Wohnwagenexil 7. und 8. Woche: Zwei Abschiede und zweimal Lebensgefahr

Sorry! Wir waren etwas schreibfaul und haben lange nix von uns hören lassen. Hier kommt, mit etwas Verspätung, ein Update:

Ein Abschied stand mal wieder in´s Haus: Unsere Nachbarn Petra und Horst fuhren mit ihrem Wohnmobil vom Hof, um in ihr neues Zuhause in Drage einzuziehen. Schade, wir haben die nette Gesellschaft sehr genossen. Wie immer sagten wir beim Abschied aber nur „bis bald!“ – vielleicht werden wir sie ja demnächst mal in ihrem neuen Mobilheim besuchen.

In Ermangelung der nun fehlenden täglichen Klön-Runde riefen wir mal spontan unsere Segler-Freunde von der Röde Orm an, die auch gerade im Norden gestrandet sind und ihr Schiff auf den Kanarischen Inseln zurück lassen mussten. Während die beiden erzählten, wie es ihnen so geht, dachte Steffi die ganze Zeit nur: „ja, genau… ja, genau… ja, genau!“. Da ist jemand am anderen Ende der Leitung, der sich gerade genauso fühlt, wie wir. Auch sie sind wunderbar untergebracht und haben nichts auszustehen. Und doch werden sie langsam ungeduldig. Jeder Tag ist wie der andere, die Wochen ziehen so dahin und man wartet nur auf eine Veränderung der Situation. Darauf, wieder los zu können, ein Ziel zu haben und aktiv zu werden.

Wir vertreiben uns ja immerhin mit Gartenarbeit die Zeit, aber auch das hilft nur bedingt gegen die Sucht nach Boot und Meer. Und Steffi ist nach wie vor rückentechnisch eingeschränkt, was der Gatte irgendwie nicht so recht wahr haben will. Als Steffi sich z. B. weigerte, die 12 kg schwere Gasbuddel von A nach B zu tragen, schaute sie in ein völlig verständnisloses Gesicht. „Die ist doch nicht schwer!“ musste sie sich sagen lassen und sie erinnerte erneut daran, dass der Arzt verordnet hatte, nicht mehr als 3 kg zu tragen! Vielleicht wäre die Akzeptanz größer, wenn sie den ganzen Tag rumjammern würde, entsprechend der Männer-Logik: kleine Beschwerden, großes Gejammer – kein Gejammer, keine Beschwerden! Ein MRT hat immerhin ergeben, dass es KEIN Bandscheibenvorfall ist und durch die Physiotherapie ist eine langsame Besserung erkennbar.

Beinahe hätten sich die Rückenschmerzen und auch sonst alles andere von selbst erledigt. Als wir nämlich eines Abends ein paar Bratwürste in der Pfanne bruzzelten, breitete sich im Wohnwagen ein schöner Bratfett-Mief aus. Naja, einmal kurz durchlüften, dann geht es wieder… oder auch nicht?! Der Mief hielt sich hartnäckig und immer dann, wenn man von Sofa aufstand, bekam man eine besonders intensive Brise in die Nase. Komisch irgendwie. Aber wat soll´s, da haben wir wohl besonders miefiges Bratfett erwischt. Vier Stunden später gingen wir im immer noch miefigen Wohnwagen in´s Bett. Jörg schnarchte schon fast und murmelte plötzlich im Halbschlaf: „kann es sein, dass der Herd vielleicht noch an ist?“ …………….. Ach du Scheiße!!!!! Wir haben tatsächlich vergessen, den Gasherd auszustellen und die ganze Zeit wurde das Öl in der Pfanne auf kleiner Flamme eingekocht! Puh, das hätte auch schief gehen können… Schwein gehabt!!

Aber: nach der Lebensgefahr ist vor der Lebensgefahr! Der Rauchvergiftung gerade entkommen, wurden wir von aggressiven Killer-Bienen angegriffen! Wir saßen bei einer Bekannten im Garten bei Kaffee und Kuchen, als plötzlich aus dem Nichts zwei völlig wilde Bienen auf uns zugeschossen kamen und uns immer wieder am Kopf und im Gesicht attackierten. Eine landete bei Steffi auf dem Kopf und krümmte schon den Hinterleib, um ihr den Stachel in die Kopfhaut zu stechen. Hatti konnte das Biest gerade noch wegscheuchen. Dafür wurde aber nun er verfolgt und – zack – auch erfolgreich getroffen. Die Biene spritzte ihr Gift knapp unter Hatti´s linkes Auge. Zum Glück hatten wir gleich eine Zwiebel zur Hand, die in solchen Fällen ja wahre Wunder wirkt und verhinderte, dass Hatti innerhalb weniger Minuten aussah wie Karl Dall.

Richtig gruselig wurde es dann aber am nächsten Tag, als wir wieder dort waren. Steffi hörte plötzlich ein bedrohliches Summen. Wo kam es her? Ein riesiger, wild gewordener Bienenschwarm schwebte über dem Nachbargrundstück! Wir flüchteten schnell in´s Haus, bis sie sich wieder verzogen hatten. Wenn die uns am Vortag alle angegriffen hätten, dann hätten wir wohl schlechte Karten gehabt.

War das vielleicht Willy´s Rache?! „Willy the Bee“, unser knuffiger, gelber Kangoo? Warum sollte der böse auf uns sein?
Tja, weil…. Also, ihr müsst jetzt ganz stark sein! Weil wir uns von Willy getrennt haben! Buhuuuhuuhuuhhh! Wir haben das selbst auch noch nicht so richtig verarbeitet. Aber das kommt wohl dabei heraus, wenn Männer nicht ausgelastet sind und Frauen Rückenschmerzen haben. Irgendwie kam Hatti auf die Idee, nach größeren Autos zu gucken. Für mehr Stauraum und mehr Fahrgefühl und so. Dabei stieß er auf einen Renault Trafic, ein Kastenwagen. Er zeigte ihn Steffi, die den Fehler machte, ihn nicht sofort kategorisch abzulehnen. Damit war das Ganze besiegelt! Kurz nochmal alle Vorteile aufgelistet wie neueres Baujahr, sparsamer Diesel, Anhängerkupplung, Tempomat, mehr Stauraum und…tattaaaa…. Platz für eine richtige, rückenfreundliche Matratze!! Es gab kein Halten mehr. Wir ließen schweren Herzens unseren geliebten Willy beim Autohändler und fuhren mit dem Neuen vom Hof.

Ein neuer Name war schnell gefunden: „Big Willy“ fährt sich super und wir haben uns schon ganz gut angefreundet. Bestimmt werden wir mit ihm auch tolle Abenteuer erleben!

Überlebte Corona Wochen: 8
Nicht Überlebte Corona Wochen: 0,5
Fälle häuslicher Gewalt: 0

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