Südbretagne bis zur spanischen Küste

Nach La Rochelle stand Bordeaux auf dem Plan. Bordeuax liegt weit im Landesinneren am Fluss Gironde. Der Weg flussaufwärts war zu weit für uns, weshalb wir am Flusseingang im Hafen Port Medoc anlegten und uns zusammen mit der Crew der YOKO ein Auto mieteten, um die 100 Kilometer nach Bordeuax zu fahren. Bordeaux war, wie erwartet eine große, bunte und tolle Stadt…
Noch besser waren allerdings die am folgenden Tag stattfindenden Weinproben auf diversen Weingütern in der Gegend. Auch wenn wir Wein sonst nur nach dem Motto - viel und billig - einkaufen, war es interessant zu schmecken, was darüber hinaus noch so geht. Auch wir wurden fündig.
Nach 8 Tagen in Port Medoc standen sie nun an:130 Meilen Biskaya.Schaut man in die Revierführer der Biskaya, liest man: „möglichst weit westlich starten, Brest oder besser noch Süd –England und dann in einem Rutsch runter nach Coruna!“
Beherzigt man dies, wird man nie erfahren, was man an der Küste verpasst hat!
Zugegeben, die Biskaya war die letzten Wochen eher ein Ententeich, aber Bretagne und Gascogne würden selbst Sturmtage im Hafen nie langweilig werden lassen. Es gab und gibt sooo viel zu entdecken. Und wenn man die Zeit hat…wieso also nicht an der Küste entlang?
Bis zur Gironde (Fluss in Richtung Bordeaux) ist Hafenhoppeln in Tagesetappen sehr einfach. Ab Port Medoc jedoch sollte man eine längere Distanz von 130 Meilen überwinden, weil:
1. zwei große Schießgebiete auf dem Weg liegen, die nur zu bestimmten Zeiten durchquert werden dürfen
Anmerkung: Fragt man revierkundige Franzosen, wissen diese meist noch nicht einmal von der Existenz dieser Gebiete und uns wurde schnell bewusst, dass wir das Thema „Schießgebiet“ völlig überbewerteten. Ein Anruf bei einer Lotsenstation brachte Sicherheit: Freie Fahrt!
2. Das Becken von Arcachon, welches einen Zwischenstopp ermöglichen würde, ist in seiner Einfahrt recht anspruchsvoll/gefährlich und ist man erst einmal drin, braucht man wieder optimale Bedingungen, um heraus zu kommen.
Die Wetterprognosen waren einigermaßen ok. Wir hatten 4-5 Windstärken mit zeitweise mal 6er Böen drin. Leider gab es weiter draußen auf der Biskaya ein stärkeres Westwindfeld, was auch bei uns noch für entsprechend hohe und konfuse Wellen auf nur 40 Meter Wassertiefe sorgte.
Ergebnis: es war durchweg ein ordentliches Geschaukel und Steffi, wie auch Ilona auf dem großen Fahrtenkatamaran, mit dem wir zusammen reisten, mussten die Fische füttern.
In der Nacht ging das Geschaukel weiter aber man sah die Wellen nicht mehr auf sich zukommen. Zur jeder vollen Stunde hatte wir zum Katamaran YOKO Funkkontakt, um uns zu sagen, wie es jeweils schaukelt.
Als der Wind zum Morgen hin einschlief, wurde der Motor „FastFoot“ gestartet und musste 10 Stunden bei hoher Drehzahl gegen Strom und auf Süd drehenden Wind gegenan kämpfen. Das gehackte Wellenbild blieb jedoch bis zuletzt.
Da Bayonne ein Flusshafen ist und wir bei ablaufendem Wasser ankamen, addierten sich Flusswasser und Tide zu 3,5 Knoten Gegenstrom in der engen Hafeneinfahrt und wir krochen bei fast Vollgas mit gerade mal 2 Knoten Geschwindigkeit für 30 Minuten bis zum Yachthafen.
Alles in allem war es keine wirklich angenehme Nachtfahrt und im Hafen angekommen, wankten wir über die Stege und hatten im Schiff immer noch das Bedürfnis, uns überall festhalten zu müssen. Jörg hatte ständig das Gefühl, ins Leere zu treten und stakste wie ein Storch.
Beim hochspannenden Fussballspiel Frankreich gegen Uruguay schliefen wir schon ein.
Aber wir sind happy, dass wir diese Strecke erfolgreich hinter uns gebracht haben. Spanien war nicht mehr weit.
Nach ein paar Tagen in Bayonne ging es nach einem Zwischenstopp in einer für uns recht ungemütlichen Ankerbucht in den letzten französischen Hafen Hendaye, direkt an der spanischen Grenze. Hier konnten wir u.a. das Fussballspiel Frankreich-Belgien sehen. Was für eine Party, als die Franzosen gewonnen haben!

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