Auf nach Helgoland

So!!! Schluss mit der Heulerei! BigFoot braucht nun Zuwendungen. In Wedel gibt es die Möglichkeit, den Kompass zu kalibrieren. Wir brauchten aufgrund von „Dämlichkeit“ 2 Stunden! Das Schiff wurde erstmalig seit 7 Monaten wieder segelfertig gemacht. Seeventile dicht, alles verstauen und noch mal überlegen, wofür die ganzen Taue an Bord sind!? Wo ist vorne, wo ist hinten, und wie heißen wir?

Auf der Elbe erlebten wir herrlichstes Segeln bis Glückstadt.

Kaum in Glückstadt angekommen, meldete sich unser Freund Jörg Mehldau, der selber mit seinem Schiff DIVA und seinem Freund Steffen unterwegs war, aus Cuxhaven, wo wir uns denn treffen könnten. Die Wettervorhersagen entschieden, dass wir in Glückstadt bleiben und auf die beiden warten würden.

Bevor sie am nächsten Tag gegen Mittag eintrafen, gingen wir noch eine Runde im Naturschutzgebiet joggen. Beim Anblick der dort grasenden, leckeren Schafe am Deich übte Jörg sich in der Schafsjagd. Leider entschieden die speziell für Sprintstrecken gezüchteten Hochleistungsschafe jedes Rennen für sich und wunderten sich über die behaarte Qualle, die in Manier eines Jack Sparrows hinter ihnen herstolperte. Aber wartet ab…mit zunehmenden Hunger wird Jörg über sich hinaus wachsen. Und wehe dem essbaren Geschöpf, welches ein Handicap durchblicken lässt.

2 Tage blieben wir wegen Starkwind in Glückstadt bei recht verregnetem Wetter. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch! Lustig war es! Insbesondere der Besuch der Hafenkneipe „Zur alten Oper“ war genial Hier verabredete Jörg sich mit dem Wirt, bei Rückreise wieder einzukehren. Wie oft das wohl noch geschehen wird!?

Donnerstag machten sich beide Schiffe auf die Weiterfahrt – die Diva Richtung Harburger Binnenhafen, die BigFoot Richtung Cuxhaven. Nachmittags passierten wir Brunsbüttel, wo wir normalerweise in den NOK einbogen. Gibt es eine Welt hinter Brunsbüttel? Ja! Zum ersten Mal an fremden Ufern! Wir bekamen den Tip, im Amerikahafen fest zu machen. Der in einer Industrieidylle gelegene Hafen präsentierte sich als familiär, liebevoll eingerichtet und mit kleinen Extras wie Leihfahrräder für kostnix. Und noch dazu sehr günstig. Wegen des Wetters blieben wir auch den nächsten Tag noch dort.

Stöhhhnnnn!!! Samstag 03:00 Uhr klingelt der Wecker! Eine Stunde nach Hochwasser soll man mit dem Ebbstrom aus der Elbe auslaufen. Die Gezeiten bestimmen ab sofort den Tagesrhythmus. Ziemlich angespannt verließen wir im Dunkeln den Hafen und machten uns auf die 35 Seemeilen weite Distanz Richtung Helgoland. Wir bekamen ca 4 Beaufort direkt auf die Nase und mit dem Strom gegen den Wind ergab das eine ungemütliche Elbmündung. Das Deck wurde häufig gewaschen! Uns fehlt noch die Ruhe, um in solchen Momenten Fotos zu machen. Als wir jedoch nach Nordwest abdrehten und das Fahrwasser verließen, wurde es merklich ruhiger, weil der Ebbstrom verloren ging.
Von See kommend soll es toll sein, wenn der Helgoländer Felsen sich langsam am Horizont aus dem Dunst schält. Als wir eine halbe Seemeile vor der Seekartenposition der Insel waren und immer noch nichts zu sehen war, waren wir uns sicher: Helgoland ist nur ein Mythos! Kurz vor der Ankunft wurden dann auch wir in dicken Nebel gehüllt. Die Hafeneinfahrt war kaum auszumachen. Ist es die Mole oder ein Schiff, welches uns da entgegen kommt??? Als wir schließlich doch am Steg festmachten brach der Himmel auf und wir hatten strahlenden Sonnenschein! Sehr lustig! Der Hafen war weder überfüllt noch überteuert (beides hatten wir befürchtet). Wir entschieden daher, unseren Aufenthalt auf Helgoland zu verlängern um die Insel kennenzulernen und uns auszuruhen. Wanderungen, Seehundbänke, Kino, Schwimmbad usw. standen auf dem Programm.

Erkenntnisse der ersten Woche:

  1. uns müssen unbedingt wieder Seebeine wachsen! Zwar sind wir immer recht vorsichtig, aber die Anspannung fällt momentan auch bei schönem Segeln noch nicht ab. Allerdings ticken die Segler hier auch anders! Hier wird bei Böenwarnung 8 Bft. noch abgelegt und heute morgen um 08:00 Uhr kam ein 80-jähriger Einhandsegler von einer Nachtfahrt in den Hafen.Bei 7 Bft.!!!
  2. Als Ostsee-Segler ist man komplett verwöhnt! Da ist nix mit Ebbe und Flut, Seegatten, Barren, Wind gegen Strom und Rechnerrei mit den Gezeiten. Raus aus dem Hafen, Segel setzten, fertig.
  3. Die schönen und erholsamen Tage auf Helgoland bestätigten uns noch einmal was wir eigentlich schon wussten: Man muss nicht weit reisen, um schöne Momente zu erleben. Eine Flasche Wein und Käse in einer Ecke des Helgoländer Felsens, das Lagerfeuer auf Fehmarn am Strand oder der Badetag am Ortkaatener See in Hamburg…das reicht! Das soll uns aber nicht vom Weitersegeln abhalten! 😉

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