremer Kälte“ erwartete. Es regnete wie aus Kübeln und mit dem neuen portugiesischen Gesetz (seit Januar in Kraft), nachdem Wohnmobile in Portugal nur noch an explizit ausgewiesenen Plätzen stehen dürfen, hatten wir Probleme, unseren ersten Übernachtungsplatz zu finden. Wir landeten schließlich in einem kleinen Dorf in einer Nebenstraße. Nicht erlaubt, aber unser Auto sieht eher wie ein Handwerker-Fahrzeug aus, als wie ein Wohnmobil. Da unser Kastenwagen „Big Willy“ nicht isoliert ist, fing es schon schnell nach dem in´s Bett gehen an, von der Decke zu tropfen. Ein mäßiger Start also!

Tag 2:
Unser Ziel war die Umgebung von Peniche, wo wir uns mit jemandem trafen, der sein Haus verkaufen will. Ein Immobilienkauf in Portugal ist eine (fixe!?) Idee, die uns schon länger im Kopf herumspukt. Nach einem kurzen Besuch des Hafens von Peniche übernachteten wir auf einem WoMo-Stellplatz in der Nähe.

Tag 3:
Das Ankommen in Nazaré ist immer wieder ein bisschen wie nach Hause kommen, weil wir Nazaré und seine Wellen immer noch faszinierend finden und weil uns jedes Mal Dody erwartet, die als Einhandseglerin hier schon eine ganze Zeit an ihrem Schiff rumschraubt, um es für eine weitere große Fahrt herzurichten. Wir schlugen einen Grillabend vor – ja!!! hier gab das Wetter einen Grillabend her!!! – und schnell organisierte Dody noch ein paar andere Segler, die an dem Gelage teilnahmen. Wieder war es eine interessante internationale Runde und es wurde dem Alkohol gefrönt.
Für Hatti war es irgendwann an der Zeit, etwas Wasser abzulassen. Wie es sich für einen Segler gehört, suchte er eine Stelle am Wasser, um ein letztes Mal in den Atlantik zu pinkeln. Er fand die Sliprampe der Werft (eine langsam in´s Wasser abfallende Rampe, auf der Boote in´s oder aus dem Wasser geholt werden) und befand sie für geeignet. Es war Niedrigwasser und es ist wahrscheinlich dem Alkohol zuzusprechen, dass er die Gefahr nicht berücksichtigte, die sich mit solchen Slipanlagen bei Niedrigwasser verbindet. Bei fallendem Wasser werden die Algen auf der Betonrampe freigelegt und der Untergrund ist rutschig wie Schmierseife – riecht bewiesenermaßen aber nicht so gut!

Man kann sich wohl vorstellen was passierte? Sliiippp machte es – die Füße waren mit einem Male in der Horizontalen auf Augenhöhe – der Hintern setzte auf dem veralgten, aber doch harten Betonboden auf – der Hinterkopf folgte – und unser Hatti nahm Fahrt in Richtung Wasser auf, das noch ca. 5 Meter entfernt war – dort angekommen, bremsten Wasser und der schlammige Boden des Hafenbeckens seine Fahrt.
Ein erster Check der Systeme ergab: außer dem Stolz und einer kleinen Stelle am Fuß war nix weiter verletzt. Raus aus dem Wasser, bevor jemand das Schauspiel noch sieht! Das war aber gar nicht so einfach. Auf allen Vieren kroch er die rutschige Rampe wieder hoch, um nach erreichten zwei Metern die vorherige Taufe zu wiederholen! „Hier kommste nicht hoch! Shit, was nun? Hoffentlich beobachtet mich keiner!“ Er kroch vorsichtig zur Spundwand, die die Rampe begrenzte. Hier konnte er sich in den kleinen Unebenheiten der Wand festkrallen und gaaaanz langsam hochziehen. Er schlich an der Gruppe der Grillgesellschaft, die von alledem nichts mitbekommen hatte, vorbei zu Big Willy, um sich umzuziehen. Wieder in der Grillrunde angekommen, wunderte man sich über die neuen Klamotten und den blutenden Fuß. Er wurde desinfiziert – nur der Fuß! – und mit Rotwein versorgt. Die Welt war wieder ok! ??

Tag 4:
Der dicke Kopf bei uns beiden an diesem Morgen war nicht ohne! Trotzdem ging es wieder auf die Piste. Auf der Fahrt machte sich das Ergebnis des letzten Verdauungsvorganges bemerkbar und die Gummibärchenproduktion konnte starten – für die, die nicht wissen sollten, was gemeint ist: Stuhlgang war fällig!

Auf unseren Langfahrten mit Big Willy ist der Gang in einen Wald für uns nichts Besonderes und wir vergraben unsere Hinterlassenschaften immer mit eine Spaten. Wir sind da nicht anspruchsvoll! Mischwald wäre schön, muss aber nicht! Jedenfalls war der richtige Wald bald gefunden. Bei der kleinen Einfahrt in den Wald waren keine Fahrzeug oder Fußspuren zu sehen. Der Wald schien schon lange Zeit von niemandem mehr betreten worden zu sein und versprach ungestörten Stuhlgang. Ein schönes Plätzchen ausgesucht und ab die Post! Just in diesem Moment kamen drei Waldarbeiter aus dem Nichts!!!! Neiiiin!!!!! In Windeseile wurde alles abgebrochen, die Büx wieder hochgezogen und der Captain stiefelte mit hochrotem Kopf und Klopapierrolle an den Waldarbeitern vorbei zum Auto: „Bom Dia (guten Tag)!“ Was für ein Scheiß! Später klappte aber alles ganz gut!
Nach ein paar Stunden Fahrt war es nach dem gestrigen Tag aber nötig, sich etwas auf´s Ohr zu hauen. Wir organisierten ein halbes Hähnchen, fanden einen Stellplatz, aßen und legten uns endlich zum Schlafen hin. Zack! Wieder drei Waldarbeiter, die mit Motorsensen begannen, die Umgebung um Big Willy herum von Unkraut zu befreien.
Nicht unser Tag, aber Steffi fand einen Übernachtungsplatz, der es in sich hatte: das historische Dorf Monsanto auf einem Berg gelegen. Guckt euch die Bilder an! Genial!

Tag 5:
Die letzte Nacht in Portugal haben wir gut in Monsanto verbracht. Nun sollte es über die Grenze nach Spanien gehen. Wir näherten uns dem Grenzübergang und wunderten uns, dass uns schon seit einiger Zeit keine Autos mehr entgegen kamen. Dann sahen wir die Straßensperre! Wegen Corona war dieser Grenzübergang geschlossen! Fuck, das hätten wir wissen müssen! Wir waren diesbezüglich schlecht vorbereitet. Der nächste Grenzübergang war 250 Kilometer entfernt und kostete uns vier Stunden, weil die Wege über die kleinsten Dörfer führten. Egal, wir haben ja eh nix auf dem Zettel.

Weil es morgens zu kalt war, machten wir zunächst ein paar Meilen, um später zu frühstücken. Das Frühstück sollte am Stauwehr des Flusses Douro stattfinden. Nachdem auf dem Parkplatz der Tisch aufgebaut war und Hatti dabei war, sein erstes Nutellabrötchen „einzuatmen“ – zack, kam die Polizei um die Ecke! Ihr erinnert Euch? Campen in Portugal verboten! Der Polizeiwagen musste erst um eine Kehre fahren und wir schafften es tatsächlich in der kurzen Zeit, das ganze Frühstücksgedönse in den Wagen zu schmeißen und fluchtartig den Parkplatz zu verlassen.

Der Grenzübergang war dann easy. Lediglich die Pässe wurden kontrolliert. Kein PCR Test erforderlich. Zurück hätten wir jedoch nicht mehr fahren können, weil Portugal seine Grenzen zu Spanien zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen hielt.
Gegen Abend verproviantierten wir uns noch in Spanien, bevor wir Frankreich erreichten. Hier sah man uns das letzte Mal in Badelatschen und kurzen Hosen durch den Lidl schlurfen. Irgendwie zogen wir die Blicke der Winterjacken- Schal- und Handschuhträger auf uns. Wir fühlten uns wie Außerirdische.
Wir holten die verloren gegangene Zeit wieder auf und campierten kurz vor der französischen Grenze bei San Sebastian.

Tag 6:
Die Nacht war wieder arschkalt und wir erwachten sehr früh in unserer Tropfsteinhöhle. Wir wollten Frankreich als Hochinzidenzgebiet so schnell wie möglich, ohne Kontakt zu irgendjemandem, hinter uns bringen. Zu den 80 Litern Dieseltank führten wir noch 25 Liter Ersatzdiesel mit uns, um selbst einen Tankstopp zu verhindern.

Weil es sehr früh los ging und wir gut durchkamen, suchten wir uns einen schönen Ort für eine Pause zum dösen. Wald und See standen in der Beschreibung. Ein schönes Plätzchen! Als wir den Platz befuhren wurden wir verfolgt von ….Waldarbeitern! Echt jetzt?! Während sie alle Mülleimer leerten und den Platz aufräumten, blockierten sie eben diesen. Nach ihrer Arbeit konnten wir uns aber über frisch geputzte Toiletten freuen. Jetzt aber endlich hinlegen! „Was riecht hier eigentlich so?“ Steffi war in einen Hundehaufen getreten und hat diesen großzügig auf dem Teppich verteilt. Arrrggghhh! Eine größere Putzaktion startete. Irgendwann war alles wieder gesäubert – Hinlegen!!! …nach zwei Minuten starteten neu hinzugekommene Waldarbeiter ihre Motorsägen! So muss es sein, wenn man zu einem Hulk wird!

In der Mitte Frankreichs fanden wir einen schönen Übernachtungsplatz bevor um 19.00 Uhr die Ausgangssperre begann.

Tag 7:
Nach einer kalten Nacht entschieden wir uns, doch noch eine weitere in Frankreich zu verbringen und erst am nächsten Tag nach Deutschland einzureisen. Wir dachten, dass man uns hier die ´Durchreise´ eher abnehmen würde als beim Camping in Deutschland. Wir übernachten in einer etwas zwielichtigen Stadt nahe der Grenze zu Luxemburg an der Mosel. Hier duschten wir noch einmal, weil an der Grenze unser Körpergeruch eine etwaige Corona Infektion in den Schatten gestellt hätte.

Trick beim Duschen: Packt einen 10 Liter Wasserkanister während der Fahrt in den Fußraum und lasst ihn von der Fußheizung erwärmen. Dann mit dem Fahrzeug mit dem Heck dicht an einer Hecke parken, so dass gerade beide Hecktüren aufgehen. Fertig ist die Duschkabine und das lauwarme Wasser kann unsere Luxuskörper umschmeicheln. Hatti braucht seit einiger Zeit wieder mehr Wasser, um die hinzugekommene Oberfläche zu benetzen.

Tag 8:
Früh ging es los, weil wir noch Einiges zu erledigen hatten.
Tanken in Luxemburg, weil der Diesel hier lediglich 1,15 EUR kostete! An allen Tankstellen des Landes!
Ablieferung einer Gasflasche in der Nähe von Köln, die wir für Robert bei seiner Frau Iris ablieferten. Schön war es, sie wieder zu sehen.
Abholung von drei Teppichen bei Steffi´s Cousine Ute in Remscheid, die für Steffi´s Mama Rosi gedacht sind.
Puh! Dann endlich ein Wiedersehen mit Udo und Inga, Hatti´s Eltern! Die Beiden haben eine Tannenbaumschonung in Hollenstedt, wo sie regelmäßig in ihrem Wohnwagen übernachten und wo auch wir campierten. Camper-Familie halt! ??
Der erste Abend in Deutschland endete mit einem Spargelessen, untermalt mit reichlich Aperol-Spritz.
Am nächsten Tag warteten dann auch schon Steffi´s Mama Rosi und Freund Helmuth auf uns.
Davon später mehr…

3 Gedanken zu „Fahrt nach Hamburg: Reinfall in Nazaré, Betreuter Stuhlgang, gesperrte Grenze, Monsanto, Badeschlappen bis Spanien und wie man zum Hulk wird“

  1. Liebe Hattis, wie schön, dass Ihr wieder in der “alten Heimat” angekommen seid. Ich hoffe, Ihr habt zwischenzeitlich das “Waldarbeiter”trauma überwunden! 🙂 Ihr habt soviel Aufregendes, Schönes erlebt, aber auch Zeiten, wo nicht alles ganz rosig war. Bleibt ja nicht aus. Dennoch bewundere ich Euren Mut und vor allem den Humor! Ihr seid echt gut drauf und es macht großen Spaß, die Bigfoot-Stories zu lesen. Und dann die tollen Fotos! Als ob man dabei wäre. Es macht mir große Freude.
    Liebe Steffi, lieber Jörg, bleibt vor allem schön gesund!
    Viele liebe Grüße sendet Euch Sabine 🙂

  2. Moin ihr Lieben und willkommen zurück in Deutschland 🙂

    Im Grunde ist der Zeitpunkt jetzt doch nicht sooo schlecht, in Schleswig-Holstein öffnet gerade vieles wieder und der Sommer könnte vielleicht relativ entspannt werden.

    Wollt ihr denn dies Jahr noch wieder los oder bleibt ihr länger in Deutschland ?

    Als alter ‘Bedenkenträger’ und ‘Schwarzmaler’ (ich denk aber auch immer, wenn man mit dem worst case rechnet, kommt es meistens besser) gehe ich davon aus, dass es im Herbst überall wieder ernst werden könnte.

    Der Impfschutz wird langsam nachlassen und die indische Variante wird sich verbreiten bei gleichzeitig schlechterem Wetter/mehr Aufenthalt in Innenräumen.

    Achja, die ‘Waldarbeiter-Saison’ geht glaube ich auch so ab Oktober los 😉

    Also würd ich sagen rechtzeitig zurück in den Süden, am Ende gewöhnt ihr euch auch noch an deutsche sanitäre Verhältnisse und seid nicht mehr reisetauglich oder so 😉

    Ich wünsch euch ne gute Zeit in Deutschland mit euren Familien und Freunden und bleibt wie ihr seid 🙂

    Sollte es euch im Sommer mal nach HL verschlagen, sacht gerne Bescheid.

    LG Berti

  3. Ein fröhliches Hallo nach Norddeutschland,
    wir wollten mal nachfragen, wie weit Ihr seid mit Euren Portugal – Plänen?
    Herzliche Grüße aus Barreiro,
    Silke und Harry
    PS Wir haben keine deutschen Telefonnummern mehr. Kontakt gerne per Email. Dort gibt es mehr Info 🇵🇹

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