Autopilgern nach Santiago: Schuss nicht gehört, eine Nacht auf dem Friedhof und ein paar Pilger

Die letzten 8 Tage hatten wir so richtiges Scheißwetter. Während in Hamburg die Sonne schien und sich unsere Heimatinsel Wilhelmsburg bei über 20 Grad und grillrauchgeschwängert von der sanft dahinfließenden Elbe liebkosen ließ, kamen wir bei Sturm und Regen kaum aus dem Schiff. Der Wetterbericht kündigte zwei Tage Pause dieses Wahnsinns an.  Willy wurde für eine Übernachtung vorbereitet und auf ging es in zwei Nationalparks und anschließend nach Santiago de Compostela, die Hauptstadt Galiziens!

Wie immer sollte es langsam voran gehen. Waren wir auf einer größeren Straße, hielten wir Ausschau nach einer kleineren. Umso tiefer wir in die Nationalparks reinfuhren, umso mehr wünschten wir uns aber schnell wieder eine vernünftige Straße. Es wurde immer abenteuerlicher. Auf einem durch Regengüsse ausgewaschenen Anstieg, als die Reifen durchdrehten schrie uns Willy an: „Ey ihr beiden Flachlanddeppen…habt ihr den Schuss nicht gehört? Für mich ist hier Schluss! Geht von mir aus zu Fuß weiter!“

Also den Hang bis zur nächsten Wendemöglichkeit rückwärts runter und kleinlaut auf die Suche nach einer besseren Straße gemacht. Puh! Belohnt wurden wir bei unserem Abstieg mit einem sehr schönen Wanderweg an einem Gebirgsbach.

Gegen Abend war es Zeit, sich nach einem Übernachtungsplatz umzusehen. Wieder half uns unsere App „Park4Night“. Um Santiago herum war es mit Übernachtungsplätzen ein bischn dünne. Nur ein durch einen Engländer und einem Franzosen „getesteter“ Platz schien in Ordnung. Obwohl die Kombi Engländer/Franzose schon etwas beängstigend war und auch die Lage, direkt an einer Kapelle mit angeschlossenem Friedhof so…, wir wissen auch nicht wie … war. Letztlich war es aber echt nett dort und wir ließen den Abend bei Wein, Käse, Schinken und Oliven ausklingen.

Erst um 09.30 Uhr wurden wir, nach einer längeren Schlafpause in der Nacht, in der wir der Kälte wegen (2 Grad), den Motor laufen lassen mussten, wach. Frühstücken und ab nach Santiago.

In der Vorsaison ist es noch nicht so voll gewesen und man konnte sich gut in der Stadt bewegen. In der prächtigen Kathedrale endet für die Pilger der Jakobsweg. Wir waren sehr gespannt auf das Bauwerk und rechneten mit langen Schlangen vor dem Eingang. Aber nix da – wir konnten einfach so herein spazieren! Drinnen angekommen, guckten wir ziemlich blöd aus der Wäsche: die Kathedrale wird nämlich gerade renoviert und ein Großteil war eingerüstet oder eingeplant! Viel zu sehen gab es nicht. Schön Schiet aber auch!

Egal, Santiago war es wert besucht zu werden, obwohl es schon recht touristisch wirkt und das Pilgerflair, wegen der zu dieser Jahreszeit wenigen Pilger, nicht richtig aufkommen wollte. Doch die vielen alten, prächtigen Gebäude, ein großer Markt, viele Studenten (Hatti: „Chic, Chic Chic! Alle in meinem Alter!“) und Straßenmusiker in den kleinen Gassen machen eine tolle Atmosphäre.

 

 

Ein Gedanke zu „Autopilgern nach Santiago: Schuss nicht gehört, eine Nacht auf dem Friedhof und ein paar Pilger“

  1. Hihi, egal welches imposante u d historische Bauwerk ich jemals besichtigen wollte, so war es jedes Mal entweder total oder zumindest teilweise wegen Restaurierung geschlossen. Aber meine Anreise zu den diversen Orten war nicht so spannend wie bei euch 😀🤣

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