Fastenzeit: Starthilfe, Magengrummeln und Gummibärchen

Bevor Ihr weiterlest, möchten wir Euch vorwarnen: Es wird definitiv ekelig!
Um den folgenden Text etwas angenehmer zu gestalten, stellen wir folgende Gleichung in den Raum:

Scheiße = Gummibärchen
(mathematisch höchst umstritten / für Verschwörungstheoretiker muss man deutlicher sagen: „Fake!“ …auch wenn´s im Internet steht!)

Die Coronawampe will einfach nicht verschwinden. Wir joggen, gehen spazieren und sind echt aktiv! Nix tut sich. Liegt es an Bier, Chips und Co.? Wir glauben es nicht! 🙂
Hatti ist nicht gerade bekannt dafür, mit einem Mittelmaß zu leben. Ganz oder gar nicht ist die Devise. Deshalb hieß es bei uns für sechs Tage mal wieder „…gar nicht!“ Wir fasten!

Der passende Ankerplatz war schnell gefunden und wie bei all unseren Fastenzeiten ging es auch jetzt wieder mit einer Darmentleerung los. Glaubersalz ist das Mittel der Wahl.
Nach einem halben Liter besagter Lösung schlug es bei Hatti zuerst an und er hastete zum Sch… ähh zur Gummibärchenproduktion Richtung Toilette. Schon nach kurzer Zeit wurde die Sitzung jedoch unterbrochen, als eine Seglerin neben unserem Schiff hielt und mit Steffi sprach: „Das spanische Schiff im Ankerfeld, mit zwei jungen Russen an Bord, bekommt wegen Batterieproblemen den Motor nicht gestartet. Könnt Ihr helfen?“

Hatti, auf Klo sitzend: “Grmpf!“ Ok, dachte er: Wir haben ja unser Superduper Starthilfe Dingsda! Die Gummibärchenproduktion konnte für einen kurzen Moment unterbrochen werden und wir kramten das Dingsda raus, um es ihr mitzugeben. Leider scheiterte der Versuch, ihr das Teil zu erklären, zumal sie das den beiden Russen dann ja noch auf Englisch weitergeben musste.
„Kannst Du das nicht machen?“ Mit der Glaubersalzlösung intus gehen einem schon ein paar Gedanken durch den Kopf! Einerseits schlägt man ein Hilfegesuch unter Seglern NIE aus, andererseits ist eine Gummibärchenproduktion außerhalb der Kloschüssel auch nicht zielführend.
Ohne den Grund zu nennen, kündigten wir uns 30 Minuten später an und bekamen den Motor, Gott sei Dank, schnell zum Laufen. Zur Belohnung gab’s eine gefüllte Tüte mit Äpfeln und einem Kürbis.

Wir fasteten so vor uns hin und es kam die Zeit, wo unsere 400 Liter Trinkwasser zur Neige gingen. Früh morgens ging es nach fast fünf Wochen vor Anker zum ersten mal wieder in einen Hafen. Mit nur 18,- EUR pro Nacht ist es zu dieser Jahreszeit ziemlich günstig (vor Anfang Oktober lag der Preis noch bei 42,- EUR pro Nacht).

Endlich konnte das salzige Deck gespült und die Tanks aufgefüllt werden. Außerdem erwartete uns die erste heiße Dusche seit Wochen.

Auch unser Gummibärchentank musste dringend gespült werden! Macht man sowas im Hafen? Da stehen sich zwei Seiten unversöhnlich gegenüber! Wir sind auf der Seite derer, die den Hafenfischen etwas organisch Gutes servieren.
Unser System funktioniert so, dass man jedes Gummibärchen zunächst in einen Tank pumpt, der bei Bedarf durch ein Ventil abschließbar ist. Erst dann geht es durch einen dicken Schlauch durch einen Borddurchlass, unterhalb der Wasserlinie, außenbords. Installiert haben wir das System vor 12 Jahren.

In letzter Zeit wurde es immer schwieriger abzupumpen und Hatti musste häufiger in´s Wasser um, mit Pümpel bewaffnet, zum Borddurchlass zu tauchen und den ganzen Kram wieder frei zu bekommen. Was sich da so unter Wasser tut, wenn 50 Liter Gummibärchen sich schlagartig entleeren, ist kaum zu beschreiben.

Jetzt, im Hafen, ging jedoch nichts mehr. Spülversuche ließen die Kloschüssel auf umgekehrtem Wege voll laufen… mit Gummibärchen abgelaufenen Datums! Auch durch die Tankentlüftung wollten sie raus! Grund: Das gesamte Schlauchsystem hat sich über die Jahre mit Urinstein und Gummibärchen dichtgesetzt.

Es half nix: Das Toilettensystem musste ausgebaut werden. Leider liegen Teile des Systems unterhalb der Wasserlinie, was die Arbeit nicht erleichterte, weil Schläuche erst leer gepumpt werden mussten, bevor man sie demontieren konnte.

Der besagte Tank ist unterhalb der Schränke fest an der Bordwand eingeschäumt, hat aber eine kleine Inspektionsluke, durch die man sich einen Überblick verschaffen kann, indem man seinen Kopf tief im Schrank versenkt.

Ein erster Blick durch die Inspektionsluke war wir ein Blick in die Gummibärchenhölle!!! Hier war mit einer Bürste nichts auszurichten. Der Tankauslass war nicht einmal mehr einen Zentimeter groß. Da kam kein Gummibächen im Ganzen mehr durch und sie sammelten sich am Tankboden (Versammlungsverbot und Abstandsgebot zählen in diesen Kreisen nicht).

Fuck! Gummihandschuhe an und los ging´s: Zwei Plastikschüsseln voll mit Gummibärchen der ekeligsten Art mussten raugekramt werden, wobei Hatti sich bis zur Schulter durch Schrank und Inspektionsluke zwängte, um wirklich alle zu erwischen. Klar ist, dass sowas nicht unter Reinraumbedingungen stattfindet. Gummibärchen überall und Handschuhe viel zu kurz! Erst spät entdeckten wir die Zahnbürsten, die diesem Happening in unmittelbarer Nähe beiwohnten.

Es war sooo gummibärchen!!!! Irgendwann war der Tank aber leer und wir machten uns mit Spachtel und Schraubenzieher daran, die Verkalkungen zu lösen. Als das geschafft war, demontierten wir die Schläuche. Auch hier kam kein Gummibärchen mehr im Ganzen durch.

Nachdem alles wieder frei gemacht wurde, konnten wir das System wieder zusammenbauen. Nach Öffnung des Seeventils stellten wir jedoch fest, dass ein Schlauch leckte. Auch mit mehreren Schellen war der Schlauch nicht dicht zu bekommen. Die verkackte (Sorry!) Lage der Stelle machte es erforderlich, dass das gesamte System ein zweites Mal demontiert werden musste. Nach neun Stunden Arbeit waren wir endlich fertig! Die Dusche war herrlich! Dumm nur, dass wir wegen des Fastens unsere Erlebnisse nicht in Alkohol ertränken konnten.

Besonderer Dank gilt unserer Plastikschüssel, die Dinge gesehen hat, die nie zuvor ein Mensch (oder eine Schüssel) gesehen hat und deren Verwendung als Salatschüssel nun ein Ende gefunden hat.

Die anschließenden Fasten-Tage verliefen glücklicherweise ereignislos und langweilig! Kleinere Basteleien waren schnell erledigt.

Lust auf Gummibärchen bekommen?:-)))))

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