Hoch die Tassen – Portugal: Dänisch auf rückwärts, eine endlose Treppe und 2 Liter Wein im Blut

Am Pfingstsonntag, den 9. Juni holten wir den Anker vom Grund der Ria de Vigo und machten uns zusammen mit unserem Freund Mehldi auf den Weg Richtung Süden! Ein bisschen Wehmut machte sich breit, da wir nun dieses wunderschöne Segelrevier verlassen sollten, wo wir uns so wohl fühlten.

Aber so ist das beim Langfahrtsegeln: kaum ist man irgendwo angekommen…. schwupps geht es nach 7 Monaten auch schon weiter!

Bei Windstille mussten wir die Maschine bemühen. Der vorausgesagte zunehmende Wind blieb leider aus, dafür aber auch der angesagte Regen. Bei strahlendem Sonnenschein tuckerten wir Portugal entgegen. Wieder einmal hatten wir etwas Bauchschmerzen wegen der Hafeneinfahrt, die ja in Portugal immer besonders tückisch werden kann. Aber alle Sorgen waren unbegründet. Bei ruhigem Wetter kamen wir problemlos in die breite Flusseinfahrt hinein, der Marinero nahm uns per Jetski in Empfang, die Fussgängerbrücke am Eingang des Hafens wurde für uns geöffnet und 10 Minuten später lagen wir gut vertäut im Hafen von Viana do Costelo – unsere erste portugiesische Station!! Wie cool, wieder an einem neuen Ort auf Entdeckungsreise gehen zu können.

Bei unserem ersten Rundgang durch die Stadt stellten wir dann fest, dass es stimmt, was uns schon andere Segler vorher erzählt hatten: Die Sprache scheint irgendeine Sprache (evtl. dänisch!?) zu sein, die rückwärts gesprochen wird und in Portugal werden abends um 19 Uhr die Bürgersteige hoch geklappt! In Spanien sind die Straßen und Bars abends voll mit Menschen und die Kinder spielen auf dem Marktplatz Fussball. Abends 19 Uhr in Viana do Costelo: Totentanz! Keine Menschenseele auf der Straße, Geschäfte und Bars geschlossen. Irgendwie bedrückend… wir hatten uns schon so an das quirlige spanische Leben gewöhnt. Anders war es allerdings im örtlichen Einkaufszentrum. Voll! Lärm! Shopping! Das war nix für uns! Schnell wieder auf die Straße!

Am nächsten Tag ging´s dann los zu unserer Sightseeing-Tour und wir waren versöhnt: Sonnenschein, belebte Straßen, bunt geschmückte Gassen, sehr hübsche, gepflegte Häuserfassaden, kleine und große Kirchen. Ein Highlight war die Wallfahrtskapelle „Heiligtum der Santa Luzia“, die dem Pariser Sacré-Coer nachempfunden ist. Die Kapelle steht auf einem Hügel und man kann sich von einer kleinen Stand-Seilbahn dort hoch bringen lassen. Wir Sportskanonen nahmen natürlich lieber die 660 Stufen hinauf, auch wenn unsere alten Knie ein bisschen maulten. Oben hat man einen genialen Ausblick auf die Stadt und die Umgebung und in der Kirche sangen ein paar Priester uns ein Willkommens-Ständchen. Großartig!

Nach dem Abstieg folgte das zweite Highlight: von befreundeten Seglern wurde uns ein Restaurant in Viana do Costelo empfohlen. Ein echter Geheimtipp, da sich das unscheinbare Lokal in einer Seitenstraße befindet, wo sich die Touris normalerweise nicht hin verirren. Nach unserem Sportprogramm hatten wir uns eine Stärkung verdient, also hin da!
Als wir dort ankamen, standen die Portugiesen schon Schlange, um einen Tisch in dem Laden zu bekommen. Na, das war doch schon mal ein gutes Zeichen! Wir reihten uns also in die Warteschlange ein und es wurde dann auch ziemlich schnell ein Plätzchen für uns frei. Was dann kam, war der Hammer: Tagesmenü inkl. Brot, Suppe, Hauptgang (Fisch), 2 Krügen (jeweils ein Liter) Wein und Kaffee. Alles sehr reichlich und lecker! Und dann die Rechnung: 18,- EUR für uns drei zusammen. Unglaublich! So, und damit sich die Portugiesen bald über mehr ausländische Gäste in ihrem Restaurant freuen können, wollen wir natürlich allen zukünftigen Besuchern von Viana do Costelo verraten, wo dieser Geheimtipp zu finden ist: hier!

Mit 2 Litern Wein im Blut schlenderten wir ziemlich entspannt durch die Altstadt und machten den FaxenMax:)

Am Dienstag war dann wieder Abschied nehmen angesagt. Mehldi stieg morgens in den Zug nach Vigo, wo ihn noch ein 3-tägiger Geschäftstermin erwartete.

Wir waren wieder allein. Aber bevor wir uns unserer Zweisamkeit widmen konnten, hieß es Wäsche waschen, aufräumen und putzen… kurz: klar Schiff machen. Nachmittags machten wir eine schöne Fahrradtour und dachten plötzlich, wir wären an der Nordsee: Die Berge waren komplett verschwunden, statt dessen Dünen und lange, weiße Sandstrände. Auch schön! Und zur Abwechslung mal kein Müll am Strand – toll!
Nach den reichhaltigen letzten Tagen mit unseren Gästen gab´s dann am Abend mal wieder einen Becher Fencheltee!!

6 Gedanken zu „Hoch die Tassen – Portugal: Dänisch auf rückwärts, eine endlose Treppe und 2 Liter Wein im Blut“

  1. Wir lieben Portugal – und die Sprache ist wirklich schwer verständlich! Man kommt aber sehr oft auch mit spanisch weiter ! Weiter viel Spaß, die Küste ist noch lang!

    1. …Danke! 🙂
      Manche Dinge muss man “einfach” machen. Arbeitszeit reduzieren, Jobwechsel, Umzug… geht alles, wenn der Mut vorhanden ist oder, und das ist die schlechterer Alternative, wenn es einschneidende Anlässe gibt.

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