Aveiro, Figueira da Foz, Nazaré: BigFoot wird zum Rettungskreuzer, Waschmaschine Riesenwellen und Unterhosen.

Unser Besuch ist weg und wir sind mal wieder auf uns alleine gestellt. Da der nächste Besuch schon bevor steht, gilt es uns wieder in Bewegung Richtung Lissabon zu setzen. Zunächst gingen wir in Aveiro an der Flussmündung vor Anker. Draussen pustete es ein büschn zu dolle für uns und wir warteten noch ein paar Tage um nach Figueira zu fahren.

Auch Harry war mit Hund und seinem Schiff Orion auf dem Weg in diese Ankerbucht. Leider waren seine Karten für diesen Bereich etwas ungenau und wir lotsten ihn mit Hilfe von AIS, Funk, Google Maps, WhatsApp in Richtung Einfahrt, wo wir ihn dann mit unserem Schlauchboot auf dem letzten Stück empfingen. Er bekam unser Schlauchboot, um den Hund an Land zu „entwässern“ und wir fielen ins Bett.

An einem Nachmittag dieser Tage guckten wir nach einem „verdienten Mittagsschlaf“ nicht schlecht, als unweit von unserem Ankerplatz ein irisches Schiff auf Grund gelaufen ist. Blöde, dass noch lange kein Niedrigwasser war und das Schiff erst einmal nicht mehr frei kommen konnte. Jonathan, der irische Skipper, brachte in einer ersten Reaktion seine Stützen aus, mit denen er in Irland trockenfallen kann. Diese Stützen verhindern beim Trockenfallen, dass das Schiff auf die Seite fällt. Es bleibt bei Niedrigwasser aufrecht stehen. Nicht so hier: sein Schiff stand quer zum Wind, die Stütze versank im Modder und das Schiff kippte immer mehr auf die Seite. Im Prinzip nicht wirklich schlimm, wäre da nicht die Stütze, die nicht mehr wegzubekommen war und nun stark in den Kunststoffrumpf des Schiffes drückte, umso weiter es auf die Seite fiel. Hatti fuhr mit dem Schlauchboot zu ihm rüber und bot seine Hilfe an. Mit dem Schlauchboot brachte er einen Anker zur Seite aus, um beim Dichtholen der Ankerleine etwas Druck vom Rumpf zu nehmen. Dieser reichte leider bei weitem nicht. Zurück auf BigFoot kramte Hatti unseren schweren zweiten Anker raus und montierte 20 Meter Ankerkette. Schwer beladen brachte er mit dem Schlauchboot auch diesen zur Seite aus. Der 25 kg Anker und die 20 Meter Kette hielten bei nur 50 cm Wassertiefe bombenfest im Sand. An die Ankerkette wurde das Großfall (Tau mit dem man das Großsegel am Mast hochzieht) befestigt. Über die Zugrichtung aus dem Masttop hatte man die größte Hebelwirkung, um den Rumpf mit der eindrückenden Stütze zu entlasten.
Alles ging gut! Der Rumpf ist nicht gebrochen und Jonathan kam nachts um 04.00 Uhr bei Hochwasser frei. Am Folgeabend wurde das natürlich mit einer Flasche Wein bei ihm auf der „Calimbo“ begossen.

Der Wind ließ nach und wir motorten morgens bei Windstille mit einem 4 Knoten (ca. 8km/Std.) starken Strom aus dem Fluss hinaus. Toll, dachten wir: die ersten Meilen sind bei 9 Knoten Gesamtgeschwindigkeit schnell abgerissen. Nur eins hatten wir nicht auf der Pfanne: Draußen stand noch 1.5 Meter Welle, die gegen den auslaufenden Strom anstand. Die Ausfahrt wurde somit zur Waschmaschine mit ausgeprägtem Hang zum Schleudern. Die Wellen bauten sich extrem auf 2-3 Meter auf, brachen allerorten und waren so kurz und steil, dass alles im Schiff durch die Gegend flog, Schränke, die noch nie aufgegangen sind, öffneten sich und spuckten ihren Inhalt aus. Die Flussströmung hatte fast 6 Meilen Einfluss auf die Seegangsverhältnisse. Wir fuhren im Zick Zack, um den schwersten Brechern auszuweichen. Delphine, die uns begleiteten blieben völlig unbeachtet. Steffi: „Euch können wir jetzt gerade gar nicht gebrauchen – kommt später wieder!“ Schwupps, weg waren sie!
Muss man nicht haben – war aber auch unser Fehler, weil wir, im Nachhinein, damit hätten rechnen müssen!

Belohnt wurden wir dann aber an der Einfahrt von Figueira da Foz mit einer extrem ruhigen See, obwohl auch diese Hafeneinfahrt berüchtigt ist. Uns war in Figueira nur noch nach: „miteinemhalbenHähnchenundPommesuntereinemBaumsitzen“

Die Grundregel lautet bei den hiesigen Fluss- und Lagunenhäfen: Ein- und Auslaufen möglichst bei auflaufendem Wasser.

Figueira selbst war recht touristisch aber nicht verkehrt und wir blieben 2 Tage.

Auf nach Nazaré! Wusstet ihr, dass am kleinen Kap von Nazaré die größten Wellen der Welt entstehen? Bis zu 30 Meter sollen die Dinger hoch werden! Grund dafür ist ein Unterwassercanyon, der 230 Kilometer lang und bis zu fünf Kilometer tief ist. Was hier anrollt und sich direkt vor der Küste auftürmt, sind wahre Biester! Siehe hier!

Die 36 Meilen waren bei wenig Welle recht angenehm. Die ersten 5 Meilen konnten wir sogar noch segeln, bis der Wind einschlief.
In Nazaré wartete schon eine kleine Segelgemeinschaft, die sich seit Povoa de Varzim gebildet hat: Die Serenity, die Babar und die Atari. Frederik und Rachelle wollten leider schon am nächsten Morgen weiter, weshalb sich alle auf der Babar einfanden, um anzustoßen. Wir hatten also kaum die Leinen fest, schon saßen wir mit Gin Tonic auf der Babar. Sailor´s Life! Aus mir nicht einleuchtenden Gründen, gibt’s von Steffi die Anweisung, sich über den Abend auszuschweigen! Nur so viel: Luschtig war´s! Hicks 🙂

Leicht benebelt fuhren wir am nächsten Morgen mit der Bergbahn auf den Felsen von Nazaré. Unglaublich sind die Wellenbilder, die dort ausgestellt sind! Als wir zurück am Schiff waren gab’s einen Schreck: In unserer Abwesenheit fuhr uns ein Engländer beim Anlegen ins Heck. Dabei wurde eine unserer Solarpaneele aus dem Rahmen gerissen und eine Angelrolle ging zu Bruch. War alles aber halb so wild und mit dem netten Paar einigten wir uns schnell über die Schadensabwicklung.

Grillen! Endlich wieder Grillen! Hatti war völlig untergrillt. Wir trafen uns mit den Crews der anderen Schiffe. Zufällig legten direkt neben uns noch Ute und Hartmut an, die wir 2017 auf Guernsey kennengelernt haben. Sie kamen bis zu den Kanaren, hatten ziemliche Motorprobleme und waren nun auf dem Rückweg in den Norden. Auch sie waren dabei! Eine tolle Gemeinschaft, die ähnlich vorsichtig wie wir unterwegs sind.

Auch Harry sollte abends noch mit seiner Orion anlegen. Wir erfuhren leider, dass er auf dem Weg einen kapitalen Motorschaden hatte und nun bei sehr wenig Wind weit vor Nazaré an der blöden Küste rumdümpelte. Er war zu weit weg, um ihm noch im Hellen Abschlepphilfe geben zu können. Mit diesem blöden Gefühl im Hinterkopf wurde es trotzdem noch ein toller Grillabend.

Mit Harry vereinbarten wir, dass er Hatti am Morgen anruft, wenn er die Hafeneinfahrt erreicht hat. Hatti ging um 03.00 Uhr ins Bett und um 05.30 Uhr kam der Anruf! Glücklicherweise haben sich Katharina und Markus von der Atari bereit erklärt, uns beim Abschleppen zu helfen.

Um 05.45 lief das Havariekommando mit der BigFoot im Dunkeln aus dem Hafen aus. Sofort erfasste uns ein blöder Schwell, aber Harry´s Lichter und auch sein AIS Signal waren zu erkennen. Mit der Besatzung verlief das Abschleppen großartig und schon beim Einschleppen wurde es allmählich hell! Harry und Hund machten drei Kreuze, endlich im Hafen zu sein! Aufregender Morgen!

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Motor nicht mehr reparierbar ist und ein neuer organisiert werden muss. Auch das ist leider „Sailors life“!

Toi Toi Toi! BigFoot´s Systeme laufen bis jetzt alle problemlos! Trotzdem wechselten wir alle Dieselfilter, machten einen Ölwechsel und streichelten unseren Motor!

Kleine Unterhosen Anekdote gefällig?:

Hatti trennt sich nur ungern von Dingen die ihn jahrelang begleitet haben – so auch Unterhosen:). Es gibt aber mittlerweile schon ein paar recht „problematische“ Fälle und er sagte: „Ich brauche wohl mal ein paar neue Unterhosen…!“
Steffi konnte ihr Glück kaum fassen!!!
Dann aber: „Ich wünsche mir zu Weihnachten Neue!“

Liebe Grüße aus Nazaré, wo wir den Durchzug von Randausläufern eines großen Tiefs abwarten und am Freitag hoffentlich große Wellen beobachten dürfen…

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2 Gedanken zu „Aveiro, Figueira da Foz, Nazaré: BigFoot wird zum Rettungskreuzer, Waschmaschine Riesenwellen und Unterhosen.“

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