Aufbruch in’s Ungewisse 

Tag 1:

Es ist soweit! Wir satteln die Hühner. Eigentlich wollten wir etwas später im August zurück zu unserem Schiff. Jedoch steigen die Zahlen der Neuinfizierten in Spanien von Tag zu Tag und damit die Sorge, dass Portugal die Grenzen zu Spanien schließt. Die Aussicht, einen deutschen Winter im Wohnwagen zu verbringen, machte Mut zum Aufbruch, egal was uns an Coronaüberraschungen in Portugal im Laufe des Jahres erwartet.

Also, los geht’s.

Die Verabschiedungen waren mal wieder nicht schön. Wir haben uns zu lange in D aufgehalten.

Jedoch kam uns dabei eine Geschäftsidee: Leute, wenn Ihr keinen Bock auf traurige Abschiede habt… wir übernehmen das für Euch! Wir sind geübt, vertragen erwiesenermaßen einige der “letzten Schnäpse” und können futtern bis zum umfallen.

Mit 3 Verabschiedungen im Jahr, kämen wir über die Runden!

Vielen Dank für all die Futterkisten, T- Shirts, Grill- und Weinabende, all die guten Wünsche, die uns begleiten und Angebote für das kommende Jahr. Herzlichen Dank auch nochmal an Sandra und Harald für alles!

Bei Aachen überquerten wir unsere erste Grenze, tankten dort nochmal (die 80 Liter sollten bis Spanien reichen), fuhren durch Belgien und erreichten in Frankreich, kurz hinter der Grenze, unseren ersten Übernachtungsplatz an einem Stausee.

Beim Kauf von Big Willy sollte die Klimaanlage noch repariert werden. Gutgläubig probierten wir diese nicht aus und wurden bei 38 Grad im Auto dafür dann auch bestraft.

Ein Übernachtungsplatz, der kein Wasser in der Nähe hatte, kam nicht in Frage. Wir hätten uns auch in’s Kühlwasserbecken von Uran-angereicherten Brennstoffstäben gestürzt, um den Siff der Fahrt loszuwerden.

Der Stausee war an diesem Abend die für uns genialste Erfindung der Menschheit! Plansch, Plansch!

(Es ist reiner Zufall, dass Frankreich seine gemessenen Trinkwasserreserven zeitgleich nach oben korrigierte, als Hatti sein Bad im Stausee nahm!!!)

Tag 2:

Nach den heißen Erfahrungen des gestrigen Tages war der Plan:

Sehr früh aufstehen, Meilen machen, gegen Mittag ein schattiges Plätzchen suchen und am Abend wieder Meilen machen.

Hatti wurde um 05.30 Uhr wach, weckte Steffi zärtlich mit einem Kuss und ging zum pinkeln in die Büsche. Steffi folgte schlaftrunken. Bis hierhin hielt der Plan der Realität stand.

Als Steffi jedoch sah, wie ihr Gemahl im Dunkeln den Frühstückstisch deckte, entfuhr ihr ein: DAS IST JETZT NICHT DEIN ERNST!!!???

Der Klang ihrer Stimme, der diesmal nicht dem Gesang von Engeln glich, ließ keinen Widerspruch zu. Wortlos räumte Hatti wieder alles ein. Steffi, nunmehr doch etwas zum Denken fähig, überlegte sich aber “wenn wir jetzt nix essen, sondern noch schlafen und später fahren, gibt’s Frühstück erst zu Mittag…”

Eine Einschätzung des Grades ihres daraus resultierenden Missfallens beider Alternativen, ergab die Frage: ” oder wollen wir doch jetzt frühstücken?” Geübt kramte Hatti wieder alles raus und wir frühstückten bei Sonnenaufgang am See.

Wie geplant machten wir gegen Mittag bei 38 Grad für 6 Stunden an einem Kanal Rast.

Die Hitze war auch im Schatten von Bäumen unerträglich. Im Kanal baden ging nicht, weil die hohen Kanalwände keine Leitern hatten. Einen Eimer am Band zu Wasser lassen, das ging aber! So duschten wir mehrmals mit Kanalwasser fraglicher Qualität.

Bei Aufbruch gegen Abend war es noch immer so heiß, dass wir sogar noch einen Eimer Kanalwasser, immer noch fraglicher Qualität, mitnahmen, um später zu duschen.

Wir entschieden uns für einen etwas belebteren Übernachtungsplatz, weil Frankreich für seine Überfälle auf Wohnmobilisten einen etwas unrühmlichen Ruf hat. Aus diesem Grund ging es tatsächlich vorher noch auf eine Kuhweide zum duschen, mit Kanalwasser…ihr wisst schon, und zum k…

Camping at its best.

Tag 3:

06.00 Uhr: Frühstücken im Dunkeln! Diesmal ohne Gemoser!

Spaniens Grenze war gegen Mittag erreicht. Keine Grenzkontrollen mit Fieberthermometer, wie wir erwartet haben. Im Supermarkt in San Sebastian trugen ausnahmslos alle Masken, an einer Tankstelle nur mit Kartenterminal gab’s Maskenpflicht und Leute, die spazieren gingen oder ihre Hunde ausführten, trugen eine Maske. Keine Ahnung, wie es in Spanien sonst aussieht, aber das was wir mitbekamen, waren äußerst disziplinierte Spanier.

Wir erinnerten uns an einen Pausenplatz des letzten Jahres an einer Flussbrücke, den wir zum Übernachtungsplatz erkoren. Es war ein Platz der Kategorie “wir glauben an das Gute im Menschen!”Am Ende eines Feldweges gelegen, war man ziemlich ab vom Schuss, hatte aber seine Ruhe!

Erstmals seit langer Zeit setzte sowas wie Entspannung bei uns ein. Komisch…als hätte bei uns beiden jemand zeitgleich den Schalter umgelegt, atmeten wir tief durch und genossen das ungewöhnliche Gefühl!

Tag 4:

Der gestrige Abend war etwas weinseelig. So weinseelig, dass wir vergaßen, die Zündung von Big Willy aus zu machen. Da standen wir also am Ende unseres Feldweges und der Motor sprang nicht an! Yippieeehh, wir haben uns vor Abfahrt, in dunkler Vorahnung, ein super duper Lithium Ionen Akku Starthilfedingsda der Marke Teuer zugelegt!!! Schwupps, schnurrte der Dieselmotor wieder. Nach dem Stausee die zweitbeste Erfindung der Menschheit.

Portugals Grenze wurde an einem Winzlingsgrenzübergang überfahren, der nur durch das Schild “Portugal” zu erkennen war.

Auf dem Weg durch ein Gebirge zu unserem Übernachtungsplatz wäre die Reise beinahe zu Ende gewesen…und wohl nicht nur die Reise.

In einer Talsohle schoss uns in der Kurve ein Tanklastzug entgegen, der das Gefälle unterschätzt hatte und sich die Hälfte unserer Fahrbahn nahm, um nicht zu kippen. Wir, auch nicht langsam, schlitterten mit Big Willy in der Kurve auf dem Schotterstreifen entlang. Mann, uns schlotterten die Knie.

Noch völlig benommen, kurvten wir über eine Schotterpiste zum Übernachtungsplatz. In der Beschreibung des Platzes stand jedoch nix von dem notwendigen 4-Radantrieb. Big Willy erbrachte Höchstleistungen, bis auf dem Schotter die Räder durchdrehten, links neben uns der steile Abhang. An Umdrehen war auf dieser engen Straße nicht zu denken, bis endlich ein Abzweiger kam, wo das Wenden möglich war. Die Straße war nix für uns!

Belohnt wurden wir am Nachmittag aber mit dem bisher besten Übernachtungsplatz an einem See.

Tag 5:

Nazaré wir kommen! In Nazaré wartet Dody auf uns, die wir letztes Jahr kennengelernt haben und schon auf unserer Rückreise im November nochmals besuchten.

Endlich wieder Hafenfeeling: Gehämmer, Geschleife, es roch nach Farben und überall lag Hafengedönse herum. Hatti konnte sein Glück kaum fassen, als er einem Schiff beim Anlegen helfen durfte, welches mit seiner deutschen Crew kurze Zeit später aus dem Wasser gekrant wurde. “Kuddel Wichtig” wieder in Aktion

Nach einem Willkommens-Schluck mit Dody und der deutschen gekranten Crew ging’s mit Dody in’s Restaurant zum Essen. Hier zeigte sich, dass Dody bereits voll in Portugal angekommen ist. Sie spricht mittlerweile fließend Portugiesisch, was sie sich nur durch Zuhören und Losplappern beigebracht hat und kennt in Nazaré so ziemlich jeden.

Coronatechnisch nimmt man es in den Restaurants ziemlich genau. Die zugewiesenen Tische wurden regelmäßig desinfiziert und lange standen die Türen zum Lüften offen. Leider wurden die Abstände im Laufe des Abends aber nicht mehr so peinlich genau eingehalten. Jeder Stuhl war besetzt und der Raum gerammelt voll. Aber wer kann es den ohnehin nicht mit Reichtum gesegneten Portugiesen verdenken, aus dem letzten Rest der Saison noch etwas mitzunehmen…?!

Tag 6, 7 und 8

Wir verdödelten noch einen Tag mit Dody in Nazaré und fanden uns abends in einer netten Grillgemeinschaft direkt unter Dody’s Schiff wieder.

Naturgemäß haben wir es nach einem Grillabend am nächsten Tag nicht besonders eilig, aufzustehen. Erst spät, sehr spät kamen wir los und auch die Lust Strecke zu machen, hielt sich in Grenzen. Deshalb entschlossen wir uns, noch eine Übernachtung auf einem Berg neben einer Kapelle einzulegen.

Wieder ein Platz der Kategorie “Wir glauben an das Gute im Menschen”. Unseren Glauben mussten wir dann in der Nacht auf ca. 15 junge Portugiesen ausdehnen, die sich unseren Berg zu ihrer Partylocation auserkoren hatten.Blödes Gefühl, aber letztlich hat sich keiner für uns interessiert. Oder sehen wir mittlerweile so abgerissen aus, dass man uns eher beschenken als ausrauben möchte?

BigFoot erwartete uns gegen Mittag des Folgetages und hat sich mit einem Makeup von 1 Tonne Staub extra für uns herausgeputzt:

“Seht her, Ihr Spackos! So sieht man aus, wenn man 9 Monate alleine gelassen wird…was rede ich…im Stich gelassen wird!!! Jawoll!! Nicht mal unterhalten konnte ich mich mit den anderen Schiffen, weil ich kein “BOOTUGIESISCH kann (der war nicht schlecht oder!?)”

Zärtlich streichelten wir den Rumpf und waren schnell wieder versöhnt!

Schön wieder am Schiff zu sein!

Ein Gedanke zu „Aufbruch in’s Ungewisse “

  1. Moin ihr Lieben,

    seid mir bloß vorsichtig bzgl. Corona, das ist echt kein Spaß. Alle Menschen nehmen das immer weniger ernst und die Infektionszahlen gehen steil nach oben.

    Alle Gute ertstmal und ‘munter bleiben’,

    LG Berti

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