Dia de São João: Der Tag an dem der Wahnsinn verrückt wird, Köpfe einschlagen und Phallussymbole

Der Heilige Johannes der Täufer, Saint John, oder auf Portugiesisch „São João“, ist der meist verehrte Heilige in Portugal und man feiert seine Geburt in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni. Das ursprünglich katholische Fest wurde im Laufe der Zeit mit der Sommersonnenwende vermischt und gleichzeitig wird die Ernte und die Fruchtbarkeit gefeiert. Das São João Festival wurde uns als größtes und bestes Fest in Porto, wenn nicht gar ganz Portugals, angepriesen.

Nachdem wir uns Freitag und Samstag schon die Füße beim Sightseeing wund gelaufen hatten (jeder von uns war mit 55.000 Schritten dabei), überlegten wir kurz, ob wir am Sonntag noch einmal in die Stadt fahren sollten. Aber…. hey… das größte und beste Fest in Porto ohne uns?? Ähhh….neee…. geht gar nicht!

Also Sachen gepackt und am Sonntagabend wieder Richtung Porto gedüst. Das erwartete Verkehrschaos blieb aus und wir konnten Willy auf unserem bewährten Parkplatz etwas außerhalb vom Zentrum abstellen.

Zum São João Fest gibt es verschiedene Rituale. In der Woche vorher werden Basilikumpflanzen (die aussehen wie kleine Bubiköpfe) zusammen mit kleinen Versen als Glücksbringer verschenkt. Man darf nicht die Nase hineinstecken, denn dann würde die Pflanze eingehen, so heißt es. Stattdessen legt man die flache Hand auf die Blätter und führt diese dann zur Nase, um den Duft einzuatmen.

Die Tripeiros (Einwohner Portos) beginnen das Fest mit einem gemeinsamen Abendessen im Freundes- und Familienkreis. Auf Hochglanz geputzte Wohnstube, gedeckte Tafel mit weißen Tischtüchern, Silberbesteck und Stoffservietten, alle im feinen Zwirn… denkt ihr jetzt? Falsch! Es werden einfach Tische vor die Haustür gestellt, daneben der Grill, auf dem frische Sardinen brutzeln (ein weiteres MUSS an São João) – fertig!

Wir trafen um 18.00 Uhr gerade zur Essens-Zeit ein und schielten neidisch auf die gemütlichen Runden. Aber an zahlreichen Ständen konnte man ebenfalls gegrillte Sardinen und andere Leckereien kaufen. Die Preise waren einmalig günstig, wenn man sich von der Touristenmeile unten am Fluss entfernte. Wer mehr als 1,50 Euro für ein Bier und 2,- Euro für einen Snack ausgab, war selber schuld.

Ein ganz besonderes Ritual des São João Tages ist es, sich gegenseitig mit dem Hammer auf den Kopf zu kloppen! Natürlich nur mit bunten, quietschenden Plastikhämmern, die man an jeder Ecke kaufen kann. Damit wünscht man seinem Gegenüber einen schönen São João Tag und viel Glück für das kommende Jahr. Ursprünglich stellten Knoblauchpflanzen, mit Bezug auf die Fruchtbarkeit, ein Phallussymbol dar und man rieb den entgegen kommenden Menschen die flauschige Blüte (alias Phallus… 😉 ) unter die Nase. Inzwischen wurden die Knoblauchblumen leider von den Plastikhämmern verdrängt. Der Bezug zum Phallus bleibt aber auch hier offensichtlich. Es ist sehr luschtig, sich gegenseitig auf den Döns zu hauen und das Ganze ist bestimmt auch eine gute Bagger-Methode!!! Im Hinblick auf die Fruchtbarkeit werden diese Hammer sicherlich in 9 Monaten ihren Zweck erfüllt haben!

Auch wir kauften uns natürlich ein Hämmerchen, kloppten was das Zeug hält und fanden es ganz toll, auf diese Weise mit attraktiven Exemplaren des anderen Geschlechts in Kontakt zu treten, die man sonst nur verstohlen aus dem Augenwinkel angeschielt hätte. Hatti´s „Hammerhaufrequenz“ steigerte sich von Bier zu Bier! Auf Steffi´s Hinweis, dass das Hammergehauhe keine potenzsteigernde Wirkung habe, sonders lediglich Ausdruck der vorhandenen…., verlangsamte er sein Gehämmer merklich!

Über Facebook hatten wir uns vorher mit Sabine und Norbert, einem anderen Seglerpaar, kurz geschlossen, welches gerade mit dem Boot im Hafen von Porto lag und wir schafften es sogar, uns am Douro-Ufer zu finden! Zusammen mit den beiden stürzten wir uns in´s Getümmel. Die ganze Stadt war inzwischen auf den Beinen, tausende Einheimische und Besucher füllten die vom Grillrauch geschwängerten Gassen! Hatte jemand ein Fenster zur Straße, baute er dort Boxen auf, aus denen die Musik dröhnte. Überall aßen, tranken, sangen, tanzten und hämmerten die Menschen und ließen diese kleinen Heissluftballondingens steigen (immer wenn diese an Dachüberhängen/ Telefon- und Stromleitungen vorbei kamen, wurde dies beklatscht). Und wir mittendrin! Essen, trinken, singen, tanzen und hämmern – das war genau unser Ding! Es war zu und zu geil!

Zur Mitternacht suchten wir uns einen einigermaßen guten Platz, um das riesige Feuerwerk zu beobachten, das am Douro Fluss an der Brücke D. Luis I. gestartet wird. Am Fluss war es sinnlos einen Platz für das Feuerwerk zu ergattern. Man kam nicht mehr durch. Unterhalb der Kathedrale fanden wir unseren Platz. Der Nachthimmel brannte. 20 Minuten lang wurde das Spektakel mit „Aaaahhhhs“ und „Oooohhhhs“ bestaunt.

Verglichen mit unseren heimischen Stadtfesten waren, trotz der Massen, keine Totalausfälle zu beobachten. Einzig an der Toilettenfront war die Lage angespannt. Anfangs hielten sich alle vornehm zurück. Nach dem Feuerwerk jedoch lüfteten die Herren der Schöpfung ihre Phallussymbole ungenierter. Wir standen fast eine halbe Stunde vor einer Toilette an.

Nach einem schier endlosen Marsch, unterbrochen von unzähligen Tanzeinlagen an Musikbühnen, erreichten wir um 03.00 Uhr unseren Willy und waren k.o.! Wir fielen in einen tiefen Schlaf, obwohl wir direkt neben einer Schnellstraße parkten.

Heute, 2 Tage später, hat sich der Nebel im Kopf endlich wieder gelichtet.
Noch einmal: Es war zu und zu geil! Sabine und Norbert…schön, dass wir Euch kennenlernen durften!

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