Von Brest nach Benodet

Camaret-Sur-Mer hatte an Ausflugszielen Einiges zu bieten. Mehldi konnte sich bei der Hafenmeisterin (einer Berlinerin) ein altes Fahrrad ausleihen, welches ihm zwar schnell die Grenzen seiner Kondition aufzeigte, uns aber einigermaßen mobil machte. Nach ein paar Tagen zog es uns jedoch zu neuen Ufern! Wahnwitzige 10 Seemeilen segelten wir in die Bucht von Brest, wo wir eine Nacht vor Anker lagen und uns am folgenden Morgen in den Hafen nahe des Meerwasseraquariums machten, welches wir besichtigen wollten.
Über solche Aquarien, in dem große, normalerweise wild lebende Tiere auf engem Raum gehalten werden, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Auch wir sind da mit uns nicht ganz im Reinen. zumindest machte das Aquarium den Eindruck, dass man sich alle Mühe gab, das Leben der Tiere erträglich zu machen…

Die Stadt Brest schenkten wir uns, weil sie als Industriestadt nicht so viel her gab und die Hafengebühren nicht ohne waren (immerhin bekamen wir eine Freikarte für das Aquarium, die alleine 21,- EUR kostet). Wir saßen am Vorabend 2 Stunden zusammen, um den schwierigen Törn durch das Raz de Sein bis nach Audierne zu planen. Dieses Raz ist die letzte Engstelle, die uns erwartete, wo die Tidenströme durch die Geologie so komprimiert werden, dass alle Törnführer raten, bei Stillwasser, d.h. wenn Ebbe und Flut jeweils wechseln und keinesfalls bei Wind gegen Strom, das Raz zu durchqueren. 10 Seemeilen vor dem Raz stellte Jörg dann lustigerweise fest, dass wir uns am Vortag um 2 Stunden verrechnet hatten und wir bei zunehmendem Wind genau die Situation vorfinden würden, die das Raz zu einem Hexenkessel werden lassen kann!
„Abdrehen“ hieß es!

Morgat war ein guter Alternativhafen. Hier verbrachten wir tolle, aber auch letzte Tage mit Mehldi. Insbesondere die erneute Fahrradtour wird wohl allen im Gedächtnis bleiben. Einer der berühmten „Abkürzungen“ von Hatti folgend, fanden wir uns plötzlich auf einem zugewachsenen Feldweg knöcheltief im Schlamm wieder. Jörg vorneweg meinte hinterher, er konnte den Unmut von Steffi und Mehldi körperlich im Nacken spüren! 😉

Mehldi musste wegen Streiks der französischen Eisenbahner schon am Donnerstag vor Pfingsten abreisen.

Mit einem Mal waren wir alleine!

…aber nur für ein paar Stunden. Schon zum Nachmittag trafen Ilona und Andreas mit Ihrem Katamaran „Yoko“ ein. Sie waren uns schon einige Zeit auf den Fersen und mit dem schnellen Kat war es nur eine Frage der Zeit, bis sie uns einholen würden.

Wir müssen zugeben, dass wir die letzten Wochen, im Urlaubsmodus, nicht wenig getrunken haben. Es stellte sich heraus, dass die beiden in den letzten 2 Wochen so viel getrunken hatten wie wir an einem Tag.
Oh je! Damit musste Schluss sein! Ab sofort tranken sie genau so viel wie wir! 🙂
Neee, mal ehrlich: es ist nicht leicht, mal nichts zu trinken, weil sich Gelegenheiten mit anderen Crews ständig ergeben. Aber zum einen ist es nicht wirklich toll, jeden Morgen verkatert aufzuwachen und dem Budget ist es auch eher abträglich. Deshalb versucht man, sich zusammen zu reißen. Und manchmal gelingt es auch!

Definitiv nicht betrunken waren wir, als wir mitten im Hafenbecken einen Delfin entdeckten! Er schien sich dort pudelwohl zu fühlen, tauchte direkt an unserem Steg auf und „parkte“ einen Moment neben unserem Bug. BOAHHHHH! Wie coooool!!!

Mit Ilona und Andreas verbrachten wir noch ein paar Tage in Morgat, während dieser wir u.a. in eine der Höhlen, die es hier gibt, mit dem Beiboot der Yoko hineinfuhren. Hatti musste sich eingestehen, dass ihm das doch ein wenig unheimlich war! Memme!

Dann war der Zeitpunkt gekommen, gemeinsam mit der Yoko das Raz de Sein zu durchqueren. Um 04.45 Uhr klingelte der Wecker und 15 Minuten später waren wir, noch im Dunkeln, unterwegs und konnten kurz danach einen tollen Sonnenaufgang genießen. Das Raz erreichten wir auf die Minute genau bei Stillwasser und Windstille. Die See war spiegelglatt. Puh, geschafft! In einem späteren Hafen sahen wir Bilder vom Raz, die man sich kaum vorstellen kann …und will!

Wind hatten wir während der Fahrt kaum und Hatti nutzte die Gelegenheit zum Schleppangeln. Krawumm!!! Inerhalb von 5 Minuten hatte er 2 recht große Fische am Haken. Wir sind noch am Recherchieren, was für Fische es sind! Tipps sind wilkommen!

In Audierne wollten wir eigentlich ankern, um das Geld an einer Mooringtonne zu sparen. Wir konnten jedoch miterleben, wie ein englischer Segler seinen Anker nicht mehr hoch bekam, weil dieser am Grund irgendwo verhakt war. Am Ende ließ er sein komplettes Ankergeschirr (Wert ca. 1500,- EUR) in die Tiefe rauschen und verschwand.
Ab an die Mooringtonne!

Am nächsten Morgen ging es wieder recht früh weiter nach Lesconil. Hier waren wir mit Barbara und Jean-Jacques verabredet, die das Boot Ihres belgischen Freundes Luc nach Belgien überführten und uns entgegen kamen.

So… auf dieser Fahrt war es dann so weit: Uns begleiteten 2 Delfine 10 Minuten lang, spielten um unseren Bug herum und man konnte deutlich sehen, wie sie sich auf die Seite legten, um auch uns zu beobachten. Wir waren sowas von geflasht! Darauf hatten wir immer gehofft. Das war jetzt der wahre „Delfin-Moment“!

Was für ein Wiedersehen dann mit den Freunden aus unserem Harburger Werfthafen „Peter Knief“.
Für Jörg begann das Wiedersehen sofort mit einem Tauchauftrag. Babara, Jean-Jacques und Luc sind am Vortag angekommen und sind versehentlich in das Gebiet einer Algenzucht geraten. Das Ergebnis war ein armdicker Tampen in der Schraube, den sie zwar durchschneiden konnten, aber manövrierunfähig vom Hafenmeister in den Hafen geschleppt werden mussten. Sie wussten, dass unsere „Bigfoot“ Tauchgeräte mit sich herumfuhr und warteten schon auf uns. Der Tampen war schnell aus der Schraube raus und die Aktion wurde Abends bei gutem Essen „befeiert“.
Wir alle blieben auch den nächsten Tag mit unseren 3 Schiffen noch in Lesconil. Gegen Nachmittag kam ein Fischkutter in den Hafen und unser Franzose Jean-Jacques nutzte die Gelegenheit, den Kutter um 2 KG Langustini zu erleichtern. Wir trafen uns auf dem Katamaran Yoko, weil dieser für alle ausreichend Platz bot und jeder brachte irgendetwas mit. Der Tisch war - voll von Leckereien - kaum noch zu sehen. Was Jean-Jacques jedoch zauberte, war einmalig! Als Dessert wurden uns noch Crèpes mit Caramel-Creme und Eierlikör kredenzt. Steffi sagte ständig: „Ich glaube, ich bin tot und im Himmel - Wat lecker!“
Wir lernten auch noch die französiche Redensart für solche Gelegenheiten: „Je prend mon pied“! Heißt wörtlich übersetzt „Ich nehme meinen Fuß“, bedeutet aber „Ich habe Spaß!“. Na, wenn das nicht das richtige Credo für die BigFoot-Crew ist!! 🙂

Am nächsten Tag hieß es von allen Abschied nehmen. Die Yoko wollte zu einer Inselgruppe, Babara, Jean-Jacques und Luc weiter Richtung Belgien und wir wollten in den Fluss Odet zum Ankern. Zum ersten Mal seit Abfahrt waren wir komplett alleine. Zudem auch noch in einem Flussabschnitt, in dem kein Mensch zu sehen war! Komisches Gefühl. Aber schon am nächsten Tag lag die Yoko wieder neben uns im Fluss. Yipeeeeh!

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